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Ampel-Regierung plant Steuersenkungen: So sollen Hausbau und Immobilienkauf wieder erschwinglich werden

Die monatliche Miete aufzubringen wird für viele Deutsche immer schwerer, ganz zu schweigen davon, Wohneigentum zu erwerben. Nun will die Ampel-Regierung die Misere mit Steuersenkungen beenden.

Der Traum vom eigenen Haus wird für viele Deutsche von horrenden Grundsteuer- und Grunderwerbssteuersätzen zunichte gemacht - jetzt will die Ampel-Regierung gegensteuern. (Foto) Suche
Der Traum vom eigenen Haus wird für viele Deutsche von horrenden Grundsteuer- und Grunderwerbssteuersätzen zunichte gemacht - jetzt will die Ampel-Regierung gegensteuern. Bild: picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte

Für viele Deutsche rückt der Traum vom eigenen Haus oder von einer Eigentumswohnung derzeit in immer weitere Ferne. Neben den Immobilienpreisen sind es vor allem die steuerlichen Verpflichtungen, die mit Hausbau oder Hauskauf verbunden sind, die viele Interessenten überfordern. Die Ampel-Regierung will sich aktuellen Berichten zufolge dieser Misere annehmen und konkrete Steuer-Erleichterungen auf den Weg bringen, um mehr Mensch zu Wohneigentum zu verhelfen.

Immobilienkauf kaum noch bezahlbar: Ampel-Regierung will Grundsteuern und Grunderwerbssteuern senken

Wie beispielsweise bei der "Bild" zu lesen ist, sind es vor allem die derzeitigen Grundsteuer- und Grunderwerbssteuer-Regelungen, die den Traum vom Eigenheim in vielen Fällen wie eine Seifenblase platzen lassen. Grunderwerbssteuersätzen von bis zu 6 Prozent, je nach Bundesland, will Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) nun den Kampf ansagen und bekommt dabei Rückendeckung von der SPD in Gestalt von Bundesbauministerin Klara Geywitz.

"Wir müssen es den Menschen so leicht wie möglich machen, ein Eigenheim oder eine Wohnung zu kaufen. Die Länder sollten deshalb die Freiheit bekommen, die Grunderwerbsteuer für die selbst genutzte Immobilie auf null zu senken", erklärte Lindner seine Steuerpläne gegenüber der "Bild". Fraglich sei noch, ob der Finanzminister seitens der Ministerpräsidenten der Länder grünes Licht bekommt, diese Pläne durchzusetzen. Noch kniffliger sehe es der "Bild" zufolge bei der Absenkung von Grundsteuersätzen aus, die von den jeweiligen Kommunen festgelegt wird.

Deutscher Wohnungsbau in der Krise: Bauministerin Geywitz will Steueranreize auf den Weg bringen

Nicht nur bei Eigenheimen, auch in Sachen Wohnungsbau steht Bauministerin Klara Geywitz vor einer immensen Baustelle. Die SPD-Politikerin plant nun, dem in der Krise steckenden Wohnungsbau mit Steueranreizen auf die Sprünge zu helfen. "Angesichts des dramatischen Einbruchs bei den Baugenehmigungen und damit verbunden dem Rückgang der Bauinvestitionen in diesem Jahr brauchen Bau- und Immobilienwirtschaft dringend neue Investitionsanreize", sagte die SPD-Politikerin dazu. Sie will steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für Neubauten deutlich erweitern.

Zinsen explodiert, Baumaterial verteuert: Wohnungsbau-Boom schlagartig beendet

Der jahrelang boomende Wohnungsbau ist wegen des starken Zinsanstiegs bei Krediten und teureren Materialien ins Stocken geraten, was die Baubranche belastet. Die Bundesregierung verfehlte 2022 ihr Ziel von jährlich 400.000 neuen Wohnungen mit gut 295.000 Fertigstellungen - was den Kampf gegen Wohnungsmangel und hohe Mieten erschwert. Auch sind die Baugenehmigungen, die ein Indikator für den Bau sind, eingebrochen. Im Geschäft mit privaten Immobilienkrediten herrscht seit Monaten Flaute. Das erste Halbjahr 2023 verlief so schwach wie seit fast 20 Jahren nicht.

Der Druck auf die Politik, im Kampf gegen Wohnungsmangel und hohe Mieten zu reagieren, ist groß. Immobilien- und Bauverbände rechnen in diesem Jahr mit rund 245.000 neuen Wohnungen. Das Ifo-Institut erwartet einen stetigen Rückgang auf 200.000 Fertigstellungen 2025.

So will Bauministerin Geywitz den schwächelnden Wohnungsbau ankurbeln

Geywitz schlägt nun die Einführung einer befristeten "degressiven AfA" für neue Wohngebäude ab Januar 2024 vor. AfA steht für "Absetzung für Abnutzung". Gelten soll dies bis Ende 2030. Damit soll ein Anreiz geschaffen werden, Bauvorhaben zügig umzusetzen. Eine degressive AfA ermöglicht höhere Abschreibungen für Bauherren in naher Zukunft: Im Jahr der Fertigstellung und in den folgenden drei Jahren sollen jeweils sieben Prozent der Baukosten abgeschrieben werden können. Im Moment sind es dem Zentralen Immobilien-Ausschuss (ZIA) zufolge in der Regel drei Prozent. In den darauffolgenden vier Jahren sollen es gemäß Geywitz' Papier fünf Prozent sein und in den 26 Jahren danach zwei Prozent.

"Die zeitlich befristete, degressive AfA wäre ein wichtiger Beitrag, die Bauwirtschaft zu stabilisieren und damit mehr bezahlbaren Wohnraum in Deutschland zu schaffen", sagte Geywitz. "Wenn die deutsche Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs kommen will, geht das nur mit einer starken Baukonjunktur." Die degressive AfA bilde auch die Realität besser ab. In neuen Gebäuden verbaute Technik werde oft innerhalb weniger Jahre überholt. "Dadurch verlieren Gebäude zu Anfang schneller an Wert, da sie relativ schnell den Status eines Gebäudes auf dem neusten technischen Stand verlieren."

Baubranche feiert Geywitz-Pläne

Aus der Immobilienwirtschaft kam Zustimmung. "Dieser Vorstoß könnte genau die Impulse bringen, die den daniederliegenden Wohnungsbau reanimieren", sagte ZIA-Präsident Andreas Mattner. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Bauverbands ZDB, begrüßte den Schritt, forderte aber weitere Hilfen wie eine Aussetzung der Grunderwerbsteuer.

"Goldene Zeit" der Baufinanzierung vorbei

Gestiegene Zinsen und Baukosten zeigen sich auch bei der Nachfrage nach privaten Baukrediten, die nach einem Boom bis ins Frühjahr 2022 hinein eingebrochen ist. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres schrumpfte das Neugeschäft deutscher Banken mit Privathaushalten und Selbstständigen um fast 50 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, zeigt eine Auswertung der Analysefirma Barkow Consulting. Das sei die schlechteste Halbjahresbilanz seit 2005, sagte Geschäftsführer Peter Barkow.

Auch im Juni gab es kaum eine Erholung. Mit einem Volumen von 14 Milliarden Euro lag das Neugeschäft rund 39 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Barkow glaubt nicht an eine zügige Erholung. Verbraucher müssten sich wohl erst an die höheren Zinsen gewöhnen, die sich zuletzt zumindest stabilisierten. "Die goldene Zeit der Baufinanzierung wird so schnell wohl nicht zurückkommen."

Etwas Optimismus verbreitete die Beratungsfirma EY-Parthenon. Die Baupreise, die 2022 zwischen 16 und 18 Prozent je nach Bereich gestiegen waren, dürften sich an die allgemeine Inflation angleichen. Baumaterialien blieben zwar teuer. Doch rasant steigende Preise für Baudienstleistungen ließen sich nicht mehr durchsetzen, sagte Partner Björn Reineke. Auch für den Wohnungsbau ist EY-Parthenon vorsichtig optimistisch. Die Berater erwarten, dass sich der Rückgang ab 2024 langsam zu einem Wachstum entwickeln wird.

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/news.de/dpa

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