25.06.2020, 09.42 Uhr

Corona-Ausbruch bei Tönnies: Deutschland sperrt Gütersloh aus! Neues Positives Testergebnis

Auf der Insel Usedom waren Urlauber aus dem Kreis Gütersloh schon am Montag aufgefordert worden, Mecklenburg-Vorpommern wieder zu verlassen.

Auf der Insel Usedom waren Urlauber aus dem Kreis Gütersloh schon am Montag aufgefordert worden, Mecklenburg-Vorpommern wieder zu verlassen. Bild: dpa

Nach dem massiven Corona-Ausbruch in einem Fleischbetrieb von Tönnies ist das öffentliche Leben in zwei Landkreisen von Nordrhein-Westfalen wieder eingeschränkt. Um Mitternacht traten im Landkreis Gütersloh und im Nachbarkreis Warendorf erneut strenge Auflagen in Kraft. Betroffen sind insgesamt rund 640.000 Einwohner. Das Tönnies-Werk Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh gilt als Ausgangspunkt des Ausbruchs, auch im Raum Warendorf wohnen viele Tönnies-Mitarbeiter.

Lockdown im Kreis Gütersloh nach Corona-Ausbruch bei Tönnies

Im öffentlichen Raum dürfen nun nur noch zwei Menschen oder Menschen aus einem Familien- oder Haushaltsverbund zusammentreffen, wie die Landesregierung am Dienstag mitgeteilt hatte. Zudem sollen eine Reihe von Freizeitaktivitäten unterbleiben. So müssen den Angaben zufolge zum Beispiel Museen, Kinos, Fitnessstudios, Hallenschwimmbäder und Bars geschlossen vorübergehend werden. Die Vorschriften für die neuen Einschränkungen gelten zunächst für eine Woche bis zum 30. Juni.

Corona-Regeln in den Kreisen Gütersloh und Warendorf gelten eine Woche

Vertreter beider Kreise sprachen von einem "Lockdown light", da Geschäfte und Restaurants weiter geöffnet bleiben dürfen. "Wenn man das vergleicht mit dem, was wir im März hatten, ist das was, mit dem man sich arrangieren kann. Längst nicht so hart und nur auf eine Woche begrenzt",sagte Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU).

Deutschland sperrt Gütersloh aus: Urlauber dürfen nur noch unter Auflagen einreisen

Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein wollen Bürger aus Corona-Risikogebieten nur noch unter strengen Auflagen einreisen lassen. In Schleswig-Holstein sollen sie sich künftig nach der Einreise zwei Wochen in Quarantäne begeben. Auf der Insel Usedom waren Urlauber aus dem Kreis Gütersloh schon am Montag aufgefordert worden, Mecklenburg-Vorpommern wieder zu verlassen. Niedersachsen erließ am Mittwoch ein Beherbergungsverbot für Touristen aus der Region Gütersloh. In einer Telefonkonferenz wollen die Gesundheitsminister der Länder an diesem Mittwoch über eine einheitliche Linie im Umgang mit Reisenden beraten.

Regeln anderer Bundesländer gegenüber Urlaubern aus Gütersloh

In Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Bremen gibt es laut "Bild"-Zeitung aktuell keine solchen Vorschriften für den Reiseverkehr aus anderen Bundesländern oder Regionen. Brandenburg beobachtet das Infektionsgeschehen in Gütersloh genau, hat aber bisher keine Corona-Regeln gegenüber Personen aus Gütersloh erlassen. Ebenso handelt Rheinland-Pfalz. Auch in Berlin müssen Urlauber aus Gütersloh nicht mit einer "Abschiebung" rechnen. Eine Ausweisung sei in der geltenden Corona-Verordnung nicht vorgesehen. Auch in Baden-Württemberg wurden bisher keine besonderen Corona-Regeln in dieser Hinsicht erlassen.

Österreich verhängt Reisewarnung für NRW

Deutlich drastischere Schritte erwägt hingegen Österreich. Dort hat die Regierung eine partielle Reisewarnung für Nordrhein-Westfalen verhängt. "Vor allem unser Nachbarland Deutschland mit der Region Nordrhein-Westfalen hat gezeigt, wie schnell es zu einer weiteren dramatischen Situation kommen kann", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz nach einer Kabinettssitzung der Regierung. Der konservative Politiker ergänzte, er hoffe, dass es zu keiner Ausbreitung auf ganz Deutschland komme.

NRW-Ministerpräsident Laschet warnt: Menschen aus Gütersloh nicht stigmatisieren

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) warnte davor, Urlauber aus dem Kreis Gütersloh zu stigmatisieren. "Die Botschaft an alle, die jetzt auf Gütersloh schauen: Es sind außerhalb der Beschäftigten in der Fleischindustrie so gut wie keine Fälle bisher bekannt", sagte er am Dienstagabend in der ARD.

Bayern erlässt strenge Regeln für Besucher aus Corona-Risikogebieten

Bayerns Regierungschef Markus Söder (CSU) verteidigte die Beschränkungen für Urlauber aus Corona-Risikogebieten dagegen als unbedingt notwendige Sicherheitsmaßnahme für alle Beteiligten. "Wir möchten nicht, dass der Urlaub in Bayern für viele Leute unsicher wird", sagte er in der ARD und im Bayerischen Fernsehen.

In Bayern dürfen Beherbergungsbetriebe künftig keine Menschen mehr aufnehmen, die aus einem Landkreis einreisen, in dem die Zahl der Neuinfektionen in den zurückliegenden sieben Tagen bei mehr als 50 pro 100.000 Einwohner liegt. Ausnahmen soll es nur für jene geben, die einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen könnten. Im Kreis Gütersloh war die sogenannte 7-Tages-Inzidenz zuletzt auf einen Wert von weit über 200 gestiegen.

Corona-Tests werden in Gütersloh und Warendorf ausgebreitet

Mit Inkrafttreten der strengen Regeln werden in den Landkreisen Güterloh und Warendorf die Corona-Tests deutlich ausgeweitet. Laut Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sollen Bewohner und Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen, Mitarbeiter der Krankenhäuser, Beschäftigte im Lebensmitteleinzelhandel und Kioskpersonal durchgetestet werden. Das gilt auch für die Beschäftigten von Unternehmen und Subunternehmen, die zentrale Gemeinschaftsunterkünfte betreiben oder viele Werkvertragsarbeitnehmer beschäftigen.

Von 2000 aktuell durchgeführten Corona-Tests im Kreis Gütersloh ist nur einer positiv ausgefallen. Das sagte der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Donnerstag in einer Sondersitzung des Gesundheitsausschusses.

Rund 7.000 Tönnies-Mitarbeiter nach Corona-Ausbruch in Quarantäne

Alle Bürger der beiden Kreise sollen die Möglichkeit erhalten, sich kostenlos testen zu lassen. Mehr als 1500 Tönnies-Beschäftige sind nach bisherigen Angaben des Kreises Gütersloh nachweislich infiziert. Rund 7.000 Mitarbeiter wurden schon vor den Tests unter Quarantäne gestellt. Zudem wurden im Kreis Gütersloh schon vor Tagen alle Schulen und Kitas vorsorglich geschlossen.

Corona-Ausbruch bei Wiesenhof in Niedersachsen

Ein weiterer Corona-Ausbruch in einem Schlachthof wird aus Niedersachsen gemeldet. Mitarbeiter der PHW-Gruppe ("Wiesenhof") in Wildeshausen nach Angaben des Unternehmens positiv auf das Coronavirus getestet worden. Eine am Montag erfolgte Reihentestung habe bei 23 von 50 Mitarbeitern eine Infektion ergeben, sagte ein Sprecher des Landkreises. Der PHW-Gruppe zufolge sollen nun alle mehr als 1.100 Mitarbeiter des Schlachthofes getestet werden.

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fka/bua/news.de/dpa