07.03.2020, 07.17 Uhr

Miese Bankenabzocke: Sparkasse erleichtert Rentner um beinahe 8.000 Euro

Laut Daten des Vergleichsportals Verivox haben in diesem Jahr schon 35 Banken Negativzinsen für Guthaben vor allem auf dem Tagesgeldkonto eingeführt.

Laut Daten des Vergleichsportals Verivox haben in diesem Jahr schon 35 Banken Negativzinsen für Guthaben vor allem auf dem Tagesgeldkonto eingeführt. Bild: Daniel Karmann/dpa

Immer mehr Banken und Sparkassen senken ihre Zinsen oder stellen ihren Kunden Negativzinsen in Rechnung. Nun berichtete die "Bild"-Zeitung von einem Fall, bei dem ein Rentner von seiner Sparkasse um fast 8000 Euro gebracht wurde. Alles zu dem schockierenden Fall!

Immer mehr Geldinstitute verlangen Negativzinsen

Seit der letzten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) vor knapp sechs Monaten hat sich die Zahl der Institute, die Negativzinsen verlangen, auf mindestens 61 mehr als vervierfacht, wie aus der Auswertung hervorgeht. "Seit dem Notenbankentscheid nahm der Trend immer mehr Fahrt auf", berichtete Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH.

Sparkasse Nürnberg bringt Kunden um 90 Millionen Euro

Noch schockierender sieht die Auswertung der "Verbraucherzentrale Bayern" aus, die laut "Bild" nun schwere Vorwürfe gegen die Stadtsparkasse Nürnberg erhebt, da diese beim Berechnen der Zinsen schwerwiegende Fehler gemacht haben soll. Wie die "Bild" berichtet, wirft die "Verbraucherzentrale Bayern" der Sparkasse vor, ihren Kunden Zinssummen in Höhe 90 Millionen Euro vorenthalten zu haben.

Auch andere Sparkassen-Kunden von Abzocke betroffen

Doch nicht nur die Sparkasse Nürnberg sei laut "Bild" unter den Abzockern. In München sei der Verlust mit 132 Millionen Euro sogar noch höher. Der gesamte Zinsbetrug für Bayern soll 800 Millionen Euro und bundesweit 2,3 Milliarden Euro betragen.

Rentner verliert fast 8000 Euro

Das Beispiel eines Rentners aus Nürnberg macht die Schwere des Ausmaßes deutlich. Sein ganzes Leben lang legte der heute 70-Jährige emsig Geld für seinen Lebensabend zurück. Doch statt der versprochenen 4 Prozent Zinsen wurde sein Vermögen nur mit 1,2 Prozent bezinst. Laut "Bild" ein Verlust von fast 8000 Euro für den arglosen alten Herrn.

Laut Angaben eines Finanzexperten der "Verbraucherzentrale Bayern" habe die Sparkasse Nürnberg bei 205 geprüften Verträgen durchschnittlich 4500 Euro zu wenig an ihre Kunden ausgezahlt. Wie die "Bild" informiert, ist die Verbraucherzentrale Bayern nun dabei, eine Musterklage gegen die dubiosen Zinsrechnungen zu prüfen.

Vergleichsportal prüft Negativzinsen in umfangreicher Auswertung 

Auch Negativzinsen machen Verbrauchern mehr und mehr zu schaffen. Allein in diesem Jahr hätten 35 Geldhäuser Negativzinsen für Guthaben vor allem auf dem Tagesgeldkonto eingeführt. Damit sind solche Banken aber immer noch in der Minderheit: Das Vergleichsportal "Verivox" hat die im Internet veröffentlichten Preisaushänge von rund 800 Banken und Sparkassen ausgewertet. Im Fokus stehen dabei Tagesgeldkonten. Da einige Institute individuelle Vereinbarungen mit vermögenden Kunden träfen, dürften insgesamt mehr als 61 Geldhäuser Negativzinsen verlangen, erläuterte Maier. Hinzu kämen 6 Finanzhäuser, bei denen das üblicherweise kostenfreie Tagesgeldkonto Gebühren koste. Dadurch entstünden faktisch Negativzinsen.

Die EZB hatte Mitte September 2019 den Strafzins auf 0,5 Prozent verschärft, den Finanzinstitute zahlen müssen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Damit wollen die Währungshüter Anreize für die Kreditvergabe schaffen, um die Konjunktur anzukurbeln.

Auch Privatkunden von Negativzinsen betroffen

Auch wenn es inzwischen höhere Freibeträge gibt, sind die Strafzinsen eine Milliardenbelastung für die Branche. Nach Daten der Deutschen Bundesbank haben Kreditinstitute von Mitte Dezember 2018 bis Mitte Dezember 2019 rund 2,4 Milliarden Euro Zinsen auf bei den Währungshütern gebunkertes Geld bezahlt.

An Firmenkunden geben Geldhäuser die Kosten schon länger weiter. Zunehmend trifft es aber auch Privatkunden - zum Teil auch schon bei geringeren Summen. "Verivox" zufolge räumen 10 Institute Kunden weniger als 100.000 Euro Freibetrag auf dem Tagesgeldkonto ein - zwei davon erheben den Negativzins auf das gesamte Guthaben.

Kritik an Geschäftspraxis der Banken

Verbraucherschützern zufolge sind Negativzinsen grundsätzlich verboten. Sie seien bei Bestands- und Neukunden nur zulässig, wenn das Verwahrentgelt explizit mit den Kunden vereinbart worden sei. "Es reicht nicht, lediglich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu ändern", sagte Dorothea Mohn, Leiterin des Finanzmarktteams bei Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Betroffene sollten bei Zweifelsfragen die Verbraucherzentralen kontaktieren.

Grundsätzlich sehen Verbraucherschützer Negativzinsen bei "gängigen" Summen auf Spar- oder Girokonten kritisch. "Aus unserer Sicht ist das wirtschaftlich nicht erforderlich. Die Banken verdienen nach wie vor gut", sagte Mohn. Betroffene Kunden sollten über einen Wechsel des Kreditinstitutes nachdenken.

Nicht alle Banken verhängen Negativzinsen

Verbände wie der Genossenschaftsverband erwarten allerdings keine Negativzinsen auf breiter Front. Die Volks- und Raiffeisenbanken nähmen den "Schutz des Spargedankens" sehr ernst, sagte der Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Ingmar Rega jüngst. "Es wird viel mehr über die Weitergabe von Negativzinsen diskutiert als über den ausbleibenden Vermögensaufbau für die Altersvorsorge der Menschen", beklagte Rega.

Auch die Commerzbank will das Gros ihrer Kunden weiter vor Negativzinsen verschonen. "Wir versuchen den Sparer weitestgehend von den Belastungen freizuhalten. Das funktioniert im Moment auch noch", sagte Konzernchef Martin Zielke jüngst der "Bild"-Zeitung. Im November hatte die Commerzbank angekündigt, sie suche mit Privatkunden, die deutlich mehr als eine Million Euro auf ihrem Bankkonto haben, das Gespräch über alternative Anlagemöglichkeiten.

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sig/bua/news.de/dpa
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