19.07.2019, 10.29 Uhr

Ursula von der Leyen privat: SO lebt unsere "Flinten-Uschi" abseits der Politik!

Die typische von-der-Leyen-Ausstrahlung: selbstbewusst und zielorientiert

Die typische von-der-Leyen-Ausstrahlung: selbstbewusst und zielorientiert Bild: Barbara Munker/dpa

Die ehemalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen war sicher überrascht, als der Rat der europäischen Regierungschefs ausgerechnet sie als Kommissionspräsidentin haben wollte. Denn das widerspricht in den Augen einiger den Mechanismen, die zum Schutz der Demokratie in der EU eingeführt wurden. Trotzdem wurde es Realität und ist nicht die erste politische Konvention, mit der die 61-Jährige bricht.

Ursula von der Leyen privat: Das ist die Kinderstube der Familie Albrecht

Geboren wurde Ursula Albrecht, so der Mädchenname von Ursula von der Leyen, als sechstes Kind und erste Tochter des ehemaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen Ernst Albrecht. Durch ihren Vater kam Ursula von der Leyen schon früh mit der Politik in Kontakt. Aber auch der Rest ihrer Familie bot ihr wohl viele Orientierungspunkte für Erfolg. So ist ihr Bruder Hans-Albrecht CEO des multinationalen Musikstreaming-Service Deezer. Ein anderer Bruder – Donatus Albrecht – war zwischenzeitlich im Vorstand der millionenschweren Beteiligungsgesellschaft Aurelius.

Ursula von der Leyen privat: Sieben Kinder mit Ehemann Heiko von der Leyen

Aber trotzdem schaffte es Ursula von der Leyen, sich zwischen den fünf Köpfen ihrer Brüder ihren eigenen Weg zu bahnen. Dazu studierte sie 1976 nach dem Abitur zuerst Archäologie, bis sie nach zwei Jahren zum Fach Volkswirtschaft wechselte. 1980 begann die in Ixelles in Belgien Geborene dann an der medizinischen Fakultät in Hannover das Medizinstudium, das sie sieben Jahre später abschloss. 1991 erhielt Ursula von der Leyen ihren medizinischen Doktortitel. Zu ihren wissenschaftlichen Errungenschaften kam eine private Veränderung: 1986 heiratete Ursula Albrecht ihren Ehemann Heiko von der Leyen, mit dem die CDU-Politikerin sieben Kinder hat, die auf die Namen Egmont, Victoria, Gracia, Maria Donata, Sophie, David und Johanna getauft wurden.

Ursula von der Leyen in der Kritik: Litt wegen ihr der Ruf des Doktortitels?

Aber ihre Doktorarbeit sollte ihr einige Jahre später noch einmal auf die Füße fallen. Denn als sich das Projekt VroniPlag Wiki die Arbeit ansah, wurden mehrere Fehler in der Arbeit gefunden. Die Hochschule, die den Titel vergeben hatte, prüfte daraufhin die Arbeit. Auf 27 von 62 Seiten wurden Stellen gefunden, die unter schwerem Plagiatsverdacht standen.

Viele Stimmen in der wissenschaftlichen Gemeinschaft sahen den Wert eines akademischen Titels in Gefahr. Trotzdem befand das Kontrollgremium, dass Frau Dr. med. von der Leyen ihren Titel behalten darf. In Folge dessen dient die Arbeit einer Medizinprofessorin in München bei der wissenschaftlichen Ausbildung inzwischen als Negativbeispiel für eine Doktorarbeit.

Familienministerin, Verteidigungsministerin, EU-Präsidentin – Wer half Ursula von der Leyen beim Aufstieg?

Die politische Karriere von Ursula von der Leyen legte seit ihrem Beginn immer weiter an Fahrt zu. Oft verblüffte die siebenfache Mutter alle in ihrer Umgebung, da kaum jemand mit der konzentrierten Energie rechnet, die diese Frau mitbringt, wenn sie sich einmal in einem Thema verbissen hat. Schon zu Anfang nach ihrem Eintritt in die CDU 1990 engagierte sich die Politikerin und nach ihrer Rückkehr aus den Vereinigten Staaten von Amerika 1996 machte sie sich in der Sozialpolitik und im Arbeitskreis Ärzte stark.

Ihr erstes Amt wurde der Ministerinnenposten für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit in Niedersachsen. Dort strich Ursula von der Leyen das Blindengeld, das es sehbehinderten Menschen erlaubte, die zusätzlichen Lebenshaltungskosten zu bewältigen. Zwei Jahre später wurde es allerdings von ihrer Nachfolgerin wieder eingeführt. 2005, in der damals noch neuen Bundesregierung unter Angela Merkel, legte Ursula von der Leyen den Amtseid als Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ab. Auch in dieser Zeit wurde von der Leyen immer wieder Ziel von Kritik.

Deshalb bekam Ursula von der Leyen den Spitznamen "Zensursula"

So wendete sich von der Leyen auf Bundesebene populären Themen zu, so auch dem heiklen Thema Kinderpornographie im Internet. Auf den ersten Blick ist klar: Wer kann schon etrwas dagegen haben, solche Angebote einzuschränken? Doch während das Ziel gut und richtig sein mochte, gestaltete die Methode der Umsetzung mehr als fraglich.

Die von Ursula von der Leyen verteidigten Internetsperren zeigten ihr scheinbar fehlendes Verständnis für das Internet und den Umgang mit strafrechtlich relevanten Inhalten. Schnell fand die wortwitzige Netzgemeinschaft einen Namen für sie: Zensursula – denn die von ihr geforderten Sperren verdeckten die Inhalte nur. So war es für engagierte Bürger nicht möglich, die Inhalte zu sehen und gegebenenfalls Anzeige zu erstatten.

Außerdem waren die von ihr ins Gespräch gebrachten Techniken durchaus dazu geeignet, großangelegt Meinungsmanipulation zu betreiben und eine undurchsichtige Zensurinfrastruktur im Internet zu errichten. In ihren konsequenten Bestrebungen, die Verbreitung von Kinderpornographie im Internet zu bekämpfen, schien sie andere Grundrechte und demokratische Werte im Eifer des Gefechts vergessen zu haben.

Damit sorgte Ursula von der Leyen als Verteidigungsministerin für Schlagzeilen

Der zweite Spitzname, der an Ursula von der Leyen hängen geblieben ist, ist Finten-Uschi. Da sie in der dritten und vierten Legislaturperiode des Kabinetts Merkel zur Verteidigungsministerin ernannt wurde. Sie ist die erste Frau in diesem Amt, hat aber im Gegensatz zu den meisten ihrer männlichen Vorgänger jedoch keine Erfahrung mit dem Militärdienst, während eine Vielzahl der ehemaligen Minister zumindest Wehrdienst geleistet hatte.

Trotzdem schaffte es Ursula von der Leyen immer wieder, sich und ihr Ministerium in Szene zu setzen. Das aber nicht immer zum Wohlgefallen der Truppe. So waren zu ihrem Antrittsbesuch am Horn von Afrika Journalisten der großen deutschen Nachrichtenagenturen nicht eingeladen. An anderer Stelle machte sie sich für die Anschaffung von waffenfähigen Gefechtsdrohnen stark. Deren Einsatz gilt völkerrechtlich als bedenklich und wird mitunter auch von Mitgliedern der Streitkräfte kritisch bewertet.

Aber auch so steht die Truppe nicht geschlossen hinter der Ministerin, die an mehr als einer Stelle die Rolle der Kritikerin einnahm, als die Bundeswehr von ihr Rückendeckung erwartete. Von Duckmäusertum und Schönrederei ist immer wieder die Rede, wenn es darum geht, wie die Ministerin mit der Truppe umgeht.

Ursula von der Leyen bald EU-Kommissionschefin?

Jetzt, im Sommer 2019, soll Ursula von der Leyen entgegen des demokratischen Auswahlprozesses einen der wichtigsten Posten in der europäischen Union besetzen. Dabei laufen die Untersuchungen zum Bundeswehrberater-Skandal noch auf Hochtouren. Dabei soll sich zeigen, ob die Berater für die die Bundeswehr Unsummen ausgab, vielleicht zu Unrecht angestellte und so Millionen verpulverte. Und das an Berater, die angeblich in Verbindung zu McKinsey stehen.

Nicht nur ob die Unternehmensberater die Expertise hatten, ein Verteidigungsministerium zu beraten, ist fraglich. Außerdem kam ans Licht, das von der Leyens Sohn David als "Associate" direkt von den Gewinnen McKinseys profitiert. Trotz all dieser Vorbelastungen soll sie nun an die Spitze der europäischen Kommission treten.

Dabei würde Ursula von der Leyen quasi in ihre Geburtsstadt zurückkehren - die Politikerin erblickte im Oktober 1958 in Ixelles/Elsene in Belgien das Licht der Welt. Auch wenn sich die Funktionäre der EU eigentlich auf einen anderen Auswahlprozess geeinigt hatten, steht Ursula von der Leyen quasi nur noch das EU-Parlament im Weg, das möglicherweise unter dem Druck der Regierungschefs nachgibt.

luj/loc/news.de
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