29.09.2020, 08.03 Uhr

Krankenkassen in Geldnot: Beitragshammer! So viel müssen Versicherte ab 2021 mehr zahlen

Der Krankenversicherungsbeitrag soll 2021 deutlich steigen.

Der Krankenversicherungsbeitrag soll 2021 deutlich steigen. Bild: AdobeStock / Lothar Drechsel

In den Kassen der gesetzlichen Krankenversicherungen klafft ein Milliardenloch. Durch das Coronavirus und die Schutzmaßnahmen haben Krankenkassen derzeit erhöhte Ausgaben, jedoch viel geringere Einnahmen. Wegen der Wirtschaftskrise in der Corona-Pandemie haben viele Unternehmen offenbar Probleme, für ihre Beschäftigten die fälligen Beiträge an die Krankenkassen abzuführen.

Corona-Pandemie vergrößert Finanzloch! Weniger Einnahmen für Krankenversicherungen

Allein bei der Techniker Krankenkasse (TK) hat sich die Zahl der Stundungsanträge um das 60-fache erhöht, wie Vorstandschef Jens Baas den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte. "Auch die Zahl der Anträge auf Ratenzahlung ist 100 Mal so hoch wie vorher", sagte er. Das sei ein dramatischer Anstieg im Vergleich zum Schnitt der Vorjahre.Wegen der Pandemie können Versicherte mit einer deutlichen Erhöhungen der Beitragssätze rechnen. "Die Beiträge werden in den kommenden Jahren erheblich steigen", sagte Baas.

Beitragshammer! So viel müssen Versicherte 2021 an die Krankenkassen mehr zahlen

Laut eines Gesetzentwurfs von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) müssen Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen im kommenden Jahr wahrscheinlich im Durchschnitt um 0,2 Prozentpunkte höhere Beiträge bezahlen.Das Gesundheitsministerium will den durchschnittlichen Beitragssatz zum 1. November 2020 bekanntgeben. Die Sozialversicherungsbeiträge sollen bei maximal 40 Prozent stabilisiert werden.

Die konkrete Höhe des Zusatzbeitrags legen die Kassen dann aber jeweils selbst für ihre Mitglieder fest, sie können dabei vom Durchschnitt abweichen. Der Gesamtbeitrag umfasst daneben den allgemeinen Satz von 14,6 Prozent - im Schnitt würde er also von derzeit 15,7 Prozent auf 15,9 Prozent 2021 steigen.

Experten erwarten Finanzierungslücke von 16 Milliarden Euro

Erwartet wird eine Finanzierungslücke der gesetzlichen Krankenversicherung von mehr als 16 Milliarden Euro. Zur Finanzierung von Mehrkosten und zum Ausgleich geringerer Einnahmen durch die Corona-Krise soll die gesetzliche Krankenversicherung fünf Milliarden Euro mehr aus Steuergeld erhalten. Aus den Reserven der Krankenkassen sollen einmalig acht Milliarden Euro in die Einnahmen des Gesundheitsfonds fließen. Es dürften dann aber noch rund drei Milliarden Euro fehlen.

Kritik kam vom Krankenkassen-Spitzenverband. Die Pläne seien "sozial unausgewogen und zudem ein massiver Eingriff in die Autonomie der Selbstverwaltung", so die Verwaltungsratsvorsitzenden Uwe Klemens und Volker Hansen. Anja Piel vom Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds forderte: "Die Versicherten und die gesetzlichen Krankenkassen dürfen nicht zu Zahlmeistern für die Folgekosten der Corona-Pandemie werden."

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bua/fka/news.de/dpa