24.03.2021, 13.11 Uhr

Ausgangssperre statt Lockerungen: Hunderte Kreise betroffen! Wo könnte der Lockdown härter werden?

Bundeskanzlerin Angela Merkel plant offenbar die Einführung von nächtlichen Ausgangssperren in Regionen mit höherer Sieben-Tage-Inzidenz.

Bundeskanzlerin Angela Merkel plant offenbar die Einführung von nächtlichen Ausgangssperren in Regionen mit höherer Sieben-Tage-Inzidenz. Bild: picture alliance/dpa/AP POOL | Markus Schreiber

So verlockend die Aussichten auf weniger strenge Corona-Regeln, die Öffnung des Einzelhandels und Reisemöglichkeiten zu Ostern auch sein mögen: Über die Feiertage bleibt der Lockdown in Deutschland hart. Angesichts nicht sinken wollender Corona-Neuinfektionen und steigender Inzidenzen ist eine Verschärfung der aktuellen Kontaktbeschränkungen wahrscheinlich - sogar von einer nächtlichen Ausgangssperre ist die Rede!

Ausgangssperre statt Lockdown-Lockerung: Merkel kündigt Ausgangsverbot bei hoher Inzidenz an

Auf dem Tisch lag zusätzlich der Vorschlag schärferer Kontaktbeschränkungen oder nächtlicher Ausgangsbeschränkungen in Regionen mit einer Inzidenz von über 100.Den aktuellen Infektionszahlen des Robert-Koch-Institutes zufolge würde dies derzeit 188 Landkreise in Deutschland betreffen, abzusehen ist, dass auch weitere Regionen die 100er Marke zeitnah überschreiten. Knapp 38 Millionen Bundesbürger wären nach aktuellem Stand von nächtlichen Ausgangssperren betroffen - schon vor dem Ministerpräsidentengipfel regte sich Empörung in den sozialen Netzwerken.

Zoff vorprogrammiert! Ministerpräsidentenkonferenz berät zu möglicher Ausgangssperre

Dass dieser Punkt in der Ministerpräsidentenkonferenz zu hitzigen Diskussionen führen würde, zeichnet sich bereits im Vorfeld ab. Seitens der SPD gab es bereits reichlich Skepsis gegen eine mögliche Ausgangssperre, Sozialdemokraten wie Olaf Scholz oder Lars Klingbeil kündigten im Vorfeld der Beratungen an, die SPD wolle sich gegen nächtliche Ausgangsverbote stemmen. Vielmehr forderten die Sozialdemokraten, dass Kommunen mit höheren Inzidenzen selbst entscheiden sollten, inwiefern eine Ausgangssperre praktikabel sei.

Lauterbach: Ausgangssperre ist letztes Mittel - Lindner dagegen

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält eine nächtliche Ausgangssperre zur Eindämmung der Corona-Pandemie noch nicht für zwingend notwendig. Bei weiterhin rasant steigenden Fallzahlen dürfte sie aber kaum zu vermeiden sein, warnte der studierte Epidemiologe am Sonntagabend bei "Bild live". Grund dafür sei, dass die sich ausbreitende Corona-Mutation B.1.1.7 auf einen Monat betrachtet "vier- bis achtmal so ansteckend" sei wie das bisherige Virus.

"Bisher ist es keinem Land gelungen, die viel schnellere Pandemie mit dieser Mutation in den Griff zu bekommen, ohne dass es Ausgangsbeschränkungen im Lockdown gegeben hätte", sagte Lauterbach. Gleichwohl müsse klar sein: "Ausgangsbeschränkungen sind die Ultima Ratio, man muss versuchen, das zu verhindern." Die einzige Chance dazu biete ein "sehr strenges Testkonzept" mit zwei Tests pro Woche in allen Schulen und Betrieben. Die Kapazitäten hierfür würden "gerade fieberhaft aufgebaut".

FDP-Chef Christian Lindner lehnt Ausgangssperren zur Eindämmung der Pandemie hingegen grundsätzlich ab. Er sagte bei "Bild live": "Ich halte Ausgangsbeschränkungen immer für unverhältnismäßig, für eine zu scharfe Freiheitseinschränkung." Außerdem seien sie selbst aus Gründen des Infektionsschutzes nicht unbedingt sinnvoll: "Wenn sich Angehörige eines Haushalts draußen an der frischen Luft bewegen, sehe ich keinen Grund, ihnen das zu untersagen."

Folgen Sie News.de schon bei Facebook und YouTube? Hier finden Sie brandheiße News, aktuelle Videos, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

loc/news.de/dpa