25.08.2015, 17.04 Uhr

Ein Exhibitionist packt aus: Warum sich manche Männer vor Fremden entblößen

Das Klischee vom Exhibitionisten im Mantel stimmt nicht.

Das Klischee vom Exhibitionisten im Mantel stimmt nicht. Bild: Marcin Sadlowski/Fotolia

Exhibitionisten geraten immer wieder aufgrund ihrer Neigungen mit dem Gesetz in Konflikt. "20min.ch" interviewte den Exhibitionisten Alfred Esser (Name geändert) und fragte ihn, was Männer dazu bringt, sich vor Fremden zu entblößen. Und vorweg: Der Mantel ist ein falsches Klischee. Hier die wichtigsten Informationen im Überblick.

Wer sind Exhibitionisten und was tragen sie wirklich?

Esser leitet eine Selbsthilfegruppe für Betroffene. Diese ist eine bunte Mischung von Leuten aus allen Schichten und Berufen, Esser habe sogar einmal einen exhibitionistischen Staatsanwalt kennengelernt. Er selbst führe ein bürgerliches Leben und eine glückliche Ehe. Laut Esser handele es sich bei Exhibitionisten nicht um gehemmte und verklemmte Menschen, wie es das Klischee beschreibt, noch seien sie in einem Mantel unterwegs. Besonders im Sommer wäre ein Mantel viel zu unpraktisch und auffällig. "Beliebt ist Kleidung, die man schnell runter- und schnell wieder raufgezogen hat, also lockere Hosen etwa oder Joggingkleidung", erklärt Esser.

Wo geht ein Exhibitionist hin und wem zeigt er sich?

Auf Bahnhöfe, in Kaufhäusern und im Freien zeigen sich Exhibitionisten gern. Esser selbst habe immer auf gute Fluchtwege geachtet. Außerdem wechselte er häufig die Stadt, damit die Polizei sich nicht zu sehr auf ihn fixieren konnte. Meist zeigen sich Exhibitionisten dem Geschlecht, dass sie attraktiv finden, nur wenige ziehen vor jedem blank. Der Anteil an Pädophilen ist laut Esser genauso hoch wie in der restlichen Bevölkerung. "Ich habe mich immer nur Frauen gezeigt, und zwar nur solchen, die mir gefallen haben, die ich erotisch fand."

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Wie oft und wie lange sind sie unterwegs?

Bei Esser hat die Häufigkeit und Dauer seiner Streifzüge mit dem Alter nachgelassen, Exhibieren sei für ihn nur noch Wunsch und kein Zwang mehr. In seiner Jugend ist er mehrmals pro Woche losgezogen und zeigte sich jedes mal etwa 20 Frauen, bis eine die Reaktion zeigte, die er sich erhoffte. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung gehe es den Exhibitionisten nicht ums Erschrecken der Menschen, sondern um einen interessierten und neugierigen Blick auf die Genitalien. "Das bereitet mir ein Hochgefühl, es ist wie ein Rausch", erklärt Esser.

Vielleicht eine von zehn Frauen zeigt laut ihm diese Reaktion. Die meisten würden gar nicht reagieren und einfach weiter gehen. "Am schlimmsten war für mich immer, wenn die Frau panische Angst bekam. Das war mir immer sehr unangenehm." Wenn eine Frau lache, sei ihm das weniger unangenehm. "Es kann aber auch heftige Reaktionen geben: Eine Frau hat mich einmal mit ihrem Regenschirm verprügelt."

Spricht man auch manchmal mit seinen Opfern?

Das kommt tatsächlich vor: Wenn eine Frau nicht wegsah, bis er zum Orgasmus kam, sagte Esser "Danke fürs Zusehen". Eine antwortet ihm: "Gern geschehen."

Exhibitionismus ist moralisch verwerflich

Esser findet es selbst moralisch verwerflich, was Exhibitionisten tun. Besonders sich vor Kindern zu entblößen: Das sei absolut inakzeptabel. Auch die Legalisierung vor Erwachsenen findet er nicht in Ordnung, aber es solle seiner Meinung nach nur als Ordnungswidrigkeit mit Bußgeld geahndet werden, da Exhibitionisten nicht so gefährlich seinen wie Vergewaltiger und Sexualverbrecher.

Wie kommt seine Frau mit seinem Drang klar?

Nur Essers Frau weiß von seinem Exhibitionismus. Die findet es nicht toll, aber es gebe Schlimmeres.

Wie kann ein Exhibitionist seiner Neigung nachkommen ohne sich Strafbar zu machen?

Die "Zeigelust" kann auf legale Weise befriedigt werden. Beispielweise kann man Personen finden, die sich gegen Bezahlung solche Zurschaustellungen ansehen. Auch im Internet lassen sich Menschen kennenlernen, die entsprechend veranlagt sind. Für viele sind diese Möglichkeiten ein guter Ersatz, bei anderen bleibt das Bedürfnis sich vor Fremden zu zeigen bestehen.

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räc/jko/news.de
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