22.09.2020, 14.02 Uhr

Nach "Schubs mich und du fängst dir 'ne Kugel!": Ministerpräsident nimmt Polizist in Schutz! Twitter tobt vor Wut

Am Wochenende hat ein Polizist einem Demonstranten mit Waffengewalt gedroht.

Am Wochenende hat ein Polizist einem Demonstranten mit Waffengewalt gedroht. Bild: dpa

Ein schockierendes Video von einer spontanen Versammlung in Dresden sorgt in den sozialen Medien derzeit für Empörung. Es zeigt, wie der Polizei-Einsatzleiterbei der Auflösung der Demonstration zur Aufnahme von Geflüchteten von Vermummten kurzzeitig bedrängt wird. Daraufhin sagt der Beamte: "Schubs mich und du fängst dir 'ne Kugel." Dabei legt er die Hand über seine Dienstwaffe. Nun nimmt Sachsen Ministerpräsident Michael Kretschmer das umstrittene Verhalten des Polizisten in Schutz.

"Schubs mich und du fängst dir 'ne Kugel!" Kretschmer nimmt umstrittene Polizei-Äußerung in Schutz

"Man darf Aktion und Reaktion nicht verwechseln", sagte Kretschmer am Montag zu den Ereignissen vom Wochenende. Der Beamte sei von Menschen, "die potenziell als Angreifer und Gewalttäter einzustufen sind", umringt gewesen. Auf im Netz kursierenden Videos ist dagegen zu sehen, wie sich der Polizist allein gegen die Demonstranten stellt, die hinter einem großen Transparent stehen und ihn kurzzeitig bedrängen.

Demonstration in Dresden am 20.09.2020: Polizist wollte angeblich Dienstwaffe vor Vermummten schützen 

Bei der Auswertung des Einsatzes sei festgestellt worden, dass er sich korrekt verhalten habe, als er die Hand auf die Waffe legte, damit sie ihm nicht weggenommen werden könne, sagte Kretschmer. Von der Polizei hieß es dazu am Montag auf Anfrage, dass das kurze Anheben der Waffe zum Prozedere von deren Sicherung gehöre.

Auch unter Verweis auf eine Nebelbombe bei dem Einsatz sprach Kretschmer von einer "furchtbaren, gewalttätigen" Situation. "Den Satz, den er gesagt hat, den bedauert er heute", erklärte der Regierungschef. Das sei aus der Situation heraus geschehen, "das wird ihm auch kein zweites Mal passieren". Die Beamten hätten es in vielerlei Hinsicht auch mit Menschen zu tun, "die sich nicht an Recht und Ordnung halten, Demonstrations- und Meinungsfreiheit nicht als solche nutzen", sondern immer Gewalt und Angriffe. "Dem treten wir entgegen."

"Das soll eine Notwehrlage sein?" Twitter wütet gegen Polizei Sachsen

Die Erklärung der Polizei Sachsen sowie des sächsischen Ministerpräsidenten stößt auf Twitter auf Unmut. "Absurd. Die bloße Annahme eines möglichen Angriffs bei #dd2009 legitimiert lt. StA eine Bedrohung durch den Polizisten. Demnächst bei Ihrer #Polizei|#Sachsen: 'Sollten aus dieser Demo leere Plastikbecher in Richtung eines Beamten fliegen*, knallen wir alle ab!'", wettert ein Twitter-Nutzer.

"Wenn ich an der Kasse im Supermarkt geschubst werde, darf ich dann auch ein Messer zur Verteidigung zücken?"

"Liebe @PolizeiSachsen, wenn ich an der Kasse im Supermarkt geschubst werde, darf ich dann auch ein Messer zur Verteidigung zücken? Ich besitze leider keine Schusswaffen :/", fragt sich ein anderer Twitter-Nutzer. "Ein Polizeibeamter geht völlig alleine, ohne jegliche Verstärkung oder Rückendeckung auf Demonstranten zu, unterschreitet bewusst sogar den vorgeschriebenen Mindestabstand, provoziert die Demonstranten, droht dann mit einer 'Kugel' und das soll eine Notwehrlage sein? #dd2009", zeigt sich ein weiterer ebenso verwirrt.

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bua/sig/news.de/dpa