08.11.2020, 21.45 Uhr

Münster-Tatort: Fünf Fragen zum "Tatort: Limbus"

Boerne (Jan Josef Liefers, r.) findet sich im Limbus wieder. Der Herr, der hier das Sagen hat, sieht Kommissar Thiel (Axel Prahl) zum Verwechseln ähnlich.

Boerne (Jan Josef Liefers, r.) findet sich im Limbus wieder. Der Herr, der hier das Sagen hat, sieht Kommissar Thiel (Axel Prahl) zum Verwechseln ähnlich. Bild: WDR/Bavaria Fiction GmbH/Martin Valentin Menke/spot on news

Professor Boerne und Kommissar Thiel befinden sich im "Tatort: Limbus" auf ungewohntem Terrain. Zugegeben: Man muss sich zunächst auf das Gedankenspiel des in der Vorhölle befindlichen Boerne einlassen. Doch dann entwickelt sich daraus ein unterhaltsamer Münster-Krimi ganz ohne den herkömmlichen Klamauk. Aber einige Fragen bleiben offen: Was ist eigentlich der Limbus? Und warum ist Nadeshda auf einmal wieder da?

Hier gibt es weitere kultige "Tatort"-Fälle von Thiel und Boerne aus Münster.

Was ist der Limbus?

Wie auch schon Axel Prahl in seiner Rolle als Handlanger des Teufels und Jan Josef Liefers als "Insasse" erörtern, ist der Limbus der theologische Begriff der sogenannten Vorhölle. Glaubt man der altertümlichen katholischen Leere, befinden sich dort die Seelen der Toten, die ohne eigenes Verschulden vom Himmel ausgeschlossen sind; zum Beispiel die von ungetauften Kindern. Im Volksmund bezeichnete man den Limbus auch als den "äußersten Kreis der Hölle".

Wie auch Boerne im Film erklärt, hat der Limbus keinerlei biblisches Fundament und wird auch in weiten Theologie-Kreisen lediglich als Spekulation, Hypothese und Theorie eingeordnet. Die Erfindung der Vorhölle wird in die Zeit des Mittelalters datiert. Im Weltkatechismus von 1992, also quasi dem aktuellen Handbuch des katholischen Glaubens, findet man den Begriff Limbus nicht mehr. Somit handelt es sich um keine geltende Glaubenslehre der katholischen Kirche.

Kann man an einer Überdosis Insulin sterben?

Alberich entkommt dem Mordanschlag durch Insulin nur knapp, weil sie sich (mit der Hilfe von Boernes Geist) als Gegenmittel Glucose verabreicht. Ist das überhaupt realistisch? Ja: Eine irrwitzige Geschichte begleitet Insulin als Mordmittel. Der englische Krankenpfleger Kenneth Barlow soll Mitte der 50er-Jahre während eines Vortrags über Insulin behauptet haben, dass man damit den perfekten Mord verüben könne. Wenige Jahre später kam er wegen der Tötung seiner Frau Betty lebenslang ins Gefängnis. Dieser Fall gilt als weltweit erster, bei dem ein Mord durch Insulin nachgewiesen werden konnte.

Immer wieder landen auch Pfleger vor Gericht, die ihren Patienten absichtlich eine Überdosis Insulin verabreicht haben. Erst Anfang Oktober 2020 wurde ein polnischer Hilfspfleger zu einer lebenslangen Haftstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung in München verurteilt. Das zuständige Gericht sah es als erwiesen an, dass er pflegebedürftigen Patienten wissentlich zu viel Insulin verabreichte, um sie zu töten. Er habe mindestens drei Menschen auf diese Weise ermordet.

Gibt es das Medikament Curare wirklich?

Der unter dem Namen Dr. Jacoby auftretende und mordende Hochstapler spritzt seinen Opfern neben Insulin auch ein Medikament namens Curare. Boerne überlebt nur, weil Thiel herausfindet, dass es sich bei dessen Vergiftung um genau diesen Stoff handelt und die Ärzte auf der Intensivstation entsprechende Gegenmittel verabreichen können. Doch gibt es das wirklich? Ja: Curare ist eigentlich ein Sammelbegriff unterschiedlicher Substanzen, die aus Brechnuss-Arten und Mondsamengewächsen gewonnen werden können.

Die indigene Bevölkerung Südamerikas benutzt Curare als Pfeilgift auf der Jagd und stellt es aus unterschiedlichen Extrakten von Rinden und Blättern verschiedener Lianenarten her. Tatsächlich fanden einzelne Unterarten des Giftes auch in der Anästhesie viele Jahre Anwendung und sind vereinzelt bis heute in Gebrauch. Bei einer Vergiftung mit Curare wird der Stoff Physostigmin verabreicht, das natürlich in den Samen der Kalabarbohne und den Früchten des Manchinelbaums vorkommt und eingetretene Lähmungen schnell beendet.

Warum ist Nadeshda wieder dabei?

Der "Tatort: Limbus" ist nun der endgültige und offizielle Abschied von Nadeshda Krusenstern alias Friederike Kempter aus den Münster-Krimis. Die ehemalige Assistentin von Thiel starb eigentlich schon in der Crossover-Ausgabe "Tatort: Das Team", welcher offiziell aber nicht zur Reihe der Münsteraner Tatorte gehört. Bei dem experimentellen Kammerspiel, das ohne festes Drehbuch entstand, ermittelt eigentlich das Dortmunder Team Bönisch und Faber gemeinsam mit anderen Kollegen, unter anderem auch Krusenstern.

In dem Neujahrsfilm von 2020, in dem sogar der NRW-Ministerpräsident Armin Laschet einen kurzen Auftritt hat, wird sie von einem Kollegen erschlagen. "Man soll ja aufhören, wenn es am Schönsten ist", kommentierte Kempter ihren eigenen Abschied bereits damals. Es seien 17 sehr, sehr schöne Jahre gewesen und sie habe jeden Drehtag sehr genossen. Jetzt sei allerdings Zeit für etwas Neues.

Hat der Arzt Dr. Jacoby ein reales Vorbild?

Durchaus, wenn auch nicht in dieser drastisch dargestellten Art und Weise eines Serienkillers. Leider kommt es immer wieder zur Entlarvung von medizinischen Hochstaplern, die niemals ein Studium absolviert haben und dennoch in Kliniken als Ärzte arbeiten. Der berühmteste deutsche Hochstapler in diesem Zusammenhang ist wohl der eigentliche Postbote Gert Postel, der zwischen 1980 und 1995 teilweise in leitenden Positionen als Mediziner angestellt war, ohne jemals eine Universität besucht zu haben.

In Frankreich ist vor allem der Fall des Jean-Claude Romand bis heute in aller Munde. Der Schwindler täuschte über Jahre hinweg seine Position als einer der führenden Forscher auf dem Gebiet der Arteriosklerose (im Volksmund Gefäßverkalkung) vor. Er schloss aber nie sein Medizinstudium ab. Als sein Betrug aufzufliegen drohte, brachte er 1993 seine Frau, seine beiden Kinder und seine Eltern um. Romand saß bis Sommer 2019 im Gefängnis und lebt mittlerweile in einem Benediktiner-Kloster in Westfrankreich.

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Themen: Insulin