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Hochwasser-Katastrophe in Deutschland: Extremwetter-Alarm! Woher kommen die gewaltigen Regenmassen?

Eine extrem nasse Wetterlage sorgt derzeit für gewaltige Regenmassen in Deutschland. In einigen Regionen könnte sich dadurch die Hochwasserlage verschärfen. Experten befürchten, dass sich derartige Extrem-Wetter-Ereignisse häufen können.

Land unter bei Wörlsdorf im Landkreis Coburg, direkt an der Grenze zu Thüringen. (Foto) Suche
Land unter bei Wörlsdorf im Landkreis Coburg, direkt an der Grenze zu Thüringen. Bild: picture alliance/dpa | Pia Bayer

Gewaltige Regenmengen sorgen seit Wochen in mehreren Regionen Deutschlands für Hochwasser-Alarm. Wo kommt das ganze Wasser so plötzlich her?

Hochwasser-Katastrophe in Deutschland: Westwetterlage sorgt für gewaltige Regenmengen

Durch eine anhaltende Westwetterlage herrschen über Mitteleuropa derzeit sehr milde Luftmassen. Und die sind auch schuld an der äußerst nassen Witterung. "Je wärmer die Luft, desto mehr Feuchte kann sie aufnehmen", sagt der Meteorologe Jürgen Schmidt von "WetterKontor" gegenüber der "Bild"."Zwischen dem Azorenhoch und dem Island-Tief klafft ein riesiger Luftdruckunterschied, hierdurch entsteht eine starke Westströmung. Vom Atlantik prägt sich in Folge eine Wasserstraße aus", erklärt Klimatologe Karsten Brandt von "donnerwetter.de". Diese "Wasserstraße" zieht direkt über Deutschland und sorgt für reichlich Regen.

Wetterdienst warnt vor Dauerregen - Verschärfung der Hochwasserlage befürchtet

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagt weiterhin sehr nasses Wetter voraus. Bis Donnerstag müsse mit weiteren Regenfällen gerechnet werden. In einigen Regionen drohe Dauerregen. Der DWD warnt vor gewaltigen Regenmengen mit bis zu 100 Litern pro Quadratmeter. Vor allem die Mittelgebirge seien betroffen. "Alles, was hier als Gebirge in die Luft ragt, dient als 'Wolkenfänger' und kämmt die Feuchtigkeit aus. Entsprechend fallen in den kommenden Tagen etwa im Harz, Sauerland und im Bergischen Land bis zu 100 Liter pro Quadratmeter Regen. Da die Böden zurzeit gesättigt sind, fließt das Wasser direkt in die Gewässer ab", sagt Brandt gegenüber der "Bild". Die durchnässten Böden können kein Wasser mehr aufnehmen. Dadurch verschärft sich die Lage in den Hochwasser-Gebieten weiter. 

"Eben noch große Trockenheit, dann wieder große Flutwellen!" Klimawandel sorgt für mehr Extrem-Wetter-Ereignisse

Obwohl es derartige Wetterlagen bereits in der Vergangenheit gab, können sich derartige Phänomene durch den Klimawandel häufen. "Wir hatten schon 1993 und 1995 aufgrund von Westwetterlagen viel Sturm und Hochwasser. Aufgrund der globalen Erwärmung werden die Luftmassen aber immer wärmer, können mehr Feuchtigkeit aufnehmen und transportieren und bringen uns mehr Potenzial für Starkregen und Überschwemmungen. Die Flutwelle im Sommer 2022 war auch eine Auswirkung", sagt Meteorologe Dominik Jung von "wetter.net" gegenüber der "Bild". "Wahrscheinlich werden wir in Zukunft immer mehr solcher Extrem-Wetter-Ereignisse bekommen. Eben noch große Trockenheit, dann wieder große Flutwellen. Das Wetter wird extremer, die Unterschiede immer größer."

Experten sicher: Lange Hochwasser-Ereignisse immer öfter in Zukunft

Als Konsequenz aus dem Hochwasser fordern Experten ein Umdenken beim Schutz vor Überschwemmungen. "Im Zuge des Klimawandels, wo sich die Hochwasser-Prozesse ändern werden, werden wir sicher andere Arten von Hochwässer in Zukunft sehen", sagte Ralf Merz, Hydrologe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle (Saale), am Mittwochmorgen im Deutschlandfunk. "Solche langen Hochwasser-Ereignisse wird es auch in Zukunft sicher öfter geben."

Seit Tagen sind in mehreren Bundesländern Tausende Helfer im Einsatz. Betroffen sind vor allem Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Viele Schäden könnten vermieden werden, sagte der Hydrologe. Merz zufolge sollte darüber nachgedacht werden, ob der aktuelle Hochwasserschutz so noch funktioniere. "Denn vielleicht ist jetzt das, was wir aus der Vergangenheit gelernt haben, nicht immer eine gute Maßnahme für die Zukunft."

Der Experte verwies zum Beispiel darauf, dass es nun viel weniger Flussauen gebe - also natürliche Überschwemmungsgebiete. Zugleich gab der Experte zu bedenken: "Einen hundertprozentigen Hochwasserschutz werden wir natürlich nie haben. Das ist finanziell und technisch nicht machbar und von der Landschaft nicht umrüstbar."

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/bos/news.de/dpa

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