24.01.2020, 12.00 Uhr

Star Trek: "Star Trek: Picard": Der alte Mann und das Weltall

Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) hat nichts von seiner Präsenz verloren

Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) hat nichts von seiner Präsenz verloren Bild: ©2019 CBS Interactive, Inc. All Rights Reserved/spot on news

Von 1987 bis 1994 trug er ihn, den adretten roten Sternenflotten-Onesie. Den 178 Folgen von "Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert" folgten dann noch vier Kinofilme, in denen Patrick Stewart (79) ebenfalls als der Captain mit dem klangvollen Namen Jean-Luc Picard zu sehen war. Dann die Weltraumleere, 18 Jahre ist Picards bislang letztes Abenteuer her. Das ändert sich ab dem 24. Januar, wenn hierzulande via Amazon Prime Video einmal pro Woche die neue Serie "Star Trek: Picard" zu sehen ist. Aber lohnt sich das überhaupt, oder sollte mit Warp-Geschwindigkeit weggezappt werden?

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Weingut statt Weltraum: Darum geht es

Rund 20 Jahre sind vergangen, seit die Crew der Enterprise-E im Kampf mit den Romulanern den Tod ihres geliebten Freundes Data (Brent Spiner, 70) hinnehmen musste. Vor allem Jean-Luc Picard (Stewart) hadert auch zwei Jahrzehnte später noch mit der Tragödie - immerhin verlor Data sein Leben, um das seines Captains zu retten.

Nur wenige Jahre nach dem Konflikt quittierte Picard seinen Dienst, wie sich nun herausstellt. Ganz freiwillig geschah dieser Schritt aber nicht: Als bei einem Vorfall, bei dem erneut die Romulaner nicht ganz unschuldig scheinen, hunderte Androiden Amok liefen und ein Massaker anrichteten, entschied sich die Sternenflotte dazu, künstliche Lebensformen zu verbieten. Für Picard ein Affront: Im Andenken an seinen Freund Data drohte er mit seinem Rücktritt als Admiral, sollte die Sternenflotte ihr Vorhaben wirklich in die Tat umsetzen. Ein letzter verzweifelter Schachzug, der ins Leere lief.

Die Gegenwart: Als Zivilist fristet Picard fortan ein luxuriöses, aber langweiliges Leben auf einem Weingut. Das ändert sich erst, als eine junge Frau namens Dahj (Isa Briones, 21) an seiner Türschwelle steht und ihn um Hilfe bittet. Ein romulanisches Todeskommando hat es aus unerfindlichen Gründen auf sie abgesehen. Als Picard daraufhin Nachforschungen anstellt, wächst ihn ihm die Erkenntnis: Für ein Leben im Ruhestand ist er nicht geschaffen, er muss zurück in die Weiten des Weltalls, um Leben zu retten. Auch, wenn sein Schiff keine Enterprise mehr ist, sondern eine galaktische Nussschale.

Nostalgie ab der ersten Sekunde

Die Serie setzt indirekt an die Handlung an, die im letzten - und leider mäßigen - Kinofilm mit der "Next Generation"-Besatzung namens "Nemesis" gezeigt wurde. Gleich in der ersten Szene baut "Picard" auf die Extra-Dröhnung Nostalgie: Picard und Data an einem Tisch, gemeinsam spielen sie Poker und ziehen sich gegenseitig auf. Nur ein Traum, versteht sich, aus dem Jean-Luc von seinem Hund mit dem vielsagenden Namen Nummer eins erweckt wird. Auf den Schreck genehmigt er sich natürlich erst einmal einen Earl Grey...

Schon die Trailer zeigen, dass der Titelheld vielen weiteren ehemaligen Wegbegleitern der USS Enterprise über den Weg laufen wird. William "Will" Riker (Jonathan Frakes, 67) ist da zu sehen, ebenso wie Deanna Troi (Marina Sirtis, 64) oder "Voyager"-Crewmitglied Seven of Nine (Jeri Ryan, 51). Mehr als jede andere bisherige "Star Trek"-Serie wird "Picard" also Trekkies ansprechen, die gerne von der guten alten Zeit schwärmen. Das mag die Serie zwar nicht sonderlich subtil machen, aber umso effektiver.

Alte Recken in neuem Gewand

Selbstredend hat sich auch im "Star Trek"-Universum einiges getan, seit Jean-Luc Picard letztmals den Zeigefinger hob und "Energie" in die Kamera raunte. Das mehr oder minder zusammenhangslose "Abenteuer der Woche" von damals ist einer stringenten Erzählstruktur gewichen, wie sie spätestens seit "Star Trek: Discovery" auch bei der Sternenflotte Standard geworden ist. Und auch für die Action ist der nimmermüde Captain, der sich früher stets an vorderster Front in wahnwitzig riskante Außenmissionen stürzte, nicht mehr zuständig. Mit nun 79 Jahren sei Stewart das vergönnt.

Hierfür wurde ein junger, vielversprechender Cast gefunden, den die Weltraum-Legende in den ersten Folgen um sich schart. Die Mischung aus (sehr) alt und (sehr) jung weiß in den ersten drei Episoden jedenfalls schon zu gefallen. Ab Minute eins wird auch deutlich, dass "Picard" als ambitioniertes Projekt zu verstehen ist: Mehrere aufwändige Schauplätze, oft gewechselt und gerne mit Weitwinkelobjektiv besonders episch präsentiert - "Picard" sieht wunderschön aus.

Gekommen, um zu bleiben

Dreh- und Angelpunkt bleibt natürlich der titelgebende Star der Serie. Und was soll man sagen: Schon während "Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert" wunderten sich manche Zuschauer nicht schlecht, dass mit Patrick Stewart ein ungemein talentierter Theaterschauspieler für eine vermeintlich banale Sci-Fi-Serie gewonnen werden konnte.

Verlernt hat Stewart seither jedenfalls nichts, im Gegenteil: Mit dem Selbstverständnis einer jahrzehntelangen Karriere im Rücken kehrt Stewart als Sternenflottengröße zurück, so als sei er nie weg gewesen. Das Fazit nach den ersten Episoden fällt daher eindeutig aus: "Picard" dürfte mit doppelter Warp-Geschwindigkeit die Herzen der Fans erobern. Umso erfreulicher, dass bereits eine zweite Staffel bestätigt wurde.

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