23.11.2019, 16.31 Uhr

Negativzinsen in Deutschland: Minuszins kostet deutsche Sparer MILLIARDEN Euro

Deutsche Sparer könnte der Negativzins um Milliarden Euro bringen.

Deutsche Sparer könnte der Negativzins um Milliarden Euro bringen. Bild: Daniel Karmann / picture alliance / dpa

Die Zeiten, in denen man auf seine Ersparnisse zufriedenstellende Zinsen bekam, scheinen endgültig vorüber zu sein. Doch nicht genug damit, dass sich Sparer mit mageren Zinserträgen begnügen müssen - auch Phänomene wie Negativzinsen bereiten etlichen Geldanlegern schlaflose Nächte.

Deutsche Sparer in Angst: Wen treffen Negativzinsen?

Die Minuszinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) belasten die Banken und treffen zunehmend auch Kunden der Institute. Banken müssen derzeit 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Gelder bei der EZB parken. Immer mehr Banken in Deutschland geben die Kosten weiter und berechnen Firmenkunden, aber auch reichen Privatkunden Negativzinsen. Das Gros der Privatkunden ist bis dato verschont geblieben - doch die Angst, von der eigenen Bank zur Kasse gebeten zu werden, bleibt real.

7 Milliarden Euro futsch wegen Negativzinsen

Viele Sparer fragen sich, wie viel ihres angelegten Geldes der Negativzins tatsächlich verschlingen würde. Vorgerechnet haben dies Finanzexperten. In der "Bild" hat beispielsweise Finanzanalyst Peter Barkow dargelegt, mit welchen Verlusten Bankkunden rechnen müssten. Bei Negativzinsen in Höhe von 0,5 Prozent würden pro Kalenderjahr 50 Euro fällig, betrüge das eigene Guthaben 10.000 Euro. Wer beispielsweise 15.000 Euro auf dem Konto hat, würde dank Minuszinsen jährlich um 75 Euro ärmer - bei einem Kontostand von 50.000 Euro wären es entsprechend 250 Euro pro Jahr, die der Negativzins auffressen würde.

Deutlich besorgniserregendere Ausmaße richtet der Negativzins jedoch an, wenn man die Ganzheit der deutschen Bankkonten betrachtet. Peter Karkow zufolge würden bei der Anwendung von Negativzinsen allen deutschen Sparern sage und schreibe sieben Milliarden Euro flöten gehen.

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CSU fordert Steuerausgleich wegen Negativzinsen

CSU-Chef Markus Söder fordert für Bankkunden einen steuerlichen Ausgleich von Negativzinsen. Es brauche einen "großen Master-Plan, wie man die Sparer schützt und von Negativzinsen befreit", sagte der bayerische Ministerpräsident der "Passauer Neuen Presse". "Wenn ein Verbot nicht möglich sein sollte, muss es einen Ausgleich geben." Der Staat solle Sparern gezahlte Negativzinsen darüber zurückgeben, dass diese steuerlich geltend gemacht werden können, forderte Söder. Im August hatte sich Söder für ein gesetzliches Verbot eingesetzt, um Beträge bis 100.000 Euro grundsätzlich von Strafzinsen auszunehmen.

Weitergabe von Negativzinsen an Bankkunden ist "mit rechtlichen Risiken behaftet"

Eine Sprecherin von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) äußerte sich auf Anfrage nicht direkt zu Söders Vorstoß. Die Bundesregierung beobachte weiterhin die Situation, "insbesondere in Bezug auf die tatsächlichen Marktentwicklungen", teilte sie am Donnerstag mit. Auf Basis der geltenden Gesetzeslage sei es für Banken "mit hohen rechtlichen Risiken behaftet", innerhalb bestehender Verträge Negativzinsen einseitig an ihre Kunden weiterzugeben, etwa über die Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) in bestehenden Sparverträgen.

Haben Banken in Sachen Negativzinsen keine Wahl?

Der finanzpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Florian Toncar, sprach einer "reinen PR-Inszenierung von Markus Söder". Sparkassen und Volksbanken führen. Banken führten Negativzinsen "nicht aus Willkür oder Bösartigkeit" ein, "sondern weil sie von der EZB mit Rückendeckung der Politik dazu gezwungen werden".

Eine Negativzinsklausel zu ergänzen, "dürfte nur durch einen Änderungsvertrag mit dem Verbraucher möglich sein", also mit ausdrücklicher Zustimmung, erklärte die Sprecherin - und "wohl nicht" über eine AGB-Änderung, der Kunden automatisch zustimmen, wenn sie nicht widersprechen. Entsprechende Bestrebungen von Kreditinstituten wären vor diesem Hintergrund vor den Zivilgerichten angreifbar.

Debatte um Negativzinsen nach Söder-Vorschlag neu entfacht

Der für Bankenaufsicht zuständige Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling hält den neuen Söder-Vorschlag "eine steuerliche Erleichterung zu geben - zumindest aus der Sicht der Bankenaufsicht - für charmanter als den Negativzins zu verbieten". Grundsätzlich gehöre "die Weitergabe von Verlusten ... an diejenigen, die die Einlagen zur Verfügung stellen, zu den Instrumenten der Banksteuerung", sagte Wuermeling in Frankfurt. "Wir müssen den Banken schon die Möglichkeit geben, in diesem herausfordernden Umfeld ihre Bank vernünftig zu steuern."

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loc/news.de/dpa
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