06.11.2018, 19.05 Uhr

Youtube bald abgeschaltet?: Bedeutet die EU-Urheberrechtsreform das endgültige Aus von YouTube?

Susan Wojcicki, CEO von YouTube, ruft Anbieter von Videoinhalten auf der Google-Plattform auf, in der Debatte um die EU-Urheberrechtsreform gegen mögliche Upload-Filter zu protestieren.

Susan Wojcicki, CEO von YouTube, ruft Anbieter von Videoinhalten auf der Google-Plattform auf, in der Debatte um die EU-Urheberrechtsreform gegen mögliche Upload-Filter zu protestieren. Bild: picture alliance/Andrew Gombert/EPA/dpa

Die gestern verabschiedete EU-Urheberrechtsreform lässt die Gemüter hochkochen. Vor allem Artikel 13 sorgt für Kritik. YouTube werde es schon im kommenden Jahr nicht mehr geben, prophezeien Kritiker. Doch stimmt das?

Youtube bald abgeschaltet? Besteht uns ein Ende der Meinungsfreiheit bevor?

Artikel 13 besagt, dass die Plattformen zukünftig bereits vor dem Upload dazu verpflichtet sind, die Inhalte auf eventuelle Verstöße gegen das Copyright zu prüfen und diese zu löschen. Bislang sind die Plattformen nur dazu verpflichtet, diese nachträglich zu löschen, wie das IT-Portal "Watson" erklärt. Praktisch bedeutet das, dass YouTube und CoUpload-Filter einsetzen müssen um eventuellen Urheberrechtsverletzungen vorzubeugen.

Dieser Artikel bedrohe YouTube, so Simon Difabachew in seinem am 02. November auf dem Portal veröffentlichten Video. Das Video-Portal werde bald nur noch "eine Mediathek sein" auf der große Firmen und Fernsehsender ihre Videos veröffentlichen und "Meinung würde wieder wie früher nur von einzelnen Mächtigen gemacht". Ein Ende der Meinungsfreiheit bestehe uns bevor, so der Verfasser des Videos.

Difabachew warnt: YouTube wird es kommendes Jahr nicht mehr geben

Deshalb ruft Difabachew dazu auf, diesen "Verlust unserer Freiheit zu verhindern" und auf Facebook, Twitter oder Instagram unter dem #saveyourinternet den EU-Parlamentariern zu schreiben, weshalb wir gegen den Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform sind und so vor der finalen Wahl im Frühjahr 2019 Abgeordnete des EU-Parlaments noch umzustimmen.

Das Video mit dem beängstigenden Titel: "Warum es Youtube nächstes Jahr nicht mehr gibt" hat bereits über 3 Millionen Klicks und knapp 50.000 Kommentare. Der YouTuber prophezeit: "In einigen Monaten werden fast alle Kanäle, die wir kennen, lieben und immer wieder gucken, gelöscht werden. Egal wie groß und beliebt, niemand wird übrig bleiben. Bis auf einige Kanäle von sehr großen Firmen."

Plant YouTube, alle europäischen Kanäle zu löschen?

Ab sofort werden nicht mehr die Nutzer beziehungsweise Anbieter von YouTube-Kanälen im Falle von Urheberrechtsverletzungen verklagt, sondern der Betreiber, also YouTube selbst. Und weil die Portale keine Flut von Klagen riskieren möchten, "plant YouTube einfach alle europäischen Kanäle, die nicht zu einem großen Medienunternehmen gehören, zu löschen", so Difabachew.

Ursächlich für dieses und ähnliche Videos war ein Aufruf von YouTube-Chefin Susan Wojcicki unter dem #SaveYourInternet gegen das geplante EU-Urheberrecht zu protestieren.

Zahlreiche prominente Tech-Experten kritisieren Artikel 13 zum EU-Urheberrecht

In ihrem vierteljährlichen Brief, schrieb Wojcicki im Oktober, "der Vorschlag (zum EU-Urheberrecht) könnte Plattformen wie YouTube (dazu) zwingen, nur Inhalte von einer Handvoll großer Unternehmen zuzulassen" und weiter: "Artikel 13 in seiner jetzigen Fassung könnte Millionen von Menschen – von Creatorn wie euch bis hin zu alltäglichen Nutzern – daran hindern, Inhalte auf Plattformen wie YouTube hochzuladen".

Auch zahlreiche andere Kritiker, unter ihnen die Europapolitikerin Julia Reda warnen in einem offenen Brief vor "automatisierter Überwachung und Kontrolle", sie befürchten eine "Zensurmaschine", wie die "Süddeutsche" berichtet. Auch Internet-Pioniere wie Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web, oder Jimmy Wales, der Gründer von Wikipedia,
sehen die neue Verordnung kritisch und das freie Netz in Gefahr.

YouTube nutzt längst Upload-Filter zu Vorzensur

YouTube nutzt aber bereits jetzt den besten Upload-Filter, den es gibt. Die Software namens "Content-ID" überprüft jedes hochgeladene Video auf Urheberrechtsverletzungen und sperrt dieses dann entsprechend. Der Rechteinhaber wird informiert und kann dann selbst entscheiden, ob das Video gesperrt bleibt, oder aber er sich die Werbeeinnahmen weiterleiten lässt.

Sehen Sie hier das Video "Warum es YouTube nächstes Jahr nicht mehr gibt":

Lesen Sie auch: Diese Gesetze haben sich seit Oktober geändert.

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soj/kad/news.de/dpa
Themen: Europa, YouTube
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