30.06.2020, 19.57 Uhr

Mindestlohn in Deutschland: "Geiz ist geil"! Twitter-Nutzer ziehen über Lohnerhöhung her

Der Mindestlohn soll bis 2022 erhöht werden. (Symbolfoto)

Der Mindestlohn soll bis 2022 erhöht werden. (Symbolfoto) Bild: picture alliance/Lino Mirgeler/dpa

Seit gut fünf Jahren gilt der Mindestlohn, der eine Untergrenze gegen Arbeitsmarkt-Dumping einziehen soll. Inmitten der Corona-Krise schlägt das zuständige Gremium die nächste Anhebung vor.

Mindestlohn in Deutschland! Gremium schlägt Erhöhung von 10, 45 Euro vor

Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland soll in vier Stufen bis zum 1. Juli 2022 von derzeit 9,35 Euro auf 10,45 Euro steigen. Das empfiehlt die zuständige Kommission in einem am Dienstag in Berlin vorgelegten Beschluss. Das Votum in dem Gremium, dem Vertreter von Gewerkschaften, Arbeitgebern und Wissenschaft angehören, fiel einstimmig. Die Bundesregierung muss die künftige Höhe des Mindestlohns noch per Verordnung umsetzen. Sie richtet sich dabei in der Regel nach dem Vorschlag der Kommission.

Vier-Stufen-Plan! Mindestlohn in Deutschland soll ab Januar 2021 steigen

Konkret soll der Mindestlohn laut der Empfehlung zunächst zum 1. Januar 2021 auf 9,50 Euro steigen. Zum 1. Juli 2021 soll eine zweite Anhebung auf 9,60 Euro folgen, zum 1. Januar 2022 eine dritte auf 9,82 Euro. Die vierte Stufe sieht zum 1. Juli 2022 eine Anhebung auf 10,45 Euro vor. Der gesetzliche Mindestlohn war zum 1.Januar 2015 mit einem Betrag von 8,50 Euro brutto pro Stunde eingeführt worden. Zuletzt hatte es eine Anhebung in zwei Stufen gegeben: auf 9,19 Euro zum 1. Januar 2019 und auf die jetzigen 9,35 Euro zum 1. Januar 2020.

Nach mehreren Boomjahren war die Mindestlohn-Empfehlung auch mit Blick auf den wirtschaftlichen Einbruch wegen der Corona-Pandemie mit Spannung erwartet worden. Die Arbeitgeber hatten angesichts der Belastungen vieler Unternehmen in der Krise vor zu großen Erhöhungen gewarNt. Die Gewerkschaften forderten dagegen eine spürbare Anhebung.

Grundsätzlich orientiert sich die unabhängige Kommission aus Vertretern von Arbeitgebern, Gewerkschaften und Wissenschaft an der zurückliegenden Entwicklung der Tariflöhne. In einer "Gesamtabwägung" zusammengebracht werden sollen laut gesetzlicher Vorgabe dann der Mindestschutz der Arbeitnehmer, faire Wettbewerbsbedingungen und das große Ziel, Beschäftigung nicht zu gefährden. Dabei gibt es einen gewissen Spielraum, was genau in die Berechnung einbezogen wird.

Wer profitiert von der Mindestlohn-Erhöhung?

Der gesetzliche Mindestlohn gilt für alle volljährigen Arbeitnehmer - außer für Langzeitarbeitslose nach einer Arbeitsaufnahme in den ersten sechs Monaten. Auch für Azubis, Menschen mit Pflichtpraktikum oder Praktika unter drei Monaten gilt er nicht. Daneben gibt es in mehreren Branchen tarifliche Mindestlöhne, die über der Lohnuntergrenze liegen.

Twitter-Nutzer ätzen gegen Mindestlohn-Erhöhung

Beim Nachrichten-Dienst Twitter stößt die Erhöhung auf Gegenwind. Viele Nutzer finden den Plan der Bundesregierung nicht gut durchdacht und machen sich Luft. Ein User spottet über die neueste Spar-Aktion der Politiker und schreibt:

"Der #Mindestlohn soll bis 2022 auf 10,45 Euro steigen. Aber nur erst mal in 4 Stufen xD

Also Klatscht bitte, schließlich wird der Mindestlohn immer nur auf ein paar Cent aufgewertet...

Warum zum Teufel macht man nicht einfach 12-15 Euro die Stunde?

Geiz ist eben Geil...."

Ein anderer meint: "10,45 Euro. Damit Deutschland auch langfristig ein brutaler Niedriglohnsektor bleibt. So geht menschenverachtende Politik.
#Mindestlohn #abfuck"

Die Mehrheit der Menschen findet, um später eine Grundrente zu bekommen, muss der Mindestlohn noch weiter ansteigen. Mindestens 13 Euro sollten es sein. Die Wut breitet sich in der Kommentarspalte immer weiter aus. "Liebe #Mindestlohnkommission ; soll das ein Witz sein? Ganz ehrlich, 2 Jahre, um auf einen #Mindestlohn zu kommen, der *immernoch* Leute in die Armut treibt? Geht's noch?", schreibt ein Mann.

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Es gibt auch Menschen, die finden, dass eine weitere Anpassung der Wirtschaft schaden könnte. Trotzdem dürfte die Wut über den neuen Mindestlohn die wohlwollenden Reaktionen übertreffen.

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bos/news.de/dpa