09.06.2018, 08.00 Uhr

Zecken-Mythen: Tödliche Infektion? Die 5 größten Irrtümer über Zecken

Lauern Zecken wirklich auf Bäumen? news.de klärt auf. 

Lauern Zecken wirklich auf Bäumen? news.de klärt auf.  Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Dana Kaule

Ab dem Frühjahr lebt die Natur richtig auf - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Neben ausschlagenden Bäumen und blühenden Wiesen tummelt sich bei wärmeren Temperaturen auch eine Heerschar von Insekten. Die Zecke macht da keine Ausnahme. Von April bis Oktober dauert die Zeckensaison. Ganz ungefährlich ist der kleine Blutsauger aber nicht. Er überträgt die Lyme-Borrelliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), doch nur gegen letzteres können Sie sich präventiv impfen lassen - soweit, so bekannt. Allerdings halten sich noch immer etliche Mythen über Zecken, die es zu überprüfen gilt.

Weiße Zecke treibt in Deutschland ihr Unwesen?

So wird jedes Jahr immer wieder mal, auch aktuell, in den sozialen Netzwerken vor der weißen Zecke gewarnt, die schlimme Entzündungen verursachen soll. Allerdings kommt diese Zeckenart nicht in Deutschland vor, sondern in Australien. Hierzulande kann lediglich die Igelzecke weißlich aussehen, wie "mimikama.at" berichtet. Neben ihr sind in Deutschland zudem der gemeine Holzbock, die Auwaldzecke, Schafszecke, Taubenzecke, Hyalomma-Zecke und braune Hundezecke heimisch.

Die Auwaldzecke ist für Hunde tödlich, oder?

Für Aufsehen sorgte 2014 die Auwaldzecke. Damals wurde in der Berichterstattung suggeriert, dass diese Zeckenart für Hunde tödlich sei. Aber auch das stimmt nicht so ganz. Richtig ist, dass die Auwaldzecke neben der braunen Hundezecke sogenannte Babesien übertragen kann, die eine Babesiose auslösen, was auch als Hunde-Malaria bekannt ist. Wie die Tierarztpraxis Dr. Elke Jonigkeit damals einräumte, nistet sich der Parasit in den roten Blutzellen seines Wirts ein, die er zerstört. In der Folge kann es zu einem akuten Nieren- und Leberversagen kommen. Allerdings erfolgt die Übertragung erst 48 Stunden, nachdem sich die Zecke festgesetzt hat. Nur wenn eine Babesiose nicht behandelt wird, verläuft sie tödlich.

Zecken springen von Bäumen auf ihre Opfer - richtig oder falsch?

Hartnäckig hält sich auch der Mythos, dass Zecken auf Bäumen auf ihre Opfer lauern und sich herunterfallen lassen, um zuzubeißen - wie ein Vampir. Tatsächlich können Zecken nicht springen und nur maximal anderthalb Meter hoch klettern. Der Lebensraum der Zecken befindet sich eher in Bodennähe, etwa in hohem Gras, in Gebüsch, auf Totholz oder Baumstämmen. Dort können sie Tage oder Wochen lang auf einen Wirt warten, an den sie sich blitzschnell festhaken. Das gelingt nicht immer sofort auf der Haut. Wer schon einmal eine Begegnung mit einer Zecke hatte, wird wissen, dass sie zunächst etwas auf der Kleidung oder Armen und Beinen umher wandert. Sie sticht erst zu, wenn sie eine geschützte Stelle gefunden hat, wo sie in Ruhe Blut saugen kann.

Entfernen der Zecke genügt, um sich nicht mit FSME und Borreliose zu infizieren?

Wer von einer Zecken befallen ist, tut gut daran, sie möglichst schnell zu entfernen. Ein Garant dafür, an FSME zu erkranken, ist das allerdings nicht, wie man annehmen könnte. Denn die Zecke überträgt die Viren sofort nach dem sie zugestochen hat. Bei Borreliose sieht das etwas anders aus. Die Bakterien werden wohl erst 12 bis 24 Stunden nach dem Stich übertragen. Allerdings räumt das Robert-Koch-Institut (RKI) ein, dass nicht alle Zecken FSME und Borreliose übertragen. In FSME-Risikogebieten sind 0,1 bis 5 Prozent der Tiere Überträger. Borreliose kommt etwa bei maximal 30 Prozent der Zecken vor. Zudem erkrankt nicht jeder, der gestochen wurde. Eine Impfung gegen FSME sei dennoch ratsam, vor allem für Menschen in FSME-Risikogebieten und Risikogruppen, etwa Forstarbeiter und Landwirte, wie die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt.

Zecken herausdrehen oder mit Öl und Klebstoff entfernen? So geht es richtig

Übrigens: Zecken beißen nicht, sondern stechen. Sie verfügen über zwei scherenartige Mundwerkzeuge (Cheliceren) und dem Hypostom, mit dem sie zustechen, nachdem sie die Haut aufgeschnitten haben. Dieser Stechapparat macht es auch etwas schwieriger, die Zecke zu entfernen. Dass man die Zecke mit einer Pinzette herausdreht ist ebenso sinnfrei wie sie mit Öl oder Klebstoff zu entfernen. Letzteres kann sogar kontraproduktiv sein, da die Zecke in ihrem Todeskampf Viren und Bakterien abgeben kann. Besser ist es, sie möglichst nah an der Haut mit einer Pinzette oder den Fingernägeln an ihren Mundwerkzeugen zu greifen und senkrecht herauszuziehen, wie das RKI empfiehlt. Um Entzündungen zu vermeiden, sollte die Zecke vollständig entfernt und die Wunde anschließend desinfiziert werden.

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kad/loc/news.de
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