03.11.2019, 15.35 Uhr

Christine Lagarde: Neue EZB-Chefin - Steigen nun die Zinsen?

Die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde

Die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde Bild: picture alliance/Boris Roessler/dpa

Acht Jahre lang hatte der Italiener Mario Draghi die Geschicke der Europäischen Zentralbank in der Hand. Immer wieder senkte er den Leitzins und kurbelte dadurch die Investitionen in der Eurozone an. Paradox: Viele Banken verlangen inzwischen auch von Privatkunden ab einer gewissen Spareinlage Negativzinsen. Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit brachte Draghi noch - gegen den Willen rund eines Drittels seiner Ratskollegen - ein Maßnahmenpaket gegen Konjunkturschwäche auf den Weg - mit noch höheren Strafzinsen für Banken.

Lagarde - Sie kann mit Geld umgehen

Die am 01. Januar 1956 in Paris geborene Juristin ist keine Unbekannte und Wunschkandidatin vieler EU-Staatschefs. In den Jahren 2007 bis 2011 holte der französische Premierminister François Fillon Lagarde als Finanz- und Wirtschaftsministerin in sein Kabinett. 2011 übernahm sie den geschäftsführenden Direktionsposten beim Internationalen Währungsfonds (IWF), den sie bis zuletzt inne hatte. Sie war bzw. ist in allen drei Positionen die erste Frau in diesem Sessel. 2016 wurde sie wegen des fahrlässigen Umgangs mit öffentlichen Geldern zwar verurteilt, allerdings erfolgte keine Strafe.

Gibt es endlich wieder Zinsen auf Erspartes?

Diese Frage kann kurz und bündig mit "Nein" beantwortet werden. Zum Ersten greift das Maßnahmenpaket Draghis noch eine ganze Zeit lang, zum Zweiten ist es gar nicht das Ziel der EZB. Lagarde soll den Euro zusammenhalten und damit die von ihrem Vorgänger begonnene Linie fortsetzen. Dem Zins kommt dabei keine wirklich große Bedeutung mehr zu. Gegen den Minuszins für Sparer jedoch werde sie Maßnahmen ergreifen - schließlich schade er mehr als er bringe, so die oberste Bankerin. Die Geldpolitik in der Eurozone müsse locker gehalten werden, versprach die 63-jährige bei ihrem Amtsantritt. Allerdings wird eine neue Brise in Frankfurt wehen: Lagarde kritisierte, dass es keine gemeinsame Fiskalpolitik und somit keinen gemeinsamen Haushalt in der Eurozone gebe sowie das Länder mit chronischen Budgetüberschüssen (wie Deutschland und die Niederlanden) ihre Ausgabenpolitik lockern sollten um dadurch Ungleichgewichte abzubauen. Beides allerdings sind die heiligen Kühe eines jeden Mitgliedsstaates.

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