05.10.2018, 14.30 Uhr

Wenn Liebe nicht reicht: TV-Moderatorin Nova Meierhenrich gibt dem Schmerz einen Sinn

Moderatorin Nova Meierhenrich möchte mit ihrem Buch Positives bewirken

Moderatorin Nova Meierhenrich möchte mit ihrem Buch Positives bewirken Bild: Katrin Schöning/spot on news

"Das ist kein Thema zum Vorlesen", sagt Nova Meierhenrich (44, "Herzflimmern - Die Klinik am See") im Gespräch mit der Nachrichtenagentur spot on news. Dennoch möchte die "Prominent!"-Moderatorin ihre Familiengeschichte nach langer Zeit offen und ungeschönt erzählen. Was sie mit ihrem Buch "Wenn Liebe nicht reicht: Wie die Depression mir den Vater stahl" aber vor allem erreichen möchte: Hilfe und Halt für andere Betroffene bieten.

Das Buch "Wenn Liebe nicht reicht: Wie die Depression mir den Vater stahl" von Nova Meierhenrich gibt es hier

Frau Meierhenrich, ein Jahr nach dem Tod Ihres Vaters wurden Sie von der Presse regelrecht gezwungen, Ihre Geschichte zu erzählen. Was hat Sie nun bewegt, ein Buch zu schreiben?

Nova Meierhenrich: Seit dem Punkt, an dem mir das Thema aus den Händen gerissen wurde, habe ich immer wieder Halbwahrheiten in den krudesten Zusammenhängen lesen müssen. Es wurde abgeschrieben voneinander. Es war nicht mehr mein Thema. In den vergangenen Jahren ist in mir daher zum einen das Bedürfnis gewachsen, Dinge richtig zu stellen. Zum anderen wollte ich, dass dieser ganze Schmerz, den die ständige Konfrontation und Auseinandersetzung mit dem Thema mit sich bringt, für irgendetwas gut ist.

Welches Ziel verfolgen Sie denn?

Meierhenrich: Mein großes Anliegen war vor allen Dingen, dass Menschen anfangen, über Depressionen zu reden und aufhören, Menschen zu stigmatisieren, die unter dieser Krankheit leiden. Niemals würde jemand zu einer Person, die eine schlimme Krankheit hat, sagen, du bist selbst schuld, du bist zu schwach oder einfach nicht belastbar. Bei Depressiven wird das aber gemacht. Einfach, weil die Leute das nicht als wirkliche Krankheit wahrnehmen. Den Menschen wird es sehr, sehr schwer gemacht, darüber zu reden und sich zu öffnen, weil sie immer mit so einem Stigma belegt werden.

Wie schwer fällt es Ihnen über den Tod Ihres Vaters zu sprechen - wird man mit der Zeit nicht zur Maschine?

Meierhenrich: Nein, gar nicht, da bin ich ehrlich. Das ist ganz schön anstrengend. Am Ende des Tages komme ich nach Hause, mein Kopf ist leer und ich gehe sofort schlafen. Vieles geht über meine Kräfte hinaus. Ich kann mit dem Buch zum Beispiel nicht auf Lesereise gehen. Das ist kein Thema zum Vorlesen.

Ihre Mutter war beim Schreibprozess ganz nah bei Ihnen, hat Geschichten und Erinnerungen beigesteuert. Hatte Sie keine Bedenken, die Familiengeschichte öffentlich zu machen?

Meierhenrich: Ich hätte das nie ohne ihre Zustimmung und auch niemals ohne sie gemacht. Ohne ihren Sichtwinkel würde ein riesen Aspekt fehlen. Also bin ich irgendwann zu ihr gegangen und habe sie nach langen Gesprächen gefragt, ob sie sich das vorstellen könne. Ich war mir sehr unsicher und dachte eigentlich, sie sagt nein, aber erstaunlicherweise hat sie sehr spontan Ja gesagt.

Sie mussten schon früh Verantwortung übernehmen und eigenes Geld verdienen. Hat Ihnen die Depression letztendlich nicht nur den Vater gestohlen, sondern auch Ihre persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten?

Meierhenrich: Nein, das sehe ich nicht so. Wir haben zwar immer gutes Taschengeld bekommen, aber meine Eltern haben immer Wert darauf gelegt, dass wir eigene Jobs hatten. Mindestens die Hälfte aller großen Ferien mussten wir arbeiten. Mein Vater wollte mich und meine Brüder selbstständig machen. Und gerade in der Branche, in der ich mich jetzt bewege, finde ich es ganz sinnvoll zu wissen, wie hart das ist, neun Stunden am Tag den Hebel an einer Maschine zu bedienen. Ich glaube eher, dass mir das zugutekommt.

Sie schreiben, dass Sie auch heute noch ab und zu Schuldgefühle haben. Warum?

Meierhenrich: Jeder, der in seinem Leben einen Menschen durch einen natürlichen Tod verliert, schließt damit irgendwann Frieden. Weil er genau weiß, dass er nichts dagegen hätte tun können. Wenn eine Person aber freiwillig von einem geht, hat man als Angehöriger immer das Gefühl, nicht genug getan zu haben, dass derjenige dableiben will. Der Kopf weiß zwar, man hat alles getan, aber Herz und Bauch verstehen das nicht, sie machen sich einfach selbstständig.

Hilfe bei Depressionen bietet die Telefonseelsorge unter der kostenlosen Rufnummer: 0800/111 0 111

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