01.08.2018, 09.59 Uhr

Özil-Rücktritt im News-Ticker:                  +++ 23.07.2018: DFB weist Rassismus-Vorwürfe zurück +++

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG, hat Mesut Özils Berater heftig kritisiert.

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG, hat Mesut Özils Berater heftig kritisiert. Bild: dpa

In seiner ersten Reaktion auf den Rücktritt von Mesut Özil hat der DFB die Rassismus-Vorwürfe "in aller Deutlichkeit" zurückgewiesen".Hier der Wortlaut in Auszügen:

Zur Leistung Özils für die Nationalmannschaft:

"Er hat eine erfolgreiche Ära mitgeprägt, auf und gerade auch neben dem Platz. Er hatte entscheidenden Anteil daran, dass Deutschland 2014 in Brasilien Weltmeister geworden ist. Deshalb ist und bleibt der DFB Mesut Özil für seine herausragenden Leistungen im Trikot der deutschen Nationalmannschaften sehr dankbar."

Zu den Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan:

"Die Bilder mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan haben (...) bei vielen Menschen in Deutschland Fragen aufgeworfen. Dass der DFB im Umgang mit dem Thema dazu auch einen Beitrag geleistet hat, räumen wir selbstkritisch ein. Und dass Mesut Özil das Gefühl hatte, als Ziel rassistischer Parolen gegen seine Person nicht ausreichend geschützt worden zu sein, wie es bei Jerome Boateng der Fall war, bedauern wir. Es war aber wichtig, dass Mesut Özil, wie vor ihm bereits Ilkay Gündogan, mit Blick auf dieses Foto Antworten gibt, unabhängig vom sportlichen Ausgang des Turniers in Russland. Im DFB gewinnen und verlieren wir zusammen, alle, als ein Team."

Zu den Rassismus-Vorwürfen gegen den DFB:

"Dass der DFB mit Rassismus in Verbindung gebracht wird, weisen wir aber mit Blick auf seine Repräsentanten, Mitarbeiter, die Vereine, die Leistungen der Millionen Ehrenamtlichen an der Basis in aller Deutlichkeit zurück. Der DFB engagiert sich seit vielen Jahren in hohem Maße für die Integrationsarbeit in Deutschland."

"Der DFB bedauert den Abschied von Mesut Özil aus der Nationalmannschaft. Das ändert aber nichts an der Entschlossenheit des Verbandes, die erfolgreiche Integrationsarbeit weiter konsequent und aus tiefer Überzeugung fortzusetzen."

+++ 23.07.2018: AfD: Özil ist Beispiel für gescheiterte Integration +++

Die AfD sieht den Rücktritt von Mesut Özil als Beleg für Integrationsprobleme. "Mit seiner Abschiedstirade erweist sich Mesut Özil leider als typisches Beispiel für die gescheiterte Integration von viel zu vielen Einwanderern aus dem türkisch-muslimischen Kulturkreis", sagte die Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Alice Weidel, am Montag.

Dass sich Özil in der schriftlichen Stellungnahme zu seinem Rücktritt als Opfer von Rassismus dargestellt habe, sei "unehrlich und absurd", erklärte Partei-Vize Georg Pazderski. "Er hat schlicht Mist gebaut, als er sich mit dem türkischen Präsidenten Erdogan ablichten ließ", fügte er hinzu. Die berechtigte Kritik an dieser Aktion als Rassismus abzutun, sei falsch. Özil sei offensichtlich nicht fähig zur Selbstkritik.

+++ 23.07.2018: Angela Merkel äußert sich zum Özil-Rücktritt +++

Am Montagvormittag äußerte sich auch erstmals Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Fall Mesut Özil. Durch ihre Sprecherin Ulrike Demmer ließ die Kanzlerin mitteilen:"Die Bundeskanzlerin schätzt Mesut Özil sehr. Mesut Özil ist ein toller Fußballspieler, der viel für die Fußball-Nationalmannschaft geleistet hat. Mesut Özil hat jetzt eine Entscheidung getroffen, die zu respektieren ist." Der Sport trage viel zur Integration in Deutschland bei, sagte die Sprecherin weiter. "Deutschland ist ein weltoffenes Land und die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ist eine Schlüsselaufgabe der Bundesregierung." Das Verhalten des DFB in der Causa Özil wollte Merkel nicht kommentieren, heißt es bei "Focus Online".

Eine Sprecherin von Innenminister Horst Seehofer, der auch für Sport zuständig ist, reagierte zurückhaltend. "Zu der Angelegenheit Özil hat der Minister schon mehrfach gesagt - das Thema ist ja nicht neu - dass er sich in diese internen Angelegenheiten nicht einmischen möchte."

+++ 23.07.2018: 1. Özil-Foto nach dem Rücktritt - HIER strahlt er bis über beide Ohren +++

Während Mesut Özil am Sonntagabend seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärte, saß er bereits in derBusiness Class einer Boeing 777. Von London ging es für den Mittelfeldmann gemeinsam mit seiner Mannschaft, dem FC Arsenal, in Richtung Singapur. Der Londoner Club trifft bei seinem Gastspiel in dem südostasiatischen Stadtstaat beim International Champions Cup auf Atlético Madrid und Paris Saint-Germain. Sonderlich traurig wirkte der Arsenal-Profi nach seinem Rücktritt jedoch nicht. Mit Kopfhörern um den Hals schlendert Mesut Özil strahlend um den Mannschaftsbus seines Vereins. Auch während des Flugs von London nachSingapur zeigte sich der Fußballer sichtlich happy im Flieger mit seinen Mannschaftskollegen.

Das umstrittene Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan.

Das umstrittene Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. Bild: dpa / Pool Presdential Press Service/AP

+++ 23.07.2018: "Habertürk": Deutschland muss sich bei Özil entschuldigen +++

Nach dem Rücktritt von Mesut Özil aus der deutschen Nationalmannschaft hat die türkischen Zeitung "Habertürk" in einem Kommentar die Ansicht vertreten, Deutschland müsse sich bei dem Fußballer entschuldigen. "Ein Land kann nicht so treulos sein", schreibt der Sportkommentator des regierungsnahen Blatts, Halil Özer, am Montag.

"In das Land, in dem er (Özil) Fußball spielt, kommt ein Staatsmann seiner ursprünglichen Heimat - der Präsident - und natürlich kann sich Mesut mit ihm fotografieren lassen. Was ist natürlicher als das? Wenn Mesut an diesem Punkt angelangt ist, dann stellt Euch nur den Druck vor, der auf ihn ausgeübt wurde. Nicht Mesut, sondern die Deutschen haben die Politik in den Sport gemischt. Mesut hat getan, was richtig ist. Und ich denke, Deutschland muss sich bei Mesut entschuldigen."

Sein "Habertürk"-Kollege Serdar Ali Celikler schreibt, das Ziel, Mesut Özil aus der deutschen Nationalmannschaft zu drängen, sei erreicht worden. Der "rassistische Kopf", der in Deutschland noch immer im Hintergrund agiere, habe Özil "regelrecht zu dieser Entscheidung gezwungen".

+++ 23.07.2018: Ex-DFB-Pressechef Harald Stenger wettert gegen Grindel +++

Bundestrainer Jogi Löw und Mesut Özil hatten stets ein gutes Verhältnis.

Bundestrainer Jogi Löw und Mesut Özil hatten stets ein gutes Verhältnis. Bild: dpa

Nach den schweren Vorwürfen von Mesut Özil teilte nun auch Ex-DFB-Pressechef Harald Stenger heftig gegen den DFB-Boss Reinhard Grindel aus. Im ARD-Morgenmagazin wetterte Stenger: "Ich kenne die DFB-Präsidenten seit Jahren sehr gut und kann sagen: Reinhard Grindel ist der schlechteste Präsident in den letzten 50 Jahren." Für Stenger ist der CDU-Politiker an der Spitze des DFB nicht mehr tragbar. Zuvor hatte der67-Jährige bereits beim Sport-Sender Sky heftig gegen Grindel ausgeteilt:"Das Problem von Reinhard Grindel war, dass er es nicht geschafft hat, von Anfang an eine klare Linie zu ziehen. Er hat immer nur rumgeeiert und wollte das alles aussitzen. Es war alles nur populistisch und so kann man einfach keinen Verband führen", prangerte Stenger in Bezug auf die Causa Özil an.

Dieser hatte nach 92 Spielen im Nationaltrikot am Sonntagabend über Twitter seinen Rücktritt erklärt. Er begründete dies auch mit Rassismus innerhalb des DFB. Zugleich warf er Grindel vor, dass dieser ihn zum "Sündenbock" für das schlechte Abschneiden bei der WM machen wolle. "Wenn er ehrlich ist, muss er sehen, dass seine Zeit als DFB-Präsident abgelaufen ist", sagte Journalist Stenger über Grindel.

+++ 23.07.2018: Uli Hoeneß attackiert Özil:"Der hat seit Jahren einen Dreck gespielt!" +++

Rumms! Nach dem Rücktritt von Mesut Özil donnert Bayern-Präsident Uli Hoeneß in der "Bild"-Zeitung mit ordentlich Krawall. "Ich bin froh, dass der Spuk vorbei ist. Der hat seit Jahren einen Dreck gespielt. Den letzten Zweikampf hat er vor der WM 2014 gewonnen.", erklärt er dem Blatt zufolge. Für Hoeneß ist laut "Bild" klar: "Seine 35 Millionen Follower-Boys, die es natürlich in der wirklichen Welt nicht gibt, kümmern sich darum, dass er überragend gespielt hat, wenn er einen Querpass an den Mann bringt."

Seine Zusammenfassung: "Und sportlich hat Özil seit Jahren nichts in der Nationalmannschaft verloren!"

+++ 23.07.2018: Theo Zwanziger bedauert den Rücktritt von Mesut Özil aus der DFB-Elf +++

Den Rücktritt von Mesut Özil macht ihn "tief traurig". Durch den Entschluss des türkischstämmigen Weltmeisters von 2014 befürchtet er im Interview der Deutschen Presse-Agentur Folgen, die über den Fußball hinaus gehen. Beim DFB sieht er Fehler in der Kommunikation. "Durch Fehler in der Kommunikation ist etwas passiert, das bei Migranten nie passieren darf: Sie dürfen sich nie als Deutsche zweiter Klasse fühlen." Weiter erklärt er: "Wenn dieser Eindruck entsteht, muss man gegensteuern. Ich kenne Reinhard Grindel und Oliver Bierhoff gut genug, um sagen zu können, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass sie eine solche Situation bewusst herbeiführen würden. Ich sage einmal so, ich glaube, bei (dem früheren DFB-Pressesprecher) Harald Stenger wäre das nicht passiert.

Die Reaktionen auf den Özil-Rücktritt gibt es hier!

+++ 23.07.2018: Özil-Rücktritt mit Rassismus-Vorwürfen: DFB unter Druck +++

Mit beispiellosen Rassismus-Vorwürfen gegen die DFB-Führung hat sich Mesut Özil aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zurückgezogen. Doch die Debatte ist nicht nur für den Deutschen Fußball-Bund heikel. Unterstützung bekommt Özil aus Ankara.Özils Entscheidung sei "für die Integrationsbemühungen in unserem Land über den Fußball hinaus ein schwerer Rückschlag", sagte der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger der Deutschen Presse-Agentur. Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) sprach von einem "Alarmzeichen, wenn sich ein großer, deutscher Fußballer wie Mesut Özil in seinem Land wegen Rassismus nicht mehr gewollt und vom DFB nicht repräsentiert fühlt". SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel appellierte "an alle Bürgerinnen und Bürger mit unterschiedlichen Wurzeln: Wir gehören zusammen und wir akzeptieren Rassismus never ever."

Während sich der DFB zunächst nicht zu Özils Aussagen äußerte, warteten türkische Regierungspolitiker mit großem Lob auf. "Wir unterstützen die ehrenhafte Haltung unseres Bruders Mesut Özil von Herzen", erklärte Sportminister Mehmet Kasapoglu. Justizminister Abdulhamit Gül gratulierte dem gebürtigen Gelsenkirchener mit türkischen Wurzeln, weil dieser mit seinem Rücktritt das "schönste Tor gegen den faschistischen Virus geschossen" habe. Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin begrüßte Özils Aussage, dass er den türkischen Präsidenten wieder treffen würde.

Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Mesut Özil strahlt bei der Ankunft in Singapur. 

Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Mesut Özil strahlt bei der Ankunft in Singapur.  Bild: dpa

+++ 22.07.2018: Özil tritt aus Nationalelf zurück +++

"Mit schwerem Herzen und nach langer Überlegung werde ich wegen der jüngsten Ereignisse nicht mehr für Deutschland auf internationaler Ebene spielen, so lange ich dieses Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit verspüre", schrieb Özil. Er fühle sich vom Deutschen Fußball-Bund und vor allem dessen Präsident Grindel schlecht behandelt. "Ich werde nicht länger als Sündenbock dienen für seine Inkompetenz und seine Unfähigkeit, seinen Job ordentlich zu erledigen", betonte Özil an die Adresse von Grindel.

In den Reihen des DFB will Özil fremdenfeindliche Tendenzen erkannt haben. "Leute mit rassistisch diskriminierendem Hintergrund sollten nicht länger im größten Fußballverband der Welt arbeiten dürfen, der viele Spieler aus Familien verschiedener Herkunft hat", forderte Özil, der viele Millionen Follower über die sozialen Netzwerke erreicht. Vom DFB gab es bis zum Abend keine Reaktion.

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