22.10.2020, 07.59 Uhr

Markus Lanz: "Unverschämtheit!" Tim Mälzer macht seinem Ärger Luft

Der news.de-Nachrichtenüberblick

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Im Kampf gegen die Corona-Pandemie haben einige Bundesländer eine Sperrstunde für Bars und Gastronomie eingeführt: Seit einer knappen Woche müssen die betroffenen Gewerbe um 23 Uhr schließen. Wie reagieren die Menschen auf diese Regel?

Markus Lanz macht Gastronomie-Sperrstunde zum Talkshow-Thema

Das wollte der Moderator Markus Lanz in seiner ZDF-Talkshow am späten Dienstagabend wissen. Dafür diskutierte er unter anderem mit dem Bezirksamtsleiter Hamburg-Mitte, Falko Droßmann, dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) und dem TV-Koch Tim Mälzer.

Zu Beginn der Sendung berichtete Falko Droßmann von seinen ersten Kontrollen im Hamburger Szeneviertel St. Pauli. Am vergangenen Wochenende kam es dort zu einer kleinen Ausschreitung: In einem hinter einer Stahltür versteckten Raum im Keller hätten rund 100 Personen illegal gefeiert. Als das Ordnungsamt die Party auflösen wollte, seien viele der Feiernden aggressiv geworden und mussten sogar fixiert werden. Die Verantwortlichen erwarte nun eine Strafe von mindestens 5.000 Euro.

Tim Mälzer über schwarze Schafe der Branche: "hoch unverantwortlich, anmaßend, unverschämt"

"Was geht dir durch den Kopf?", wollte Markus Lanz daraufhin an Tim Mälzer gewandt wissen. Der Koch, der unter anderem in Hamburg das Restaurant "Bullerei" betreibt, lieferte seine Antwort prompt: "Ich finde, dass das eine absolute Frechheit und Unverschämtheit ist, im Rahmen dieser Pandemie, in der wir uns befinden!" Alle Gastronomen und Veranstalter litten unter den aktuellen Beschränkungen. "Dass eine Gruppe meint, sich da herausziehen zu können, halte ich für hoch unverantwortlich, anmaßend, unverschämt."

Mälzer in Rage: "Ich verstehe nicht, warum nur 5.000 Euro angedroht wird und warum man dem nicht die Konzession entzieht." Immerhin habe man als Gastronom oder Clubbetreiber auch eine Verantwortung gegenüber seinen Gästen. Er wisse durchaus, wie schwer die Situation für alle sei, doch in diesem Fall handle es sich um eine "Kleinkind-Bockigkeit ohne Sinn und Verstand, die eine ganze Branche medial so besch..ssen dastehen lässt".

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil verteidigt "milde" Regelungen

Dass nicht von allen Gastronomen eine Gefahr ausgeht, weiß auch Stephan Weil: Im "hoch regulierten Bereich" der Gastronomie höre er von keinen Infektionsherden, erklärte der niedersächsische Ministerpräsident, viel schlimmer seien die privaten Partys. Warum gebe es dann trotzdem eine Sperrstunde von 23 Uhr, wollte Lanz daraufhin von dem SPD-Politiker wissen. Man könne das nicht "naturwissenschaftlich" beweisen, räumte Weil ein. Fest stehe allerdings, dass "viel Alkohol und viele Menschen" im Infektionsgeschehen eine Rolle spielten. Im Vergleich zu einem möglichen zweiten Lockdown seien die derzeitigen Regelungen doch noch mild.

Tim Mälzer hält Sperrstunde ab 23 Uhr für übertrieben

Tim Mälzer sah das ein wenig anders: "Die Zahlen beweisen uns, dass wir keine größeren Herde haben." Der 49-Jährige fuhr fort: "Wir sind auch bereit, den Alkoholkonsum ab 23 Uhr komplett einzustellen, meinetwegen auch den Verzehr." Doch wenn der Gast um Punkt 23 Uhr das Lokal verlassen müsse, bedeute das einen Umsatzverlust von einem Fünftel, da schon in der Stunde von 22 bis 23 Uhr keine Bestellungen mehr getätigt würden. Eine spätere Sperrstunde würde ihm somit auch ohne Verkauf schon sehr helfen.

TV-Koch erwägt rechtliche Schritte

Mit Blick nach Berlin, wo die Sperrstunde bereits gekippt wurde, hakte Lanz nach: "Wollt ihr dagegen auch juristisch vorgehen?" Mälzer antwortete: "Wir sitzen zusammen und überlegen, dagegen gerichtlich vorzugehen." Es gehe allerdings nicht um Aufhebung des Alkoholkonsums. "Das finden wir extrem unterstützenswert, gerade in der jetzigen Zeit. Aber wir benötigen die eine Stunde mehr." Angesichts der vielen Maßnahmen, die er in seinem Lokal einhalte, sei es nun vielleicht an der Zeit, "gesondert betrachtet zu werden". Seine derzeitige Mitarbeiterstärke könne er unter den aktuellen Bedingungen nämlich nicht aufrechterhalten.

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kns/bua/news.de/teleschau
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