24.10.2020, 11.14 Uhr

Coronavirus News aktuell: 14.714 Neuinfektionen registriert! Merkel mit eindringlichem Appell

Das Robert-Koch-Institut registrierte erstmals mehr als 14.000 Corona-Neuinfektion innerhalb eines Tages.

Das Robert-Koch-Institut registrierte erstmals mehr als 14.000 Corona-Neuinfektion innerhalb eines Tages. Bild: AdobeStock / artegorov3@gmail.jpeg

Erstmals seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie hat das Robert-Koch-Institut (RKI) mehr als 14.000 neue Infektionen innerhalb eines Tages registriert.

Corona-Neuinfektionen am Samstag (24.10.2020) in Deutschland

Innerhalb eines Tages haben die Gesundheitsämter in Deutschland nach Angaben desRKI vom Samstagmorgen 14.714 neue Corona-Infektionen gemeldet. Da es allerdings am Donnerstag zeitweise zu Datenlücken bei der Übermittlung von Infektionszahlen gekommen war, könnten in der jüngsten Zahl der Neuinfektionen entsprechende Nachmeldungen enthalten sein. Auch am Samstagmorgen gab es zeitweise Unstimmigkeiten bei den angegebenen Zahlen.

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Zudem sind die jetzigen Werte nur bedingt mit denen aus dem Frühjahr vergleichbar, weil mittlerweile wesentlich mehr getestet wird - und damit auch mehr Infektionen entdeckt werden.

Insgesamt haben sich laut Angaben des RKI in Deutschland 418.005 Menschen mit dem Virus infiziert (Stand: 24.10., 0 Uhr). 10.003 Menschen sind demnach seit Beginn der Pandemie im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben. Das sind 49 Mehr als am Vortag.

Panne beim RKI - Serverausfall  sorgt für Fehler in Corona-Zahlen

Durch einen Ausfall eines Webservers waren am Donnerstagnachmittag laut RKI Übermittlungen von den Gesundheitsämtern zu den zuständigen Landesbehörden und von denen zum RKI knapp drei Stunden lang gestört gewesen. Anschließend habe der Server aber wieder funktioniert. Die fehlenden Daten sollten am Freitag automatisch im Laufe des Tages übermittelt worden sein und somit in der Publikation vom Samstagmorgen erscheinen. Die Größe der Datenlücke war zunächst nicht bekannt. Betroffen von der Panne waren zum Beispiel Corona-Hotspots in Nordrhein-Westfalen.

R-Wert laut RKI leicht erhöht - Reproduktionswert auf 1,23 gestiegen

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag in Deutschland laut RKI-Lagebericht vom Freitag bei 1,23 (Vortag: 1,11). Das bedeutet, dass zehn Infizierte etwa zwölf weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Sieben-Tage-R des Robert Koch-Instituts erneut gestiegen

Zudem gibt das RKI in seinem Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen liegt dieser Wert nun bei 1,30 (Vortag: 1,23). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Sozialverband: Ältere Menschen in Corona-Krise vor Isolation schützen

Der Sozialverband VdK hat dazu aufgerufen, in der Corona-Krise ältere Menschen vor Einsamkeit und Isolation zu schützen. VdK-Präsidentin Verena Bentele sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Das ist ein Punkt, der mir im Moment in den Debatten deutlich zu kurz kommt." Das Problem der Einsamkeit dürfe nicht unterschätzt werden.

"In den Pflegeeinrichtungen und Altenhilfeeinrichtungen gibt es immer noch zu wenig gute Konzepte, wie wir Begegnungen organisieren können - physisch mit Abstand oder digital", sagte Bentele. "Wir haben immer noch viele Einrichtungen, in denen der Telefonanschluss im Zimmer oder das WLAN nicht selbstverständlich sind, damit ältere Menschen mit ihren Angehörigen in Kontakt treten können oder mit Freunden."

Bentele sagte weiter: "Wir sind verantwortlich dafür, ältere Menschen nicht alleine zu lassen, dass sie sich auch draußen treffen können mit Abstand, dass sie ihre Kinder oder Enkel sehen können und dass ihnen die Gesellschaft hilft. Gesellschaftliche Solidarität und Zusammenhalten sind im Moment das Allerwichtigste. Die Bekämpfung des Virus ist eine Aufgabe, die uns als Gesellschaft fordert."

Die VdK-Präsidentin sagte außerdem, es gebe immer noch zu wenig Luftfilter in Einrichtungen für ältere Menschen. "Das zeigt, dass seit März nicht so viel passiert ist, wie ich mir gewünscht hätte. Im Sommer war vielleicht die Sicherheit zu groß. Wichtig ist auch, dass sich unser Parlament stärker in die Bewältigung der Situation einmischt."

Mit Blick auf die vielen Neuinfektionen sagte Bentele, es sei wichtig, dass sich alle daran beteiligten, Abstand zu halten, Maske zu tragen und auf größere Menschenansammlungen zu verzichten. "Ich würde mir wünschen, dass die Maßnahmen einheitlicher werden und nicht jedes Bundesland und jede Kommune zum Teil andere Verordnungen hat. Das ist wichtig, um keine Verwirrung zu stiften."

Die Maßnahmen müssten einheitlich und verständlich sein und besser kommuniziert werden. "Heute weiß ja eigentlich keiner mehr, wann wer wo hinreisen darf, was wir noch machen können. Das muss deutlich verständlicher werden."

Scholz sieht Deutschland finanziell gerüstet für zweite Corona-Welle

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hält Deutschland weiter für finanziell gut gerüstet im Kampf gegen die ökonomischen Folgen der Corona-Krise. "Die Corona-Pandemie ist längst noch nicht besiegt, und wie erwartet verzeichnen wir jetzt im Herbst deutlich steigende Infektionszahlen", sagte der SPD-Politiker der "Augsburger Allgemeinen" (Samstag). "Die Lage ist ernst, und wir nehmen sie ernst."

Bislang sei das Land recht gut durch die Krise gekommen - "auch weil wir uns frühzeitig und entschlossen gegen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise gestemmt haben". Auch mit Blick auf die kommenden Wochen betonte der Vizekanzler, "finanziell sind wir gut gerüstet, unsere Finanzkraft ist weiterhin sehr groß".

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, befürchtet, dass Viele die Risiken einer zweiten Welle für Gesundheit und Wirtschaft unterschätzten. Es müsse dringend gelingen, den Bürgern den Ernst der Lage bewusst zu machen und sie zu deutlich mehr Vorsicht in ihrem Verhalten zu bringen.

"Ein starker und anhaltender Anstieg der Infektionen könnte die Wirtschaft genauso hart treffen wie die erste Welle", sagte Fratzscher dem Blatt: "Die Wirtschaft ist heute viel weniger widerstandsfähig als noch im März und April." Viele Unternehmen hätten ihre Rücklagen aufgebraucht und sich so stark verschuldet, dass ein erneuter Einbruch der Wirtschaft zu einem deutlichen Anstieg der Insolvenzen und damit auch der Arbeitslosigkeit führen könnte.

Söder: Kein Grund zur Kursänderung in der Corona-Politik

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder(CSU) will trotz zunehmender Kritik an seiner Corona-Politik an seinem Kurs festhalten. "Ich habe keinen Grund, meinen Kurs zu ändern", sagte Söder der "Augsburger Allgemeinen" (Samstag). "Wir haben mit allen grundsätzlichen Einschätzungen Recht behalten", betonte er.

Der CSU-Chef wies insbesondere den Vorwurf zurück, er höre nicht auf andere. "Ich habe kein Problem damit, gute Ideen anderer aufzugreifen und dies auch zu sagen", sagte Söder der Zeitung. Dass die Corona-Debatte hitziger geworden ist, bringe ihn nicht aus der Ruhe: "Es ist sicher anstrengend. Aber ich habe große Geduld. Ich schlafe gut und esse anständig. Und ich treibe Sport, wann immer ich Zeit dafür finde."

Merkel: Gebot der Stunde heißt Kontakte reduzieren

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat vor dem Hintergrund deutlich steigender Corona-Infektionszahlen erneut an die Bürger appelliert, durch weniger Kontakte bei der Eindämmung der Pandemie mitzuhelfen. "Wir sind nicht machtlos gegen das Virus, unser Verhalten entscheidet, wie stark und wie schnell es sich ausbreitet. Und das Gebot der Stunde heißt für uns alle: Kontakte reduzieren. Viel weniger Menschen treffen", sagte sie in ihrem am Samstag veröffentlichten Video-Podcast.

Vor einer Woche hatte die Kanzlerin an dieser Stelle in einem dramatischen Appell die Bürger zur Mithilfe aufgefordert. Die Videobotschaft hatte viele Reaktionen hervorgerufen. Eine Woche später habe sich die Pandemielage noch weiter zugespitzt, sagte Merkel. "Für mich gilt das, was ich Ihnen letzte Woche gesagt habe, noch Wort für Wort (...) Und so folgt jetzt noch einmal der Podcast vom vergangenen Samstag", so die Kanzlerin, bevor erneut die Ansprache von vergangener Woche abgespielt wird.

Darin hatte Merkel dazu aufgerufen, Kontakte außerhalb der eigenen Familie deutlich zu verringern und darum gebeten, auf Reisen und Feiern, die "nicht wirklich zwingend notwendig" sind, zu verzichten. "Bitte bleiben Sie, wenn immer möglich, zu Hause, an Ihrem Wohnort."

 

Corona-Regeln: Polizei kontrolliert in Berlin

Mit stärkeren Kontrollen will die Berliner Polizei an diesem Wochenende darauf drängen, dass sich Menschen an die Corona-Regeln halten. Seit Samstagmorgen läuft ein entsprechender Einsatz. "Wir sind bis in die Nacht hinein unterwegs", sagte ein Polizeisprecher. Rund 1.000 Polizisten sollten im Laufe des Tages eingesetzt werden, die Hälfte davon von der Bundespolizei.

Innensenator Andreas Geisel (SPD) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatten sich auf den gemeinsamen Einsatz verständigt. Bundesweit steckten sich zuletzt immer mehr Menschen mit dem neuartigen Coronavirus an. Auch in Berlin stieg die Infektionszahl.

Die Landesregierung hatte daraufhin die Vorgaben verschärft. Seit Samstag muss zum Beispiel auf Wochenmärkten und auf zehn Einkaufsstraßen ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Zudem gelten noch strengere Obergrenzen für private Zusammenkünfte. Die Kontrollen zielen auch auf illegale Partys und die Gastronomie ab, für die größtenteils eine nächtliche Sperrstunde gilt.

 

Region Hannover überschreitet Corona-Grenzwert

Die Region Hannover in Niedersachsen hat bei Neuinfektionen mit dem Coronavirus einen wichtigen Grenzwert überschritten. Für Samstag meldete das Landesgesundheitsamt in Hannover 52,7 Infektionen auf 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Für die 1,15 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner der Region treten damit weitere Einschränkungen in Kraft.

Das Land Niedersachsen insgesamt lag am Samstag (Stand 9 Uhr) rechnerisch knapp unter der 50er-Inzidenz. Der Wert wurde mit 49,6 angegeben. Entscheidend für die Corona-Auflagen ist allerdings nicht die Lage im Land, sondern in den einzelnen Landkreisen oder kreisfreien Städten. Am Samstag lagen 14 der 45 Kreise und kreisfreien Städte über dem als kritisch erachteten Inzidenzwert von 50. Am stärksten betroffen war die Stadt Delmenhorst mit 241,1 Fällen, gerechnet auf 100.000 Einwohner in einer Woche.

Nach der jüngsten Verordnung der Landesregierung bedeutet dies, dass in den betroffenen Kreisen oder kreisfreien Städten private Treffen auf zehn Personen aus zwei Haushalten beschränkt sind - egal, ob zu Hause, draußen oder im Restaurant. Die Gastronomie muss um 23 Uhr schließen, außerdem wird die Maske auch an einigen Orten unter freiem Himmel zur Pflicht. Wo genau die Maskenpflicht gilt, darüber entscheidet die betroffene Kommune.

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bua/news.de/dpa