15.10.2019, 09.11 Uhr

Fußball-Nationalmannschaft : Can und Gündogan liken türkischen Kriegs-Post - Löw verteidigt sie

Ilkay Gündogan und Emre Can stehen wieder einmal im Blickpunkt.

Ilkay Gündogan und Emre Can stehen wieder einmal im Blickpunkt. Bild: dpa

Joachim Löw sieht nach dem schwierigen Sieg in Estland sowie der Aufregung um die Hauptdarsteller Ilkay Gündogan und Emre Can die EM-Teilnahme der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nicht mehr gefährdet. "Wir wollen und werden die letzten beiden Spiele gewinnen. Wir werden uns qualifizieren für die EM", sagte der Bundestrainer. Er nimmt trotz einer schwierigen Länderspielwoche "gute Erkenntnisse" mit Richtung Europameisterschaft 2020.

Ilkay Gündogan und Emre Can liken türkischen Militär-Post

Die deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Emre Can haben sich für ihre Reaktion auf ein umstrittenes Foto salutierender türkischer Fußballer verteidigt. "Glauben Sie mir: nach dem letzten Jahr ist das Letzte, was ich wollte, ein politisches Statement zu setzen", ließ der 28 Jahre alte Gündogan kurz vor seinem Startelf-Einsatz im EM-Qualifikationsspiel in Estland am Sonntagabend mitteilen.

Zuvor hatten sowohl Gündogan wie auch Can bei Instagram ein Foto mit einem sogenannten Like versehen, das türkische Fußballer zeigt, die nach Cenk Tosuns 1:0-Siegtor gegen Albanien mit der Hand an der Stirn salutieren. Der Militärgruß sei den bei der "Operation Friedensquelle" eingesetzten Soldaten gewidmet gewesen, teilte der türkische Fußballverband mit. Der türkische Militäreinsatz richtet sich gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien und wird international scharf kritisiert.

Gündogan und Can nehmen ihre Likes zurück

Gündogan und Can nahmen ihre Likes bei Instagram später wieder zurück. Er habe gehandelt, "ohne jegliche Intention und auf den Inhalt zu achten", sagte Can der "Bild"-Zeitung und fügte hinzu: "Ich bin ein absoluter Pazifist und gegen jede Art von Krieg."

Gündogan betonte, er habe sein Like für das umstrittene Bild "bewusst zurückgenommen", als er gesehen habe, dass seine Reaktion "politisch gewertet wurde. Wahr ist, dass ich mich für meinen ehemaligen Teamkollegen aus der DFB U21 gefreut habe, dass er das Siegtor gemacht hat." Im vergangenen Jahr war der Profi von Manchester City vor der WM wegen eines gemeinsamen Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in die Kritik geraten.

Löw verteidigt Gündogan und Can

Löw sieht in der Zustimmung für den Salut-Torjubel türkischer Nationalspieler auf "keinen Fall ein politisches Statement" seiner Spieler Gündogan und Can. "Wer beide Spieler kennt, der weiß, dass sie gegen Terror, gegen Krieg sind", sagte der Bundestrainer: "Beide wollten dem Spieler, mit dem sie mal zusammengespielt haben, einfach nur gratulieren." Löw hatte vor der Abfahrt ins Stadion von den Likes bei Instagram für ein Foto erfahren: "Ich habe auch erfahren, dass beide sofort ihre Likes weggenommen haben. Das beste Statement hat Ilkay auf dem Platz gegeben mit seinem Spiel. Er hat die Mannschaft in Unterzahl hervorragend geführt im Mittelfeld."

Auch DFB-Direktor Oliver Bierhoff warb um Nachsicht mit Gündogan und Can: "Ich sehe es nach den Aussagen der Spieler nicht so kritisch." Beide hätten mit ihren Likes keine politischen Absichten verfolgt. "Dass das so eine Dimension annimmt, konnte keiner erwarten", meinte der 51-Jährige. Auch viele andere Spieler auf der Welt hätten das Foto gut gefunden, betonte Bierhoff: "Jetzt kann man ja nicht allen unterstellen, dass sie für Krieg und Terror sind." Es wäre an der Zeit, Gündogan und Can "einfach mal ein bisschen Vertrauen zu schenken und daraus nicht solche Geschichten zu machen".

Folgen Sie News.de schon bei Facebook und YouTube? Hier finden Sie brandheiße News, aktuelle Videos, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

rut/news.de/dpa