11.10.2020, 16.22 Uhr

Coronavirus-News aktuell: 3.483 Neuinfektionen! NRW vereinheitlicht Hotspot-Regeln

Angesichts steigender Corona-Zahlen fordert Bayerns Ministerpräsident Söder höhere Strafen für Maskenverweigerer.

Angesichts steigender Corona-Zahlen fordert Bayerns Ministerpräsident Söder höhere Strafen für Maskenverweigerer. Bild: dpa

Das Robert-Koch-Institut meldete am Sonntag fast 3.500 Neuinfektionen. Das ist deutlich weniger als an den vergangenen Tagen. Jedoch fallen die Corona-Zahlen am Wochenende häufig niedriger aus. Unter dessen setzt sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder für höhere Strafen für Maskenverweigerer ein.

Nordrhein-Westfalen vereinheitlicht Regeln für Corona-Hotspots

Nordrhein-Westfalen will die Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Corona-Hotspots vereinheitlichen. Sobald ein Kreis oder eine kreisfreie Stadt in NRW die Grenze von 50 Neuansteckungen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen überschreite, sollen sich dort nur noch bis zu fünf Personen aus verschiedenen Haushalten in der Öffentlichkeit treffen dürfen. Das kündigte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Sonntag nach einer Sondersitzung des nordrhein-westfälischen Kabinetts in Düsseldorf an.

Außerdem sollen in diesem Fall Öffnungszeiten von Kneipen und Restaurants eingeschränkt werden. Für öffentliche Veranstaltungen sollen strengere Obergrenzen für die Teilnehmerzahl gelten. Für Feiern in privaten Räumen soll die Teilnehmerzahl dann auf 25 begrenzt werden.

"Damit schaffen wir jetzt Einheitlichkeit und Klarheit in allen Hotspots", sagte Laschet. Bislang mussten alle betroffenen Kreise und kreisfreien Städte bei Überschreiten des Warnwerts von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen selbst über Gegenmaßnahmen entscheiden. NRW hat seit Tagen die höchsten Ansteckungsraten aller deutschen Flächenländer. Neun Kreise und kreisfreie Städte haben den wichtigen Warnwert von 50 überschritten, darunter Köln und Essen.

Laschet kündigte ferner verstärkte Tests auf das Coronavirus in Alten- und Pflegeheimen an. So soll in Kommunen, in denen die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche den sogenannten Vorwarn-Wert von 35 übersteigt, "eine einmalige Komplett-Testung aller Bewohner und Mitarbeiter dieser Einrichtungen" erfolgen.

Skeptisch sieht Laschet die Beherbergungsverbote für Urlauber aus Risikoregionen. "Wenn ganz viele Orte in Deutschland Risikogebiete sind, ist die Frage, wer darf von wo nach wo reisen, eigentlich eine zweitrangige", sagte er. In Nordrhein-Westfalen sind vorerst keine Beherbergungsverbote für Urlauber aus innerdeutschen Corona-Hotspots in Kraft.

3.483 neue Corona-Infektionen am Sonntag in Deutschland

Innerhalb eines Tages haben die Gesundheitsämter in Deutschland nach Angaben des RKI vom Sonntagmorgen 3.483 neue Corona-Infektionen gemeldet. Von Mittwoch auf Donnerstag war der Wert von 2.828 auf 4.058 erheblich gestiegen, von Donnerstag auf Freitag lag die Zahl bei 4.516. Das Robert Koch-Institut meldete am Samstagmorgen 4.721 neue Fälle. An Sonntagen wie auch an Montagen sind die erfassten Fallzahlen erfahrungsgemäß meist niedriger, auch weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI melden.

An Covid-19 gestorben: 9.615 Corona-Tote in Deutschland

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach RKI-Angaben mindestens 322.864 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 11.10., 0 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion lag demnach bei 9.615. Das waren 11 mehr als am Vortag.

Corona-News in Deutschland: Reproduktionszahl des RKI: R-Wert bei 1,42

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Lagebericht vom Samstag bei 1,42 (Vortag: 1,34). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel rund 1,4 weitere Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Sieben-Tage-R des Robert Koch-Instituts steigt auf1,43

Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert nach Angaben vom Freitag bei 1,43 (Vortag: 1,37). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Söder will bundesweites Bußgeld von 250 Euro für Maskenverweigerer

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder macht sich für bundesweit schärfere Strafen bei Verstößen gegen Corona-Regeln stark. In mehreren Interviews forderte der CSU-Chef für Verstöße gegen die Maskenpflicht bundeseinheitliche Bußgelder von 250 Euro. In Bayern gilt dieser Regelsatz bereits.

"Es ist wird langsam gefährlich", sagte Söder der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Maske sei das wirksamste Mittel. Der "Bild am Sonntag" sagte Söder: "Wir haben fünf vor zwölf. Man darf sich die Lage nicht länger schönreden." Nötig seien rasche Maßnahmen für alle: "Frühere Sperrstunden und keine größeren Partys und Feiern für eine gewisse Zeit."

Der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte der bayerische Regierungschef: "Das ständige Kleinreden der Herausforderung hat leider Wirkung. Die Geduld und die Mitmachbereitschaft der Bevölkerung sind dadurch gesunken." Corona sei genauso gefährlich wie im Frühjahr. "Und wenn wir jetzt nicht rasch umsteuern, kann dieselbe Entwicklung wie in Frankreich oder Spanien mit explodierenden Zahlen und nicht mehr beherrschbaren Fällen eintreten", warnte der CSU-Chef.

Viele Corona-Infektionen in Stuttgart - Stadt überschreitet Warnstufe

Stuttgart hat in der Corona-Pandemie die wichtige Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen überschritten. Die Landeshauptstadt gab am Samstagabend den Wert für die 600.000-Einwohnermetropole mit 50,5 an. Damit sei die Eingriffsstufe erreicht. Am Samstag wurden 82 neue Infektionen innerhalb der letzten 24 Stunden gemeldet.

Vorbereitet werden nach weiteren Angaben der Stadt unter anderem eine Sperrstunde, eine Maskenpflicht in der Innenstadt und Alkoholkonsum-Beschränkungen. Die Maßnahmen treten nicht sofort in Kraft. Die Sperrstunde müsse rechtlich sauber eingeführt werden, erläuterte ein Sprecher der Stadt.

Private Zusammenkünfte mit mehr als 25 Teilnehmern sind in Stuttgart bereits verboten. Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) sagte am Samstag, die steigenden Infektionszahlen und das immer diffusere Ansteckungsgeschehen bereite ihm Sorge. "Deswegen handeln wir jetzt: zielgerichtet und angemessen." Er fühle sich an die Situation im März dieses Jahres erinnert. Es gehe darum, das öffentliche Leben möglichst aufrecht zu erhalten.

Die Stadt ermuntert überdies zum Home-Office, will die Entflechtung des Unterrichtsbeginns an Schulen erreichen und das Maske tragen im Rathaus erweitern. Bislang war der Landkreis Esslingen der Corona-"Hotspot" in Baden-Württemberg. Am Freitag lag der kritische Wert dort bei 56,3. Auf öffentlichen Plätzen muss in Esslingen ein Schutz über Mund und Nase getragen werden.

Essen überschreitet Corona-Warnstufe

Die Stadt Essen hat in der Corona-Pandemie die wichtige Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen überschritten. Das nordrhein-westfälische Landeszentrum Gesundheit gab den Wert für die knapp 600.000 Einwohner große Ruhrgebietsstadt am Sonntag mit 57,3 an. In Essen gelten nun unter anderem strenge Grenzen für Partys.

Weiter hohe Infektionszahlen in Bayerns Corona-Brennpunkten

Die Infektionswerte in den Corona-Brennpunkten in Bayern sind weiter gestiegen. Die Städte Memmingen und Rosenheim sowie die Landkreise Fürstenfeldbruck und Regen lagen laut Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin auch am Sonntag (Stand: 0 Uhr) über der kritischen Schwelle von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. In Rosenheim meldete das Institut 70,8 Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Im Landkreis Fürstenfeldbruck lag dieser Wert bei 64,3, in der kreisfreien Stadt Memmingen bei 56,7, im Landkreis Regen bei 60,7. München lag mit 48,6 nur noch knapp unterhalb dem Grenzwert von 50.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte deshalb die Menschen eindringlich zur Beachtung der Corona-Regeln ermahnt. Der "Bild am Sonntag" sagte Söder: "Wir haben fünf vor zwölf. Man darf sich die Lage nicht länger schönreden." Nötig seien rasche Maßnahmen für alle: "Frühere Sperrstunden und keine größeren Partys und Feiern für eine gewisse Zeit."

Polizei löst Partys in München und Trier nach Corona-Verstößen auf

Erneut sind Polizisten am Wochenende wegen Verstößen gegen die Corona-Bestimmungen gegen Feiernde vorgegangen. Am Sonntagmorgen löste die bayerische Polizei eine illegale Rave-Party auf dem Gelände des Münchner Schlachthofs auf. Die Beamten seien auf 200 Feiernde gestoßen, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Sie stellten die Identitäten von 20 Anwesenden fest, die nun eine Anzeige wegen eines Verstoßes gegen die Infektionsschutzverordnung erwartet. Nahe der Bahngleise lagen am Sonntagmorgen noch Bierflaschen und Spraydosen auf dem Boden. Anwohner hatten sich gemeldet. Wie und von wem die Raveparty organisiert war, konnten die Ermittler zunächst nicht sagen.

In der Nacht zuvor hatten Beamte eine Feier von mehr als 100 jungen Menschen im rheinland-pfälzischen Trier aufgelöst. Die Veranstaltung habe "unter Missachtung jeglicher Vorsichtsmaßnahmen" in einem Partyraum stattgefunden, teilte die Polizei mit. Anwohner hatten die Beamten um 3 Uhr nachts alarmiert. Einige Partygäste seien beim Eintreffen der Beamten in einen nahegelegenen Wald geflüchtet. Die Polizei habe die Personalien von mehr als 70 Jugendlichen und jungen Erwachsenen festgestellt.

Die Feiernden kamen laut Polizei auch aus dem Nachbarland Luxemburg. Die Polizei beendete die Feier und stellte die Musikbox sicher. "Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Veranstaltung möglicherweise einen kommerziellen Charakter hatte", teilte die Polizei am Samstag mit. Ein Verantwortlicher habe sich jedoch nicht zu erkennen gegeben, es werde weiter ermittelt.

Sechs Gebiete in Niedersachsen überschreiten kritischen Corona-Wert

Die Zahl der Regionen in Niedersachsen, die den kritischen Grenzwert von 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche überschreiten, ist am Sonntag auf sechs gestiegen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums lagen rechnerisch die Kreise Grafschaft Bentheim (70,0), Emsland (52,6), Cloppenburg (103,7), Vechta (50,4), Wesermarsch (51,9) und die kreisfreie Stadt Delmenhorst (90,3) darüber. Einen Tag zuvor waren es fünf Gebiete gewesen, die die sogenannte 7-Tages-Inzidenz überschritten hatten. Am Sonntag wurde in Vechta der Wert wieder gerissen, nachdem er einen Tag zuvor leicht darunter gesunken war.

Steigt in einem der 37 Kreise und kreisfreien Städte inklusive der Region Hannover der Wert über 50, müssen die Behörden vor Ort schärfere Maßnahmen zum Infektionsschutz ergreifen. Diese sollen individuell der Lage angepasst seien - in Delmenhorst blieben am Freitag etwa alle Schulen geschlossen. Außerdem sind nach der Verordnung des Landes in manchen Punkten automatisch schärfere Regeln vorgesehen - wie etwa bei der Höchstzahl an Gästen bei privaten Feiern. Der Wert ist auch für die Beherbergungsverbote maßgeblich.

Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen in ganz Niedersachsen stieg im Vergleich zum Vortag um 265 auf insgesamt 22.921 (Stand: 9 Uhr) Fälle. Der 7-Tages-Inzidenzwert lag den Angaben zufolge landesweit bei 20,4.

Die Stadt Bremen hatte am Samstag deutlich über dem Schwellenwert von 50 gelegen bei 78,2. Die Zahl der bestätigten Falle stieg in der Hansestadt um 108 auf 2.765. Der Senat hatte am Freitag als Gegenmaßnahme unter anderem eine Sperrstunde und ein Alkoholverkaufsverbot zwischen 23 und 6 Uhr angeordnet.

Erneut Verstöße gegen Sperrstunde und Corona-Verordnung in Berlin

In der zweiten Nacht mit der neuen Sperrstunde in Berlin musste die Polizei erneut Lokale schließen und größere Gruppen auflösen. "Wir kontrollieren die Corona-Verstöße derzeit im Rahmen unseres normalen Dienstes. Schwerpunkteinsätze gibt es an diesem ersten Wochenende noch nicht", sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag. Genaue Zahlen zu den Verstößen und den eingesetzten Beamten lagen demnach zunächst nicht vor.

Mehrere größere Menschenansammlungen wurden aufgelöst, teilte die Polizei per Twitter mit. So seien 50 Menschen bei einem Spätverkauf am Kottbusser Tor entdeckt worden und 20 vor einer Bar in Friedrichshain. Im Freien dürfen sich nach der neuen Infektionsschutzverordnung von 23 Uhr bis 6 Uhr nur noch fünf Personen versammeln.

Ebenfalls in Friedrichshain wurde die Polizei aus einer großen Gruppe heraus mit Eiern beworfen. "Die Kollegen wurden aber nicht getroffen", sagte die Sprecherin. Benjamin Jendro, Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP), sagte am Samstag in der RBB-Abendschau, es brauche erfahrungsgemäß etwas Zeit, bis die Regelung ankomme. "Ich glaube, dass sich das in den nächsten Tagen rumspricht." Es werde sicherlich Schwerpunkteinsätze geben.

Die neue Infektionsschutzverordnung ist in der Nacht zum Samstag in Kraft getreten. Neben einer Sperrstunde zwischen 23 und 6 Uhr dürfen bei privaten Zusammenkünften in geschlossenen Räumen nur noch höchstens 10 statt bisher 25 Teilnehmer zusammenkommen.

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bua/news.de/dpa