04.12.2020, 14.32 Uhr

Coronavirus-News aktuell: Bangen um Weihnachten! Regierung schließt weiteren Corona-Gipfel nicht aus

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten haben einen weiteren Corona-Gipfel vor Weihnachten nicht ausgeschlossen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten haben einen weiteren Corona-Gipfel vor Weihnachten nicht ausgeschlossen. Bild: dpa

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 23.449 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Damit liegt der Wert knapp über den 22.806 Fällen der Vorwoche, wie aus den RKI-Zahlenvom Freitagmorgen hervorgeht.

Coronavirus-News in Deutschland aktuell

Alle aktuellen Entwicklungen und News zum Thema Coronavirus in Deutschland erfahren Sie hier in unserem Ticker.

+++ Spahn: Trotz weniger Impfstoff erste Impfungen zum Jahreswechsel +++

Auch die EU und damit Deutschland werden nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) davon betroffen sein, dass der Pharmakonzern Pfizer zunächst weniger Corona-Impfstoff ausliefern kann. "Das führt dazu, dass alle, die unter den Erstadressaten der Lieferungen sind, ob das Großbritannien, die USA oder die Europäische Union ist, jetzt mit weniger Impfdosen in den ersten Wochen zu rechnen haben", sagte Spahn am Freitag in Berlin. "Gleichwohl wird es, Stand heute, wenn die Zulassung erfolgt, mit dem Jahreswechsel erste Impfungen in Deutschland geben können", fügte er hinzu.

Der US-Konzern Pfizer hatte zusammen mit dem deutschen Hersteller Biontech aus Mainz einen Corona-Impfstoff entwickelt. In Großbritannien ist dieser bereits zugelassen, in der EU und den USA noch nicht. Das könnte aber noch im Dezember passieren.

+++ Erstmals mehr als 4000 Corona-Patienten auf der Intensivstation +++

Die Zahl der Corona-Patienten auf deutschen Intensivstationen hat erstmals die Schwelle von 4000 überschritten. Am Freitag meldete die Deutsche Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) 4011 Menschen in intensivmedizinischer Behandlung. Das waren 31 mehr als am Vortag, wie aus dem DIVI-Tagesbericht hervorgeht. 60 Prozent der Patienten werden invasiv beatmet (Stand: 04.12., 12.15 Uhr).

Die angegebene Zahl der freien Intensivbetten war in den vergangenen Wochen deutlich gesunken. Sie liegt laut Divi-Bericht ohne Notfallreserve aktuell bei rund 5000.

+++ Regierung: Corona-Impfung wird kostenlos sein +++

In Deutschland werden nach Angaben der Bundesregierung alle, die sich gegen Corona impfen lassen wollen, Anspruch auf eine kostenlose Impfung erhalten. "Die Impfung wird kostenlos sein, egal ob und wie jemand versichert ist", sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Freitag in Berlin. Regierungssprecher Steffen Seibert wiederholte noch einmal, dass die Impfung freiwillig sein werde. Er kündigte eine "sehr umfangreiche" Informationskampagne der Regierung zu allen Fragen der Impfung an. Man hoffe, damit sehr viele Menschen überzeugen zu können. Pläne, Menschen dafür zu bezahlen, sich impfen zu lassen, gebe es nicht, sagte Seibert auf eine entsprechende Nachfrage.

+++ Weiterer Corona-Gipfel vor Weihnachten nicht ausgeschlossen +++

Für den Fall weiter steigender Infektionszahlen ist ein weiterer Corona-Gipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten in diesem Jahr nicht ganz ausgeschlossen. Regierungssprecher Steffen Seibert verwies am Freitag in Berlin auf die Vereinbarung, dass eigentlich erst am 4. Januar über das weitere Vorgehen beraten werden soll. Er betonte allerdings auch: "Ganz grundsätzlich ist es natürlich immer möglich, dass auch kurzfristig Bund-Länder-Konferenzen einberufen werden."

Gleichzeitig rief Seibert dazu auf, verantwortungsvoll mit den beschlossenen Lockerungen zu Weihnachten umzugehen. Die vereinbarten Sonderregeln für die Feiertage seien keine Aufforderung, diese Möglichkeiten komplett auszuschöpfen. Jeder müsse sich überlegen: "Wie verhindern wir, dass aus einem Familienfest, aus einem Weihnachtsfest eine Infektionsquelle wird?" Über Weihnachten werden die Kontaktbeschränkungen in den meisten Bundesländern aufgeweicht: Bei Familienfeiern dürfen dann bis zu zehn Menschen plus Kinder bis 14 Jahren zusammenkommen.

+++ Bundesregierung hält Corona-Massentests nicht für sinnvoll +++

Während Österreich zur Eindämmung der Corona-Pandemie jetzt auch auf Massentests setzt, geht Deutschland einen anderen Weg. Bund und Länder stützten sich bei ihrer Test-Strategie auf eine "sehr ausdifferenzierte Empfehlung" des Robert Koch-Instituts, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Freitag in Berlin.

Diese sehe vor, dass man gezielt teste und nicht in der Fläche. Virologen und andere Experten hätten der Bundesregierung versichert, dass Massentests wenig Aussagekraft hätten. Es sei besser, "immer dort hinzugehen, wo Infektionsfälle auftreten". In der Hauptstadt Wien und einigen anderen Regionen Österreichs haben am Freitag freiwillige Massentests begonnen. Die Kapazität liegt in Wien bei bis zu 150 000 Tests pro Tag. Ziel der österreichischen Regierung ist es, durch die vielen Tests besonders auch symptomfreie Infizierten zu entdecken, um so Infektionsketten zu durchbrechen. Massentests gab es zuvor bereits in anderen Staaten wie der Slowakei oder Regionen.

+++ Virologe Kekulé: Lockdown-Verlängerung nicht sinnvoll +++

Der Virologe Alexander Kekulé hält die Verlängerung des Teil-Lockdowns für nicht sinnvoll. Maßnahmen gegen das Virus wirkten am stärksten, wenn sie gerade beschlossen würden, sagte Kekulé im Podcast von MDR-Aktuell. Durch das Aufrechterhalten der gleichen Maßnahme würde man in der Regel keine stärkere Bremsung hinkriegen.

Nach Ansicht Kekulés kam die Entscheidung für die Verlängerung bis zum 10. Januar überraschend. Für ihn hätte es zwei Optionen gegeben: entweder ein Abwarten bis kurz nach Silvester oder ein sofortiges Nachjustieren. "Dann muss man aber jetzt schärfere Maßnahmen ergreifen und nicht bis 11. Januar warten", sagte er.

Virologe Alexander Kekulé hält eine Lockdown-Verlängerung für nicht sinnvoll.

Virologe Alexander Kekulé hält eine Lockdown-Verlängerung für nicht sinnvoll. Bild: dpa

+++ Corona-Selbsttests: Ärzte warnen vor "trügerischer Sicherheit" +++

Niedergelassene Ärzte wenden sich gegen selbstdurchgeführte Corona-Schnelltests und warnen vor Gefahren. Durch Selbsttests erhöhen sich die Rate an falsch-negativen Tests und die Gefahr von Superspreadern, hieß es am Freitag in einer Mitteilung des Virchowbundes, der die Interessen der Haus- und Fachärzte vertritt. Abstriche auf das Coronavirus könnten nur durch geschultes Fachpersonal durchgeführt werden. "Es wäre fatal, wenn Menschen nach einem fehlerhaften Selbstabstrich ein falsch-negatives Ergebnis erhalten und sich dadurch in trügerischer Sicherheit wiegen. Das gefährdet Menschenleben, anstatt sie zu schützen." Hintergrund ist eine Debatte über Selbsttests an Schulen und Kitas.

+++ Spahn: Corona-Maßnahmen an Infektionsdynamik vor Ort anpassen +++

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich für schärfere Regeln in besonders von Corona betroffenen Regionen ausgesprochen. "Da, wo es hohe Infektionszahlen gibt in Deutschland, braucht es aus meiner Sicht unbedingt zusätzliche einschränkende Maßnahmen zur Kontaktreduzierung», sagte Spahn am Freitag im ZDF-"Morgenmagazin".

In einigen Bundesländern seien zwar schon Erfolge sichtbar, dennoch gebe es nach wie vor Landkreise mit sehr hohen Infektionszahlen, in denen stärkere Einschränkungen notwendig seien. "Damit wir Akzeptanz behalten, muss das eben auch nach der Infektionsdynamik vor Ort entschieden werden", sagte Spahn. Die Zahl der Todesfälle sei zu hoch und die Infektionszahlen müssten weiter verringert werden.

Mit Blick auf Weihnachten appellierte Spahn erneut an die Eigenverantwortung der Menschen. "Es liegt am Ende an uns allen", sagte er. Was Deutschland bisher gut durch die Krise gebracht habe, war die Tatsache, dass Bürgerinnen und Bürger aufeinander aufgepasst hätten. An den Weihnachtstagen alles auszunutzen, was erlaubt ist, sei nicht sinnvoll, sagte Spahn.

+++ Coronavirus-News aktuell: 432 Tote an einem Tag - R-Wert steigt wieder +++

Mit 432 neuen Todesfällen binnen eines Tages wurde der dritthöchste Stand seit Beginn der Pandemie gemeldet. Der bisherige Höchstwert von 487 Todesfällen war am Mittwoch erreicht worden. In der Tendenz war die Zahl der täglichen Todesfälle zuletzt nach oben gegangen, was nach dem steilen Anstieg bei den Neuinfektionen auch erwartet wurde.Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg am Freitag auf 18.034.

+++ Coronavirus in Deutschland: R-Wert steigt wieder +++

Das RKIzählt in Deutschland seit Beginn der Pandemie 1.130.238 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 (Stand: 04.12., 00.00 Uhr). Nach Schätzungen sind rund 820.600 Menschen inzwischen genesen. Der sogenannte Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Donnerstag bei 0,94 (Vortag: 0,89). Das heißt, dass 100 Infizierte rechnerisch 94 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt der Wert für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

+++ Kubicki hält Ermittlung der Corona-Inzidenzwerte für unseriös +++

Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki hat das Ausrichten der staatlichen Corona-Maßnahmen an den Inzidenzwerten für Neuinfektionen kritisiert und deren seriöses Zustandekommen in Frage gestellt. Kubicki bezog sich auf die Antwort des Gesundheitsministeriums auf seine Anfrage zu den Schwankungen bei der Zahl der Corona-Testungen. Er wollte wissen, ob die Regierung oder das Robert Koch-Institut Berechnungen vornimmt, die diese berücksichtigen, so dass eine um den Schwankungsfaktor bereinigte Darstellung der Neuinfektionsrate und Inzidenzwerte über die vergangenen Monate möglich sei.

Das Gesundheitsministerium wies in seiner Antwort darauf hin, dass "die Einflüsse auf die erfassten Fallzahlen heterogen und vielfältig sowie im Zeitverlauf und in der regionalen Verteilung nicht stabil" seien. "Eine Korrektur der Fallzahlen ist daher nicht möglich", heißt es in dem Schreiben. Die epidemiologische Lage in Deutschland könne aber dennoch verlässlich beurteilt werden, da die Erfassung der Fallzahlen durch Studien und weitere Informationen ergänzt werde. Kubicki nannte dieses Vorgehen "nicht nur politisch bemerkenswert, sondern vor allem auch rechtlich fraglich".

"Diese Zahlen müssen also seriös ermittelt sein und im tatsächlichen Zusammenhang mit dem Infektionsgeschehen stehen und nicht der Zufälligkeit oder gar der Willkür unterliegen", betonte der FDP-Politiker. Das sei ganz offensichtlich nicht gewährleistet, wie das Gesundheitsministerium einräume.

Wolfgang Kubicki hat das Ausrichten der Corona-Maßnahmen an den Inzidenzwerten kritisiert.

Wolfgang Kubicki hat das Ausrichten der Corona-Maßnahmen an den Inzidenzwerten kritisiert. Bild: dpa

+++ Pfizer halbiert Auslieferungsziel für Corona-Impfstoff +++

Der Pharmakonzern Pfizer hat das Auslieferungsziel bei seinem Corona-Impfstoff in diesem Jahr nach eigenen Angaben unter anderem wegen Verzögerungen beim Ausbau der Lieferkette halbieren müssen. Der Ausbau dauere länger als angenommen, sagte eine Sprecherin des Unternehmens dem "Wall Street Journal". Außerdem hätten die Ergebnisse der klinischen Studie später vorgelegen als ursprünglich gedacht.

Der Zeitung zufolge hielt Pfizer noch bis Mitte November intern an dem Ziel fest, bis Ende dieses Jahres 100 Millionen Impfdosen auszuliefern. Zuletzt sprach das Unternehmen allerdings schon von 50 Millionen Dosen. Für das kommende Jahr bleibe es bei der ursprünglichen Planung zur Auslieferung von mehr als einer Milliarde Impfstoff-Dosen, schrieb die Zeitung weiter. Wer sich impfen lässt, braucht zwei Dosen, um geschützt zu sein. Pfizer entwickelte den Impfstoff zusammen mit dem deutschen Hersteller Biontech aus Mainz.

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rut/news.de/dpa
Themen: Coronavirus