05.11.2019, 08.48 Uhr

FC Bayern München: Hansi Flick und Hermann Gerland übernehmen Trainerposten von Niko Kovac

Kovac ist RAUS

Kovac ist RAUS Bild: picture alliance/Hasan Bratic/dpa

Jetzt sind beim FC Bayern München die Fußballstars auf dem Platz gefragt - und Hansi Flick. Als Interimscoach soll der langjährige Assistent von Joachim Löw nach dem abrupten Ende der Amtszeit von Niko Kovac den taumelnden deutschen Rekordmeister erfolgreich durch eine sehr herausfordernde Woche leiten.

FC Bayern München holt Hansi Flick für Niko Kovac nach Rücktritt

Am Mittwoch (18.55 Uhr) kann der 54-Jährige die Münchner mit einem Heimsieg gegen Olympiakos Piräus in der Champions League vorzeitig ins Achtelfinale führen. Drei Tage später kommt es wiederum in der heimischen Allianz Arena zum Bundesliga-Gipfel gegen Borussia Dortmund.

Eine deutliche Ansage an die Spieler kam vom Sportdirektor. "Ich erwarte jetzt von unseren Spielern eine positive Entwicklung und absoluten Leistungswillen", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

FC Bayern München in der Krise - FCB trennt sich von Coach Kovac

Das Alibi Kovac ist jedenfalls weg. Der 48 Jahre alte Kroate machte im Krisengespräch mit der Vereinsführung nach dem Tiefpunkt beim 1:5 in Frankfurt Platz für einen nun zu findenden Nachfolger. "Im gegenseitigen Einvernehmen" hätten sich Präsident Uli Hoeneß, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportchef Salihamidzic mit dem Double-Trainer der vergangenen Saison auf eine Trennung verständigt, teilte der Rekordmeister mit.

"Kovac hatte dem FC Bayern München seinen Rücktritt als Trainer angeboten", hieß es am Sonntagabend in der Vereinsmitteilung. "Die Ergebnisse und auch die Art und Weise, wie wir zuletzt gespielt haben, haben mich zu diesem Entschluss kommen lassen", wurde Kovac zitiert. Direkt nach der sportlichen Demontage durch die Eintracht am Samstag hatte er noch das Gegenteil verkündet: "Ich habe im letzten Jahr nicht aufgegeben und werde auch jetzt nicht aufgeben."

Neuer Cheftrainer für FC Bayern München gesucht

Aus Sicht der Vereinsführung bestand jedoch "Handlungsbedarf", wie Rummenigge betonte. Und der besteht weiterhin. Die Spieler müssen - nach einem trainingsfreien Montag - gegen Piräus und den BVB wieder ein den Bayern-Ansprüchen genügendes Gesicht auf dem Platz zeigen. Und die Führung um Rummenigge und den nach dem Dortmund-Spiel aus dem Präsidentenamt scheidenden Hoeneß muss mal wieder einen neuen Cheftrainer finden.

Wer wird Nachfolger von Niko Kovac bei Bayern München?

Erste Namen wurden öffentlich schon vor dem besiegelten Ende von Kovac gehandelt; von Ralf Rangnick über die vereinslosen und international namhaften José Mourinho und Massimiliano Allegri bis hin zu möglichen Kandidaten mit einer Bayern-Vergangenheit wie Erik ten Hag (erfolgreich bei Ajax Amsterdam) und Xabi Alonso, der von 2014 bis 2017 in München spielte und seit Saisonbeginn die zweite Mannschaft von Real Sociedad San Sebastian trainiert.

Hansi Flick soll den Bayern aus der Klemme helfen

Zunächst schlägt aber die Stunde von Hansi Flick. Er trug von 1985 bis 1990 das Bayern-Trikot und erweiterte im Sommer den Trainerstab von Kovac. Damit wurde Flick nun automatisch zum Mann für alle Fälle. Als enger Mitarbeiter und Vertrauter von Bundestrainer Löw hatte er einen erheblichen Anteil am deutschen WM-Triumph 2014 in Brasilien.

Jetzt fungiert der Mann, der niemals in den Vordergrund drängt, "bis auf Weiteres" als Münchner Nothelfer. Das Nothilfeprogramm gilt ausdrücklich erst einmal für die "wichtigen Spiele" gegen Piräus und Dortmund, wie der FC Bayern mitteilte. Aber je nachdem, wie Flick seine Chef-Premiere in Champions League und Bundesliga gestalten wird und wie die Münchner Bosse die Kovac-Nachfolge regeln wollen, könnte die Interimslösung auch in eine Verlängerung gehen.

Gerland unterstützt Flick und wird wieder Co-Trainer beim FC Bayern

Hermann Gerland übernimmt wieder den Co-Trainer-Posten beim FC Bayern München. Der 65-Jährige assistiert ab sofort Trainer Hansi Flick, der den deutschen Fußball-Rekordmeister "bis auf weiteres" betreut. "Hermann ist sehr erfahren. Er kennt die Mannschaft, er kennt die Abläufe, er kennt den gesamten FC Bayern. Deshalb war es mein Wunsch, mit ihm zusammenzuarbeiten", sagte Flick laut Mitteilung des Vereins vom Montag. Seit 2017 fungiert Gerland als sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums.

Im April 2009 wurde Gerland erstmals Co-Trainer der Profis und arbeitete unter Jupp Heynckes, Louis van Gaal, Carlo Ancelotti und Pep Guardiola in dieser Funktion. Von 1990 bis 1995, 2001 bis 2009 und 2010/11 war Gerland für die Amateure des FC Bayern zuständig.

Ten Hag sagt den Bayern ab: Bleibe "in dieser Saison bei Ajax"

Erik ten Hag hat als einer der Trainer-Kandidaten beim FC Bayern München ein kurzfristiges Engagement beim deutschen Fußballmeister ausgeschlossen. "Ich kann bestätigen, dass ich in dieser Saison bei Ajax bleiben werde. Ich fühle eine Verbindung zu den Spielern und zu vielen Leuten im Verein", sagte der Coach von Ajax Amsterdam am Montagabend auf einer Pressekonferenz in London. Ajax sei ein "fantastischer Verein". Die Niederländer spielen am Dienstagabend in der Champions League beim FC Chelsea.

Der 49 Jahre alte Niederländer ten Hag galt als ein Kandidat für die Nachfolge von Trainer Niko Kovac, von dem sich die Bayern am Sonntagabend getrennt hatten. Ten Hag kennt München aus seiner Zeit bei der zweiten Bayern-Mannschaft (2013-15). Er sorgte in der Vorsaison mit Amsterdam für Furore, als die Mannschaft nur knapp das Champions-League-Finale verpasste. Ten Hag ist vertraglich bis 2022 an Ajax gebunden.

Hoeneß zu Kovac-Trennung: "Keine schmutzige Wäsche mit Niko"

Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß ist mit dem Ablauf der Trennung des deutschen Rekordmeisters von Trainer Niko Kovac zufrieden. "Ich finde, wir haben das gut gemacht", sagte er am Montagabend in Hannover. Mit Kovac habe der Verein ein «prima Auskommen" gehabt und "ein gegenseitiges Einvernehmen" erzielt. "Es gibt keine schmutzige Wäsche mit Niko", betonte der 67-Jährige. "Ich habe heute noch mit ihm telefoniert. Es ist alles soweit okay." Er habe das Gefühl, dass Kovac von einem ungeheuren Druck befreit sei.

Der FC Bayern hatte sich am Sonntag von dem 48 Jahre alten kroatischen Trainer nach fast anderthalb Jahren getrennt. Einen Tag zuvor hatte der Club bei Eintracht Frankfurt mit 1:5 verloren.

In der Kovac-Nachfolge sieht Hoeneß den Verein nicht unter Druck. "Ich kann nicht sagen, wie das jetzt in den nächsten Wochen weitergeht. Das ist auch nicht so wichtig, weil wir jetzt drei Wochen Zeit haben, uns zu überlegen, wie wir damit umgehen", meinte er. "Ich denke, dass wir zum nächsten Auswärtsspiel in Düsseldorf in drei Wochen wissen, wie es mit der Trainerfrage weitergeht." Zuvor werde der Verein "in Ruhe" am Dienstag in der Champions League gegen Olympiakos Piräus spielen und am Samstag gegen Borussia Dortmund. In den beiden Partien wird die Mannschaft vom bisherigen Kovac-Assistenten Hansi Flick betreut.

Hoeneß äußerte sich am Rande einer Podiumsdiskussion mit Teresa Enke in Hannover anlässlich des bevorstehenden zehnten Todestages ihres Mannes Robert Enke. Der Nationaltorwart von Hannover 96 hatte sich am 10. November 2009 im Alter von 32 Jahren das Leben genommen. Bei der Veranstaltung wurde auch der Film "Robert Enke - auch Helden haben Depression" vorab gezeigt. Er läuft am kommenden Sonntag (23.45 Uhr) im NDR Fernsehen und soll später auch in der ARD gesendet werden.

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nbl/news.de/dpa