16.10.2017, 22.11 Uhr

"Angst - Der Feind in meinem Haus" als Wiederholung: Gänsehaut pur beim Nachbarschafts-Psychothriller im ZDF

Rebeccas (Anja Kling, r.) hat Angst vor Tiberius (Udo Samel, l.).

Rebeccas (Anja Kling, r.) hat Angst vor Tiberius (Udo Samel, l.). Bild: ZDF/Stefan Erhard

"Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt" - so ließ der Dichter Friedrich Schiller einst seinen Helden Wilhelm Tell sprechen. Von dieser Thematik erzählt der TV-Psychothriller "Angst - Der Feind in meinem Haus", der an diesem Montag im ZDF zu sehen war.

"Angst - Der Feind in meinem Haus" als Wiederholung online in der ZDF-Mediathek

Wer am Montag leider keine Zeit hatte "Angst - Der Feind in meinem Haus" im ZDF zu verfolgen, sucht in den Fernsehzeitungen vergebens nach einem Wiederholungstermin. Sollten Sie den Psychothriller dennoch sehen wollen, könnte sich ein Blick in die ZDF-Mediathek durchaus lohnen. Hier stellt der öffentlich-rechtliche Sender zahlreiche TV-Formate direkt nach der Ausstrahlung als Video on Demand kostenlos zur Verfügung.

TV-Vorschau am Montag, 16. Oktober 2017, zu "Angst - Der Feind in meinem Haus" im ZDF

Es beginnt ganz harmlos mit Plätzchentellern, die der ältere Herr vor die Tür der neuen Nachbarn in einer schönen Villa in Berlin stellt. Das Ehepaar Randolph (Heino Ferch) und Rebecca (Anja Kling) Tiefenthaler kann sich darüber nicht allzu lange freuen, denn bald darauf steht der Nachbar, Dieter Tiberius (großartig: Udo Samel), plötzlich im Waschkeller, macht Rebecca leicht anzügliche Komplimente und spricht von deren "niedlichen Kindern". Nach einer guten halben Stunde ist es mit der vorsommerlichen Idylle endgültig vorbei, denn in einem Brief beschuldigt der allein lebende Mann das Ehepaar, die eigenen Kinder sexuell zu missbrauchen.

Panisch versteckt sich Rebecca (Anja Kling, l.) vor Tiberius (Udo Samel, r.).

Panisch versteckt sich Rebecca (Anja Kling, l.) vor Tiberius (Udo Samel, r.). Bild: ZDF/Stefan Erhard

Beide hatten Herrn Tiberius zunächst für einen Spinner gehalten. Als der jedoch sogar eine Anzeige gegen die Tiefenthalers stellt, bietet Randolph ihm die Kostenübernahme für den Umzug in eine neue Wohnung an, plus 10 000 Euro. Tiberius schlägt das Angebot aus, sie streiten sich, und es kommt zu einer Verzweiflungstat, in die auch Randolphs Vater Hermann (mutig: Dietrich Hollinderbäumer) verstrickt wird.

Kritik zu "Angst - Der Feind in meinem Haus" im ZDF: Lohnt sich das Einschalten?

Es ist spannend zu sehen, wie angesichts der ungeheuren Verleumdungen die pure Verzweiflung immer mehr von dem zunächst hilflos agierenden Ehepaar Besitz ergreift, das von Anja Kling (sehr emotional) und Heino Ferch (sehr beherrscht) ebenso eindringlich wie glaubhaft verkörpert wird. Sie stehen das gemeinsam durch, obgleich sie vermutet, dass er eine Affäre hat, weil sie ihn oft nicht in seinem Architektenbüro erreicht - doch er arbeitet lieber im Restaurant, weil die Atmosphäre ihn dort inspiriert und er offenbar nicht gerne nach Hause kommt.

Randolph und Rebecca suchen nach ihren Kindern Paul (Levi Eisenblätter, l.) und Fee (Philine Steuer, r.) - diese waren die ganze Zeit bei Tiberius (Udo Samel, M.).

Randolph und Rebecca suchen nach ihren Kindern Paul (Levi Eisenblätter, l.) und Fee (Philine Steuer, r.) - diese waren die ganze Zeit bei Tiberius (Udo Samel, M.). Bild: ZDF/Stefan Erhard

Dabei ist es daheim schön, das Wetter im Film ist meist sonnig, doch Kameraführung (Frank Küpper) und Musikaufbau (Christoph Zirngibl) wirken ständig bedrohlich. Regisseur Thomas Berger (57, hat für die ARD und mit Heino Ferch zwei "Allmen"-Filme gedreht) sagte dem ZDF über den Drehbuchautor: "Dirk Kurbjuweit hat diese Geschichte am eigenen Leib erlebt. Er hat in seinem gleichnamigen Roman die Angstspirale minutiös nachgezeichnet. Er stellt die moralischen und ethischen Vorstellungen seiner Hauptfiguren auf eine harte Probe und lässt uns an deren Verfall teilhaben - Wie hättest Du gehandelt? Diese Frage steht unsichtbar unter jeder Seite, die Kurbjuweit geschrieben hat."

Das stimmt, nur das zwar überraschende, jedoch nicht ganz passend wirkende Ende (Stichwort: Selbstjustiz) ist sehr krimilastig und ziemlich unrealistisch. Es bleibt die Frage, wie sehr auf die Justiz und den Rechtsstaat in so einem Fall noch Verlass ist und wie solch eine Geschichte im echten Leben überhaupt auszuhalten ist - hier sei zum Schluss die Mutter im Film zitiert: "Die Angst vor der Hölle ist schon die Hölle".

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mag/kad/news.de/dpa
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