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Surowikin-Linie: "Könnte Dominoeffekt geben!" Militärexperte analysiert Ukraine-Durchbruch

Die Ukraine meldete am Wochenende den Durchbruch der ersten Verteidigungslinie der Russen im Süden des Landes. Militärexperte Marcus Reisner analysiert die Kriegslage und gibt einen Ausblick, wie die Chancen für die ukrainische Gegenoffensive stehen.

Die Ukraine kämpft im Süden des Landes gegen die russischen Besatzer. (Foto) Suche
Die Ukraine kämpft im Süden des Landes gegen die russischen Besatzer. Bild: picture alliance/dpa/Ukrinform | ---

Nach mehr als drei Monate langen Kämpfen haben sich die ukrainischen Truppen im Süden des Landes durch die erste und angeblich am stärksten mit Minenfeldern, Gräben und Feuernestern befestigte Verteidigungslinie der Russen gekämpft. Ein Militär-Experte erklärt nun, was dieser Durchbruch für den weiteren Kriegsverlauf bedeuten könnte.

Surowikin-Verteidigungslinie durchbrochen: Ukraine erzielt Einbruch

In den vergangenen Monaten bauten die Russen im Süden der Ukraine eine gewaltige Befestigungsanlage: Der Surowikin-Linie. Sie bestehe aus einer Gefechtsvorpostenlinie sowie einer ersten, zweiten sowie dritten Verteidigungslinie. Nun wurde von den ukrainischen Truppen die Gefechtsvorpostenlinie durchbrochen. Die Surowikin-Linie wurde demnach also nicht durchbrochen. Man habe lediglich einen "Einbruch erzielt", erklärt Militär-Experte Marcus Reisner gegenüber "n-tv". Demnach stehen die ukrainischen Truppen nun an der "tatsächlichen Hauptlinie, der ersten Verteidigungslinie". Diese wurde sogar "in Teilen" durchdrungen, "aber nicht im Sinne eines operativen Durchbruchs".

"Die Ukrainer haben es geschafft, durch den Vorgarten zu kommen, sind jetzt bei der Eingangstür und haben dort einen Fuß durchbekommen. Sie müssen aber noch durch das Haus durch und in den hinteren Garten und man weiß nicht, ob im Haus nicht noch Türen geschlossen sind", erklärt Reisner. "Ein operativer Durchbruch wäre wie ein Damm, der bricht und nicht mehr aufzuhalten ist. Man spricht deswegen hier von einem Einbruch."

"Dominoeffekt möglich!" So könnte die Ukraine die Russen bezwingen

Der weitere Verlauf der Gegenoffensive hänge davon ab, wie die russischen Truppen die hintere Verteidigungslinie besetzt haben. So wurden kürzlich die 76. Garde Luftsturm-Division sowie Teile der 41. Armee in den Süden verlegt. Reisner geht daher davon aus, dass Russland bereits "signifikante Kräfte verbraucht" habe. Doch die Russen scheinen aufzurüsten. "Die Auswertung von Videos in den sozialen Medien zeigt, dass Russland während der Kämpfe in der Gefechtsvorpostenlinie bereits damit begonnen hat, weitere Minenfelder in der Tiefe anzulegen", sagte der Militär-Experte im Interview. "Trotzdem könnte so ein Dominoeffekt wieder funktionieren."

Sollte die zweite sowie die dritte Verteidigungslinie nur schwach besetzt sein und der Ukraine ein Durchbruch gelingen, hält Reisner ein Szenario wie in Charkiw für denkbar. "Da hat man gesehen, dass die Ukrainer es geschafft haben, in sehr kurzer Zeit durch die dünn besetzten Stellungen der Russen durchzubrechen. Danach gab es einen Dominoeffekt. Wie bei einem Dammbruch war der ukrainische Vorstoß nicht mehr aufzuhalten und die russischen Kräfte haben sich zum Teil in Panik zurückgezogen", sagt der Militär-Experte. Doch die russischen Verteidigungslinien sind mittlerweile deutlich besser ausgebaut.

Ukraine muss russische Versorgungslinie unterbrechen

Tokmak ist für die ukrainischen Truppen nun ein "wichtiger Logistikpunkt". "Würden es die Ukrainer schaffen, bis nach Tokmak vorzustoßen, dann wäre es unter Umständen möglich, mit amerikanischen HIMARS-Raketen wichtige Straßen, russische Munitionsdepots und Kommandostrukturen unter Beschuss zu nehmen, während sie gleichzeitig die Krimbrücken weiter attackieren, um die Ressourcen für die Russen komplett abzuschneiden. So müsste man unter Umständen gar nicht alles physisch in Besitz nehmen", sagt Reisner. Zwar hätte man noch nicht die Kontrolle über die Gebiete, jedoch könnte man die Versorgungslinie der Russen unterbrechen.

Der Erfolg der Gegenoffensive hänge davon ab, "wie weit und wie tief die Einbruchstelle" an der russischen Verteidigungslinie ist. Zudem müsse es gelingen, die russische Versorgung mit Angriffen zu unterbinden. Doch viel zeit bleibe der Ukraine dafür nicht. Es gebe "kaum mehr Reserven". Zudem habe die Ukraine alles auf eine Karte gesetzt. 

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/gom/news.de

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