14.05.2014, 13.45 Uhr

«stern TV»-Beichte: Darum griff Conchita Wurst ins ESC-Klo

Von news.de-Volontärin Anika Bube

Conchita Wurst stand Steffen Hallschka bei «stern TV» Rede und Antwort.

Conchita Wurst stand Steffen Hallschka bei «stern TV» Rede und Antwort. Bild: Georg Hochmuth/dpa

Conchita Wurst stand erstmals seit ihrem Triumph in Kopenhagen im deutschen TV Rede und Antwort. Seit Samstag hat die Eurovision Song Contest-Siegerin nämlilch noch kein einziges Interview in Deutschland gegeben. Zu Gast bei «stern TV» sprach sie mit Stefen Hallaschka über den Sieg beim ESC, den Anfeindungen und dem Burschen hinter der Wurst.

Die Diva mit Bart begeistert ganz Europa. Conchita hat die Herzen der Menschen gewonnen und ist die neue Ikone der Toleranz. Doch sie erhielt auch heftige Ablehnung, Anfeindung und sogar Ekel-Bekenntnissen.

Stefan Hallaschka begrüße die Wurst mit der Frage «Was haben Sie angerichtet?». «Ich wollte doch nur singen!», gibt sich Conchita schüchtern. Sie hat den Bart gelassen, um zu polarisieren. «Man muss polarisieren, wenn man beachtet werden will», so die ESC-Siegerin.

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Mit einer grandiosen Show überzeugte sie die Europäer am Samstag von sich und ihrer Message von Freiheit und Toleranz. Doch dennoch passierte der Diva ein Missgeschick während des ESC. Das Warten auf das Voting war nicht so leicht, wie man sich das wohl vorstellt. «Man ist erleichtert und kippt ein paar Gläschen und wartet», sagt Conchita. Und dann musste sie plötzlich auf Toilette. Dort angekommen und aus dem Kleid gepellt, fiel ihr das In-Ear in die Toilettenschüssel. Für Conchita Wurst ein Griff ins Klo auf dem danach ein Sieg folgte.

Die Wurst polarisiert in riesigen Dimensionen. Vor 180 Millionen Zuschauern sang sie sich in die Herzen der Menschen und das als Frau mit Vollbart. Ein Abgeordneter der rechtspopulistischen Partei in Russland proklamiert «Das Ende Europas» und in Polen spricht man von dem «Verfall des modernen Europas». Bei «stern TV» sagt Conchita zu Hallaschka, dass sie noch nie ein größeres Kompliment bekommen habe. «Wenn für eine ganze Nation ein junger schwuler Mann so meinungsbildend ist, dass er eine ganze Nation zum Bersten bringt, dann kann das nur ein Kompliment sein.»

stern tv Mediathek: Conchita Wurst alias Tom Neuwirth trug bereits im Kindergarten hohe Schuhe und Kleider

Aufgewachsen ist Tom Neuwirth der hinter der Wurst und dem Bart steckt in Bad Mitterndorf. Die Jugend des schwulen Mannes war nicht einfach. «Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, in dem Homosexualität nicht normal war. Ich dachte auch, mit mir ist etwas falsch.» Diese Zeit war für ihn sehr schwer. «Ich hatte eine enorme Angriffsfläche», sagt Conchita Wurst über ihre Jugend. Tom Neuwirth trug bereits im Kindergartenalter Kleider und hohe Schuhe. Von seiner Oma hat er seinen ersten Rock geschenkt bekommen. Zu ihr hatte er auch einen ganz besonderen Draht. Seine Eltern, die ihn erst nach dem ESC-Sieg als Conchita sehen, sind stolz auf ihren Sohn. Auch in der österreichischen Gemeinde wird die Wurst gefeiert und das sogar mit einer Super-scharfen-Conchita-Wurst-Wurst beim Metzger.

Doch singen will Conchita nach ihrem ESC-Sieg nicht noch einmal bei der Veranstaltung, aber mit der Moderation der Sendung könnte sie sich anfreunden. Drücken wir die Daumen, dass die Wurst den nächsten Eurovision Song Contest moderieren darf.

stern tv Wiederholung: Conchita ist sich sicher: «Wenn man niemandem wehtut, darf man alles.»

Mann muss sie nicht lieben, man müsse sich nur damit abfinden, dass sie da ist. Auf die Frage ob diese negative Meinung Berechtigung hat, meint die ESC-Gewinnerin: «Das ist meine eigene Wahrheit. Wenn man niemandem wehtut, darf man machen, was man will, wenn man damit glücklich ist.» Conchita Wurst feiert die Wahrheit. Sie versteht, dass es leichter ist zu kategorisieren. «Ich passe in keine Schublade, brauche eine ganze Kommode. Ich nehme mir die Frechheit heraus, einfach alles zu leben, was ich leben möchte.»

Hallaschka konfrontiert die Sängerin damit, dass niemand mehr über den Song rede, sondern nur noch über die Message. «Hätte ich ein furchtbares Lied gehabt, hätte ich auch nicht gewonnen.», zieht die junge Frau alias Tom Neuwirth als Resumee. Sie sei selbst ihre größte Kritikerin. Von 100 Punkten hätte sie sich nur 85 gegeben.

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Nach Sieg beim Eurovision Song Contest, Freispruch für Ulvi Kulac im Fall Peggy, was passiert mit geklauten Autos? - mit diesen Themen beschäftigte sich Steffen Hallaschka in der aktuellen Folge des er kann mit einem Freispruch rechnen. Wer ist nun aber der wahre Mörder von Peggy? Das für das Urteil ausschlaggebende Geständnis des geistig behinderten Mannes beruht nicht auf tatsächlichen Erlebnissen. Zu diesem Schluss ist ein Gerichtspsychiater gekommen. 2004 waren die Richter von Kulacs Schuld überzeugt. Er wurde in einem reinen Indizienprozess verurteilt. Doch das Schicksal von Peggy ist immer noch nicht geklärt. Das neunjährige Mädchen ist vor 13 Jahren verschwunden - ihre Leiche wurde nie gefunden. Immer wieder gab es Zweifel an dem Urteil gegen den vermeintlichen Täter Kulac. Ein Anwalt hatte im April einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gestellt. Die Mutter von Peggy, Susanne Knobloch, ist live im«stern TV»-Studio zu Gast und erzählt über die zermürbende Zeit der Ungewissheit, Hoffnung und Wut und wie sie den Ausgang des Verfahrens beurteilt.

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