06.11.2020, 17.11 Uhr

Coronavirus News aktuell: Bundesregierung stuft ganz Italien als Corona-Risikogebiet ein

Mehr als 21.000 Neuinfektionen an einem Tag. das sind die Corona-Zahlen von Freitag.

Mehr als 21.000 Neuinfektionen an einem Tag. das sind die Corona-Zahlen von Freitag. Bild: picture alliance/Daniel Bockwoldt/dpa

Erstmals sind in Deutschland mehr als 20000 neue Infektionen mit dem Coronavirus innerhalb eines einzigen Tages registriert worden. Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 21506 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Dies geht aus Angaben des RKI vom Freitagmorgen hervor. Am Freitag vor einer Woche hatte die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen bei 18681 gelegen.

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Coronavirus-News aktuell: Mehr als 11.000 Corona-Tote in Deutschland

Insgesamt haben sich dem RKI zufolge seit Beginn der Pandemie bundesweit 619089 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert (Stand: 06. 11., 00.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg bis Freitag um 166 auf insgesamt 11 096. Das RKI schätzt, dass rund 402 500 Menschen inzwischen genesen sind.

Reproduktionszahl R-Wert sinkt weiter auf 0,79, Sieben-Tage-R liegt laut RKI bei 0,93

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag in Deutschland laut RKI-Lagebericht vom Donnerstagabend bei 0,79 (Vortag: 0,81). Das heißt, dass zehn Infizierte im Mittel etwa acht weitere Menschen anstecken. Liegt der Wert für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Um in eine kontrollierbare Lage zu kommen, müsste die Reproduktionszahl längere Zeit deutlich unter 1 liegen, bei 0,7 oder noch niedriger.

Das RKI gibt auch ein sogenanntes Sieben-Tage-R an, der das Geschehen von vor 8 bis 16 Tagen zeigt. Dieser Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen von Donnerstag liegt er bei 0,93, also ebenfalls leicht unter 1.

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+++ Bundesregierung stuft ganz Italien als Corona-Risikogebiet ein +++

Wegen dramatisch steigender Infektionszahlen stuft die Bundesregierung ganz Italien ab Sonntag als Corona-Risikogebiet ein. Zudem wurden am Freitag das gesamte portugiesische Festland, fast ganz Schweden sowie Dänemark mit Ausnahme der Inseln Grönland und Färöer auf die vom Robert Koch-Institut (RKI) geführte Risikoliste gesetzt. Auch ganz Nordgriechenland und die Provinz um Athen sowie einzelne Regionen in Estland, Lettland, Litauen und Norwegen kommen hinzu.

Damit gibt es kein Land mehr in Europa ohne Risikogebiet. Bis auf zwei kleine Gemeinden in Österreich ist nun auch das komplette Grenzgebiet zu Deutschland in den neun Nachbarländern betroffen.

Die Einstufung als Risikogebiet und die damit automatisch verbundenen Reisewarnungen des Auswärtigen Amts bedeuten zwar kein Reiseverbot, sollen aber eine möglichst große abschreckende Wirkung auf Touristen haben. Das Gute für Urlauber: Sie können bereits gebuchte Reisen stornieren, wenn ihr Ziel zum Risikogebiet erklärt wird. Das Schlechte: Rückkehrer aus den Risikogebieten müssen derzeit bis zu 14 Tage in Quarantäne, können sich aber durch einen negativen Test davon vorzeitig befreien lassen.

+++ Merkel mit neuem Dialogformat mit Bürgern in Corona-Zeiten +++

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sucht angesichts der Kontaktbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie mit einem neuen digitalen Dialogformat einen Gedankenaustausch mit Bürgern. Unter dem Titel "Die Bundeskanzlerin im Gespräch" wolle die Kanzlerin an die Tradition von Bürgerdialogen anknüpfen, kündigte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin an. Es seien vier dieser Veranstaltungen geplant, bei denen jeweils eine gesellschaftliche Gruppe in den Blickpunkt genommen werde. Zum Auftakt soll es am 12. November ein Gespräch mit Auszubildenden und Ausbildern geben.

Es würden ein Bürgerdialog zum Komplex Pflege mit Pflegebedürftigen, pflegenden Angehörigen und Pflegekräften folgen sowie je eine Veranstaltung mit Polizistinnen und Polizisten sowie mit Studentinnen und Studenten, sagte Seibert. Bei dem Format solle es darum gehen, wie sich Ausbildung, Pflege, Polizeidienst oder Studium in Folge der Pandemie verändert hätten

+++ Kramp-Karrenbauer verbringt Corona-Quarantäne im Ministerium +++

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) verbringt ihre bis zum Wochenende vorsorglich angetretene Corona-Quarantäne im Büro. Die Ministerin nutze dafür ein Seitenzimmer für die Übernachtung und steuere ihr Ressort weiter vom nun isolierten Arbeitsplatz, berichtet der "Spiegel".

Ein Sprecher des Ministeriums sagte dazu am Freitag, Kramp-Karrenbauer wohne - wie ihre Vorgängerin Ursula von der Leyen - während der Zeit in Berlin im Ministerium. Sie sei in Berlin über einen Kontakt zu einem Infizierten informiert worden und habe deswegen auf eine Heimfahrt nach Saarbrücken verzichtet. Der Zeitschrift "Gala" hatte Kramp-Karrenbauer im September gesagt: "Ich habe ein Zimmer im Ministerium, das kleiner ist als früher mein Jugendzimmer, aber es reicht mir."

Das Ministerium hatte am Montag mitgeteilte, dass im privaten Umfeld der CDU-Politikerin eine Person positiv auf das Coronavirus getestet worden sei, ein Test bei der Ministerin aber ein negatives Ergebnis gebracht habe. Den Kontakt habe es acht Tage zuvor gegeben.

+++ Mecklenburg-Vorpommern: Corona-Impfzentren bis Mitte Dezember +++

Mecklenburg-Vorpommern plant, bis Mitte Dezember Corona-Impfzentren in Rostock und Greifswald aufzubauen. "Sollte ein Impfstoff kommen, müssen wir vorbereitet sein. Das hängt vom Verlauf der aktuellen Impfstudien und dem Zulassungsverfahren ab", sagte Landesgesundheitsminister Harry Glawe (CDU) am Freitag. In Rostock und Greifswald sind die beiden Unikliniken des Bundeslandes. Mecklenburg-Vorpommern bereite sich intensiv auf das Impfen vor. "Die Gespräche mit dem Bund laufen auf Hochtouren", sagte der Minister weiter. Zuvor hatte die "Ostsee-Zeitung" (Freitag) über die Pläne berichtet.

Der Bund plant laut Landesgesundheitsministerium, die Impfstoffe in die Bundesländer zu liefern. Die Verteilung solle gemäß Bevölkerungsanteil erfolgen. Mecklenburg-Vorpommern habe eine erste Bestellung von Spritzen und Kanülen für rund 500 000 Impfdosen vorgenommen. Sollte jeder Einwohner des Bundeslandes zwei Mal geimpft werden, würden rund 3,2 Millionen Dosen benötigt.

+++ Spahn: Erneut "bittere Medizin" im Kampf gegen Corona nötig +++

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat angesichts weiter stark zunehmender neuer Corona-Infektionen die bundesweiten Einschränkungen im November gerechtfertigt. Dies sei erneut "eine bittere Medizin", sagte der CDU-Politiker am Freitag im Bundestag. Sie bringe Härten und Verzicht für Hunderttausende Bürger. Wie in der ersten Phase der Pandemie im Frühjahr gelte es nun aber wieder, die Kurve abzuflachen und das Gesundheitssystem zu schützen. Wenn die Intensivstationen überfüllt seien, sei es zu spät. Spahn betonte, das Krisenmanagement orientiere sich nicht nur an den Infektionszahlen.

In Deutschland sind erstmals mehr als 20 000 Neuinfektionen innerhalb eines einzigen Tages registriert worden. Die Gesundheitsämter meldeten 21 506 neue Fälle, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Freitagmorgen bekannt gab. Am Freitag vor einer Woche waren es noch 18 681 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gewesen.

+++ Geänderte Kriterien für Corona-Tests - Labore hoffen auf Entlastung +++

Besonderes Augenmerk liegt jetzt auf den Symptomen und deren Schwere: Mit den geänderten Empfehlungen für den Einsatz von Corona-Tests hoffen die bundesweit am Limit arbeitenden medizinischen Labore auf Entlastung. Man sei überzeugt, dass die aufgebauten Kapazitäten mit dem nun gewählten Fokus auf medizinisch begründete Tests ausreichen, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Verbands der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM), Jan Kramer, der Deutschen Presse-Agentur. Voraussetzung sei, dass die neuen Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) an Ärzte eingehalten werden.

"Was wir nicht schaffen können in den medizinischen Laboren, ist, wenn jegliche Erkältungssymptomatik abgeklärt wird», sagte der Internist und Laborarzt. Kramer schilderte, dass Tests gemäß RKI-Empfehlung etwa angezeigt seien bei schweren Symptomen der Atemwege - bei akuter Bronchitis, Lungenentzündung, Atemnot und Fieber -, bei Störungen von Geruchs- und Geschmackssinn, bei Symptomen nach direktem Kontakt mit einem bestätigten Covid-19-Fall oder bei akuter Verschlechterung des Krankheitsbildes. Mit einem Test abgeklärt werden sollten demnach auch akute Atemwegsprobleme bei Risikogruppen und bei Menschen, die in medizinischen Einrichtungen und in der Pflege arbeiten.

Auch die Wahrscheinlichkeit, dem Virus ausgesetzt gewesen zu sein, spielt laut RKI eine Rolle. Im Sommer waren auch Reiserückkehrer auf Sars-CoV-2 getestet worden - viele Laborexperten werteten dies als anlasslos. RKI-Vizechef Lars Schaade sagte kürzlich, dass Menschen, die nun trotz Symptomen nicht getestet werden könnten, weitere Ansteckungen verhindern sollten: "Sie sollten sich bitte fünf Tage isolieren und ihre Isolation danach erst beenden, wenn sie weitere 48 Stunden ohne Symptome waren." Im Fall einer Verschlechterung der Krankheitsanzeichen solle man sich testen lassen. Wie bisher sollen Menschen ohne Symptome laut Nationaler Teststrategie getestet werden, wenn sie zum Beispiel engen Kontakt zu einem bestätigten Fall hatten.

Der Verband ALM hatte in dieser Woche auf Basis von Daten aus 162 Laboren berichtet, die Testkapazität sei bundesweit erstmalig zu 100 Prozent ausgereizt. Bei Fortsetzung einer solchen Überflutung mit Proben oder einem möglichen Geräte- oder Personalausfall drohe ein Zusammenbruch der Versorgung. Kramer sagte, eine Zielgröße für eine tragbare Auslastung wäre bei 65 bis 85 Prozent: "Wenn man darüber kommt, dann laufen die Lager für Reagenzien und Verbrauchsmaterialien, die wir für diese Teste benötigen, leer." Die wegen der Pandemie international gefragten Materialien würden rationiert an Labore abgegeben.

Wie Kramer schilderte, bemühen sich die medizinischen Labore um Laufzeiten von 24 bis 48 Stunden bei medizinischen Proben. Gerade bei anlasslosen Testungen könne es aber passieren, dass Menschen drei oder vier Tage auf ihr Testergebnis warten müssen.

 

+++ FDP-Politiker will Veterinärlabore für Corona-Tests nutzen +++

Der FDP-Gesundheitspolitiker Andrew Ullmann schlägt vor, Corona-Tests auch in tierärztlichen Laboren auszuwerten. "Wir sollten auch Veterinärlabore für die Tests nutzen», sagte er der Rhein-Neckar-Zeitung. Der Infektiologe warf der Bundesregierung vor, zu spät auf die Krise reagiert zu haben. "Man hätte schon im Frühsommer die Systeme widerstandsfähig machen müssen." Es werde nur von Woche zu Woche geplant. "Es fehlt die Langzeitstrategie", sagte Ullmann. Dass es jetzt zu Engpässen komme, sei nicht überraschend.

Immer öfter kommen Corona-Labore mit dem Auswerten von Tests nicht hinterher. So meldeten laut Robert Koch-Institut (RKI) in der vergangenen Kalenderwoche (bis 1.11.) 69 Labore einen Rückstau von insgesamt 98 931 abzuarbeitenden Proben. Zwei Wochen zuvor waren es noch 52 Labore mit 20 799 abzuarbeitenden Proben.

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bos/news.de/dpa
Themen: Coronavirus