20.06.2020, 06.58 Uhr

Coronavirus-Ausbruch bei Tönnies aktuell: "Brandgefährliches Fleisch!" DAVOR warnt der Hygiene-Papst jetzt

Nach einem Corona-Ausbruch bei Tönnies steht der Schlachtbetrieb still. (Symbolbild)

Nach einem Corona-Ausbruch bei Tönnies steht der Schlachtbetrieb still. (Symbolbild) Bild: AdobeStock / Evgesha

Nach einem Corona-Ausbruch bei Tönnies steht der größte deutsche Schlachtbetrieb für Schweine still. Zwar werden vorerst keine lebenden Schweine mehr in Rheda-Wiedenbrück angeliefert, doch laut "Bild" werde noch bis zum Wochenende das Fleisch von 40.000 bereits geschlachteten Tieren verarbeitet. Besonders problematisch: Das Fleisch ist offenbar mit infizierten Arbeitern in Kontakt gekommen.

Nach Corona-Ausbruch in NRW! Hygiene-Papst warnt vor Tönnies-Fleisch

Inzwischen gebe es 730 registrierte Neuinfektionen. Ausgewertet wurden nach Informationen vom Donnerstagabend bisher 1.106 Ergebnisse eines von den Behörden angeordneten Reihentests. Im Tönnies-Stammwerk müssen in den nächsten Tagen noch rund 5.300 Mitarbeiter getestet werden."Tönnies sollte keine Fleischprodukte aus der betroffenen Produktionsstätte in Verkehr bringen. Sonst muss man die Verbraucher generell vor Tönnies-Fleisch warnen, weil der Kunde nicht nachvollziehen kann, wo die Produkte herkommen", fordertProf. Klaus-Dieter Zastrow in der "Bild"-Zeitung.

In Deutschland gilt die Etikettierungspflicht bei unverarbeitetem Fleisch nur, wenn es verpackt verkauft wird. Sobald es jedoch weiterverarbeitet wurde, ist nicht mehr ersichtlich woher das Fleisch stammt.

Klaus-Dieter Zastrow warnt: "Das Fleisch ist brandgefährlich"

Das Fleisch sei brandgefährlich. "Wenn es nicht stark erhitzt wurde, kann man es nicht mehr verwenden", warnt der Hygiene-Papst Zastrow in der "Bild". "Man kann jetzt nicht einfach die aktuelle Produktion abverkaufen, sonst geht damit noch mal eine richtige Viruswelle übers Land."

Um sich vor Viren und anderen Krankheitserregern zu schützen, rät Zastrow Verbrauchern in der "Bild":"Hautkontakt mit rohem Fleisch vermeiden, am besten nur mit Haushaltshandschuhen berühren. Hände anschließend trotzdem desinfizieren. Erst die Hitze in der Pfanne deaktiviert das Virus." Von erhitztem Fleisch gehe nämlich keine Gefahr mehr aus. "Aber nicht erhitztes Fleisch ist ein gewaltiges Risiko."

Bessere Arbeitsbedingungen! NRW-Gesundheitsminister will Fleischbranche umkrempeln

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) will die Branche wissenschaftlich untersuchen lassen. "Wir müssen untersuchen, wie die Corona-Ausbrüche in der Fleischindustrie entstehen", erklärte Laumann. "Mein Ministerium wird eine wissenschaftliche Expertise auf den Weg bringen, die den Ursachen des Ausbruchs in Gütersloh epidemiologisch auf den Grund geht." Danach müssen "gegebenenfalls weitere Maßnahmen ergriffen werden", kündigte der CDU-Politiker an.

Laumann tritt wegen der oft beengten Lebensverhältnisse der Beschäftigten für Rechtsänderungen ein. So forderte er: "Wir müssen auch eine Generalunternehmerhaftung haben für die Lebensverhältnisse dieser Menschen, wenn sie zum Beispiel in Sammelunterkünften leben." Die Schlachtindustrie habe sich eine Systematik über die Werkverträge angewöhnt, bei der man einfach sagen müsse, "dass sich die Besitzer von Schlachthöfen nicht mehr verantwortlich fühlen für große Teile der Belegschaft", verdeutlichte Laumann im Gespräch mit WDR2.

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bua/sba/news.de/dpa