15.06.2018, 08.28 Uhr

Bio-Gift Rizin: Hochgiftig und tödlich! DAS sind die Symptome einer Rizin-Vergiftung

Die Samenkapseln des Wunderbaums enthalten hochgiftiges Rizin. 

Die Samenkapseln des Wunderbaums enthalten hochgiftiges Rizin.  Bild: Fotolia/M. Schuppich

Gegen den Tunesier, in dessen Wohnung am Dienstagabend Rizin gefunden wurde, ist inzwischen Haftbefehl erlassen worden. Der 29-Jährige, auf den Sicherheitsbehörden wegen eines auffälligen Interneteinkaufs aufmerksam wurden, hatte eine größere Menge Bohnen Rizinussamen bestellt, aus denen hochgiftiges Rizin isoliert werden kann. Das sollten Sie über das Bio-Gift Rizin wissen.

Bio-Gift Rizin in Kölner Wohnung gefunden

"Er war den Sicherheitsbehörden bisher nicht aufgefallen. Sie hatten ihn nicht auf dem Radar", sagte ARD-Terrorismus-Experte Michael Götschenberg am Donnerstag im Morgenmagazin von ARD und ZDF. Das habe sich geändert, als er online versucht habe, in großer Menge Rizinussamen zu bestellen. "Und das hat das Bundesamt für Verfassungsschutz auf ihn aufmerksam gemacht." Dies war der Ausgangspunkt der Ermittlungen gegen den 29-jährigen Tunesier in Köln.

Rizin gilt als potenzieller biologischer Kampfstoff. Das angesehene Robert-Koch-Institut stuft das leicht erhältliche Mittel als "potenziellen biologischen Kampfstoff" ein. Handel und Umgang mit der Reinsubstanz seien nach dem Chemiewaffen-Übereinkommen von 1997 beschränkt. Schon in geringer Konzentration kann Rizin tödlich sein.

Hochgiftig und tödlich! Was ist Rizin?

Der hochgiftige Stoff wird aus der Samenschale des Wunderbaums (Ricinus communis) gewonnen, der zur Gattung der Wolfsmilchgewächse gehört und in wärmeren Ländern wächst. Der Botanische Sondergarten in Hamburg-Wansbek hat ihn zur Giftpflanze 2018 erklärt. Am bekanntesten dürfte das aus den Früchten gewonnene Rizinusöl sein, das medizinisch als Abführmittel zum Einsatz kommt. Die Samen werden dabei unter 40 Grad Celsius ausgepresst, damit das Rizin nicht ins Öl gelangt, und anschließend mit heißem Wasserdampf behandelt, berichtet "n-tv".

Vergiftung mit Rizin auf unterschiedlichem Weg möglich

Rizin kann bereits ab einer Menge von 0,5 Milligramm für eine 70 Kilogramm schwere Person tödlich wirken. Allerdings kann die tödliche Dosis variieren, je nachdem wie der Stoff in den Körper gelangt. Aus der intakten Bohne wird nur wenig Rizin freigesetzt, erklärt "aerzteblatt.de". Wird die Bohne dagegen zerkaut oder liegt länger im Magen, wird mehr Rizin freigesetzt. Zu den Risikogruppen zählen vor allem Kinder, die die Samen für Bonbons halten und in den Mund nehmen.

Neben der oralen Aufnahme kann das Gift auch per Injektion in den Körper gelangen. Der bekannteste Fall ist sogenannte Regenschirmattentat von 1978, als dem bulgarischen Schriftsteller Georgi Markow in London wohl mit einer Regenschirmspitze eine Metall-Kugel mit Platin ins Bein injiziert wurde.

Kein Gegenmittel! Das sind Symptome einer Rizin-Vergiftung

Die ersten Symptome einer Rizin-Vergiftung setzen nach drei bis sechs Stunden und in Abhängigkeit davon, wie das Gift in den Körper gelangt, ein. Bei einer oralen Intoxikation treten Husten, Fieber, allgemeine Schwäche, Brechdurchfall, blutiger Stuhl und krampfartige Schmerzen (Koliken) auf. Dadurch kommt es auch zu einem Flüssigkeits- und Elektrolytverlust. Bei einer schweren Vergiftung werden Leber und Nieren geschädigt und der Tod tritt durch Multiorganversagen ein. Sollte das Gift gespritzt werden, wirkt es nach RKI-Angaben binnen 36 bis 48 Stunden tödlich. Eine Vergiftung über die Atemwege ist ebenfalls möglich, wobei laut RKI angenommen wird, dass die ersten Symptome noch weitaus später auftreten.

Es gibt kein Gegenmittel bei einer Rizin-Vergiftung. Allerdings weist René Csuk, Chemieprofessor an der Martin-Luther-Universität in Halle, gegenüber dem "Kölner Stadt-Anzeiger" darauf hin, dass es weltweit "nur" etwa 500 tödliche Fälle mit Rizin gibt.

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kad/kns/news.de/dpa
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