14.09.2020, 08.43 Uhr

Flüchtlings-Talk bei "Anne Will": Moria-Zoff im TV! SO denkt Twitter über die deutsche Flüchtlingspolitik

Bei Anne Will wurde der Brand in Moria und die daraus resultierende deutsche Flüchtlingspolitik diskutiert.

Bei Anne Will wurde der Brand in Moria und die daraus resultierende deutsche Flüchtlingspolitik diskutiert. Bild: NDR/Wolfgang Borrs

Im Koalitionsstreit über die Aufnahme von Migranten aus dem abgebrannten griechischen Lager Moria macht die SPD Druck auf die Union. SPD-Chefin Saskia Esken fordert bereits für diesen Montag eine Zusage der Union, mehrere tausend Menschen nach Deutschland zu holen. Es müsse "ein hoher vierstelliger Betrag" sein, sagte sie am Sonntagabend im ZDF.

Debatte über deutsche Flüchtlingspolitik nach Brand in Moria

Die Parteigremien von CDU und SPD kommen am Vormittag zu turnusmäßigen Beratungen zusammen. Esken plant am Mittag eine Pressekonferenz zusammen mit dem SPD-Kanzlerkandidaten, Finanzminister Olaf Scholz. Der einstige Rivale der linken Parteichefin hatte am Samstag ebenfalls ein stärkeres europäisches Engagement gefordert, aber zurückhaltender als nun Esken lediglich eine deutsche "Bereitschaft (verlangt), in größerem Umfang weitere Flüchtlinge aufzunehmen".

Deutschland will 100 bis 150 Minderjährige aus Moria aufnehmen

Deutschland hat sich auf Bitten Griechenlands bisher bereiterklärt, 100 bis 150 unbegleitete Minderjährige aus Moria aufzunehmen, ebenso wie Frankreich. Zusammen mit acht weiteren europäischen Staaten sollen insgesamt 400 unbegleitete Kinder und Jugendliche aufgenommen werden. Innenminister Horst Seehofer (CSU) hat bereits deutlich gemacht, dass er sich in einem weiteren Schritt eine Lösung für Familien mit Kindern wünscht.

Flüchtlings-Talk bei "Anne Will": Mega-Zoff zwischen Weber und Baerbock

Auch bei Polit-Talkerin Anne Will wurde das Thema am Sonntagabend energisch diskutiert. Zwischen Annalena Baerbock und dem Vorsitzenden der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber, kam es dabei zum Mega-Zoff. Weber sagte in der ARD-Sendung "Anne Will": "Wir dürfen die Fehler von 2015 nicht wiederholen." Die Grünen-Vorsitzende Baerbock forderte in der Sendung, die Migranten auf Lesbos sofort von dort wegzuholen und mehr europäisches und mehr deutsches Engagement zu zeigen. Eine frühere Twitter-Äußerung von ihr, die so verstanden worden war, dass alle gut 12.000 Moria-Migranten nach Deutschland kommen sollten, wollte sie aber auch auf wiederholte Nachfragen hin nicht wiederholen.

So denkt Twitter über den Flüchtlings-Talk bei Anne Will

Auch auf Twitter sorgt das Thema seit Tagen für Zündstoff. Unter dem Hashtag #AnneWill äußerten sich zahlreiche User Sonntagabend und am Montagmorgen zur Sendung und diskutierten die Flüchtlingspolitik und die Meinungen der Talk-Gäste ausführlich. Hochgelobt wurde vor allem Reporterin Isabel Schayani für ihr Interview, das sie auf Farsi mit einer Flüchtlingsfamilie in Moria geführt hat. "Einfühlsam, mit Übersicht und der nötigen Distanz - @isabelschayani! Und #Annewill hat gelassen fast 15 Minuten investiert, um der @WDR -Reporterin Raum zu geben. Starkes Stück Fernsehen #MoriaCamp", twitterte Journalist Andreas Petzold. "Das Interview v @isabelschayani mit einer geflüchteten Familie auf Lesbos, geführt auf Farsi, ist sensationell bewegend, grossartiger Journalismus! Ein historischer Moment #AnneWill", schrieb ein weiterer User.

Twitter-Kritik an Manfred Weber und Annalena Baerbock

Unverständnis jedoch ernteten die Streithähne Weber und Baerbock gleichermaßen. "Bearbock versteht nicht, das 90% der Flüchtlinge keinen positiven Bescheid bekommen würden, aber nie ausgewiesen werden. So funktioniert das nicht. Das ist eine tickende Zeitbombe für die Gesellschaft. #AnneWill", schreibt eine Userin. "wenn Manfred Weber bei #AnneWill den
@Gruene_Austria gleich einmal empfiehlt, dass sie die Koalition verlassen sollen um politisch Rückrgrat zu zeigen, dann vergisst er, dass er erst mit einem Gummiband im Kreuz zum Spitzenpolitiker wurde", wettert ein anderer gegen Manfred Weber. "Manfred Weber bei #annewill zuhören, ohne das iPad aus dem Fenster zu werfen = meine Zen-Übung des Morgens", schlägt ein anderer User in die gleiche Kerbe.

"Die 400 Kinder sind ein Bluff! Die sollten schon vor dem Brand aufgenommen werden.
Ihr lügt uns was vor, wir sind nicht dumm. #Moria Diese Schimpferei von #weber wir lassen nicht zu, dass Menschen als Druckmittel benutzt werden Ihr lasst aber zu, dass sie verhungern! #AnneWill", heißt es in einem weiteren Tweet zur Sendung. "Die @ABaerbock eiert bei #AnneWill leider auch nur rum. Klare Aussagen gehen anders. #LeaveNoOneBehind", schießt ein anderer User gegen Annalena Baerbock.

Flüchtlingslager Moria abgebrannt - neues Ersatz-Lager errichtet

Auf der Insel Lesbos waren am Wochenende 300 der 12.000 Migranten in ein neu errichtetes Ersatz-Zeltlager eingezogen, nachdem das Lager Moria wohl durch Brandstiftung in der vergangenen Woche zerstört worden war. Radikale Migranten versuchten, andere vom Gang ins neue Lager abzuhalten. Sie wollen aufs Festland gebracht werden, um weiter nach Norden ziehen zu können: "Nach Deutschland", wie Reportern vor Ort gesagt wurde. Tausende Menschen leben auf der Straße, auch Familien mit Kindern - ohne Obdach, Sanitäranlagen und fließendes Wasser. Bei drei Viertel der ehemaligen Moria-Bewohner handelt es sich um Afghanen (77 Prozent), ein weit kleinerer Teil kommt aus Syrien (8 Prozent) und dem Kongo (7 Prozent).

"Anne Will" am 13.09.2020 verpasst? Wiederholung online und im TV

Sie haben die Sendung "Anne Will" am Sonntagabend verpasst, aber wollen sich ein eigenes Bild von den Talkgästen machen? Kein Problem! Zwar wird die Sendung im TV nicht wiederholt, doch in der ARD-Mediathek steht sie als Video-on-Demand kostenlos zum Abruf bereit.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook und YouTube? Hier finden Sie brandheiße News, aktuelle Videos, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

fka/loc/news.de/dpa