14.07.2020, 09.37 Uhr

Miete in Deutschland aktuell: Verbraucherschützer alarmiert! Mietern droht bald eine Kündigungswelle

Vielen Mietern droht wahrscheinlich im Herbst die Kündigung. (Symbolfoto)

Vielen Mietern droht wahrscheinlich im Herbst die Kündigung. (Symbolfoto) Bild: picture alliance/Jens Kalaene/dpa

Für einige Mieter wird es bald brenzlig: Der von der Bundesregierung beschlossene Mietstopp für Privatpersonen und Unternehmen, die aufgrund der Coronaviruskrise weniger verdient haben, weil sie in Kurzarbeit waren, Umsatzeinbußen hatten oder ihren Job verloren haben, ist am 1. Juli ausgelaufen. Im Herbst könnte Hunderttausenden Mietern in Deutschland eine Kündigungswelle drohen.

Kündigungswelle folgt nach Corona-Mietstopp im Herbst

Der Bundestag hatte zur Abmilderung der Pandemie-Folgen beschlossen, dass Mietern vom 1. April bis zum 30. Juni nicht gekündigt werden darf, wenn sie wegen der Corona-Krise die Miete nicht zahlen können. Auch bei privaten Krediten und Rechnungen für Strom oder Gas ist für diesen Zeitraum ein Zahlungsaufschub möglich. Zuletzt hatten Union und SPD über eine Verlängerung gestritten. Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) wollte die Erleichterungen bis Ende September ausdehnen, die Union stemmte sich dagegen. Mietervereine rechnen mit zahlreichen Kündigungen.

Gegenüber der "Bild"-Zeitung sagte Hans-Jochem Witzke, Mieterbundchef in NRW: "Die große Kündigungswelle wird im Herbst über uns hereinbrechen." Besonders betroffen sind Mieter, die 30 Prozent ihres Einkommens verloren haben und in Großstädten mit hohen Mieten leben. So könnten zum Beispiel in München viele Mieter ihre Wohnung verlieren, meint Beatrix Zurek vom Deutschen Mieterbund in München. "300 000 bis 400 000 Mieterhaushalte" seien allein in der bayerischen Hauptstadt finanziell von Corona betroffen, etliche davon akut gefährdet, weil sie massive Geldprobleme haben.

Schon gelesen?"Geiz ist geil"! Twitter-Nutzer ziehen über Lohnerhöhung her

Verbraucherschützer fordern "Überbrückungsmöglichkeiten" für Mieter

Die Verbraucherzentralen forderten vor dem Aus des Mietstopps, dass Mieter länger vor den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise geschützt werden. Viele Verbraucher seien auch weiterhin stark belastet, sagte der Chef des Verbraucherzentrale-Bundesverbands, Klaus Müller, dem "Handelsblatt". Es sei wichtig, für existenzielle Krisen "Überbrückungsmöglichkeiten" zu bieten. "Nötig ist daher eine zeitnahe Verlängerung der Moratorien für Kredite, Miet- und Energiezahlungen", forderte Müller.

Auch Stefan Körzell, Vorstand beim Deutschen Gewerbebund spricht sich für eine Verlängerung des Miet-Moratoriums aus. "Vor dem Hintergrund, dass nach wie vor mehrere Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit sind und hunderttausende Soloselbstständige dauerhafte Einkommenseinbußen haben, schafft die Bundesregierung völlig ohne Grund sozialen Sprengstoff. Das Wohngeld kann die realen Wohnkosten nicht abdecken, zudem muss es Monate im Voraus beantragt werden. Menschen ohne finanzielle Rücklagen könnten schon in zwei Monaten auf der Straße stehen."

Bei Twitter wurde die Kündigungswelle teilweise heftig diskutiert. So schrieb der MieterInnenrat: "Genauer gesagt war es aber kein Kündigungsschutz, sondern die Ermöglichung eines Zahlungsaufschubs, der zur Anhäufung von Mietschulden führte, die später zur Kündigung berechtigten. Das war unzureichend. Wer wg. Corona nicht zahlen kann, dem muss die Miete erlassen werden!"

Coronavirus-News aktuell! Immobilienwirtschaft begrüßt Ende der Kündigungsregelung

Die Immobilienwirtschaft begrüßte die Rückkehr zur normalen Kündigungsregelung. "Ein verlängertes Moratorium hätte einen Zustand eingefroren, der die Wiederbelebung der Wirtschaft verhindert hätte", erklärte der Präsident des Verbands ZIA, Andreas Mattner. "Es gibt keine Kündigungen im Wohnungsbereich, weil sich die Immobilienunternehmen vorbildlich verhalten. Es wäre also nicht mehr ausgewogen, diesen größten Eingriff in die Privatautonomie beizubehalten."

Folgen Sie News.de schon bei Facebook und YouTube? Hier finden Sie brandheiße News, aktuelle Videos, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

bos/sig/news.de/dpa