01.11.2019, 09.25 Uhr

Zoff in der CDU: Personaldebatte kocht weiter! Wer wird Merkels Erbe?

Die schwere Niederlage der Christdemokraten bei der Landtagswahl in Thüringen hat den Machtkampf in der CDU neu entfacht.

Die schwere Niederlage der Christdemokraten bei der Landtagswahl in Thüringen hat den Machtkampf in der CDU neu entfacht. Bild: Jörg Carstensen / picture alliance / dpa

In der CDUmehren sich die Stimmen, die ein Ende der anhaltenden Personaldebatte fordern. "Ich halte überhaupt nichts davon, persönliche Differenzen öffentlich auszutragen", sagte Brandenburgs kommissarischer CDU-Landeschef Michael Stübgen der Deutschen Presse-Agentur. "Das schadet am Ende allen." Der hessische CDU-Generalsekretär Manfred Pentz warb am Donnerstag in Wiesbaden dafür, "respektvoll miteinander umzugehen und nicht öffentlich irgendwen anzupinkeln". Auch Generalsekretär Paul Ziemiak rief zur Geschlossenheit auf: "Die CDU braucht inhaltliche Debatten und nicht permanente Selbstbeschäftigung", sagte er der "Bild"-Zeitung.

CDU-Zoff nach Landtagswahl in Thüringen: Friedrich Merz giftet gegen Angela Merkel

Die schwere Niederlage der Christdemokraten bei der Landtagswahl in Thüringen hatte den Machtkampf in der Partei neu entfacht. Der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz bezeichnete das Erscheinungsbild der Bundesregierung als "grottenschlecht" und machte dafür vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verantwortlich.

Durch diese Aussagen zog Merz aber auch viel Kritik auf sich: "Mit dieser Art innerparteilicher Auseinandersetzung wird die CDU bei den niedrigen Zustimmungswerten der SPD landen", sagte der ehemalige CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz. Parteivize Thomas Strobl warnte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Wer sehen will, wohin quälende Selbstzerfleischung und endlose Selbstbeschäftigung führen, muss nur zur SPD schauen: ins Elend."

CDU-interne Rangeleien weiten sich aus

Zuvor hatte bereits Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther deutliche Kritik an Merz und an ähnlichen Äußerungen des früheren hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch geübt. "Ich glaube, dass hier ein paar ältere Männer, die vielleicht nicht das in ihrem Leben erreicht haben, was sie erreichen wollten, die Chancen nutzen möchten, alte Rechnungen zu begleichen", sagte Günther dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Dies rief wiederum die Senioren-Union auf den Plan. "Was soll der Hinweis auf das Alter?", fragte der Bundesvorsitzende Otto Wulff. "Darf jemand keine Kritik üben, nur weil er älter als 60 Jahre ist?"

Der Haushaltsexperte der Unionsfraktion, Eckhardt Rehberg, riet generell zur Zurückhaltung. "Sowohl die Jüngeren wie Herr Günther, aber auch die Älteren sollten einfach mal den Mund halten", sagte Rehberg der "Rhein-Neckar-Zeitung".

SPD tadelt Kritik an Angela Merkel als "unangemessen"

Rückendeckung bekam Merkel unterdessen vom Koalitionspartner. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) nannte Merz' Kritik "unangemessen" gegenüber der Kanzlerin. "Und es spricht nicht für jemanden, wenn einfach faktenfrei rumgepöbelt wird", ergänzte der Vizekanzler in der "Süddeutschen Zeitung". Auf diese Aussage reagierte die FDP wiederum mit Spott. Die "Sozialdemokratisierung der CDU" werde durch den Schulterschluss zwischen Kanzlerin und Vizekanzler überdeutlich, sagte FDP-Fraktionsvize Michael Theurer. "Die Union ist marktwirtschaftlich völlig entkernt und de facto zu einer weiteren sozialdemokratischen Partei geworden."

Kommt der nächste Kanzlerkandidat aus der CSU?

Für Verwunderung sorgten tags zuvor Gedankenspiele des CDU-Europapolitikers Elmar Brok, einen Kanzlerkandidaten aus der CSU aufzustellen. "Einiges spricht dafür, dass die Kanzlerkandidatur so geregelt wird wie schon zweimal in der Geschichte der Union", sagte Brok dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Aus dem CSU-Vorstand in München hieß es allerdings, die Frage stelle sich in der aktuellen Lage nicht. "Die CSU muss jetzt noch mehr Sachthemen voranbringen und als Stabilitätsanker agieren - für die Union und für die große Koalition."

AKK, Laschet, Merz oder Spahn: Wer wird CDU-Kanzlerkandidat und Merkel-Erbe?

Neben Friedrich Merz gibt es weitere Akteure in der CDU, die Angela Merkel gern als Kanzlerkandidat beerben würden. Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich die Kanzlerkandidatur als Parteichefin auf die Fahnen geschrieben - doch geht es nach CDU-Mitgliedern wie Friedrich Merz, Jens Spahn oder Armin Laschet, soll dies möglichst verhindert werden. Als Kanzlerkandidatin müsste Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Posten als Parteichefin nämlich wieder räumen - eine Veränderung, die innerhalb der CDU laut "Bild"-Analyse ungewünschte Unruhe fabrizieren würde.

Wer anstelle von AKK jedoch den Posten des Kanzlerkandidaten besetzen könnte, darüber herrscht derzeit Unklarheit. In jedem Fall müsste der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Angela Merkel die Zustimmung von CSU-Chef Markus Söder haben.

 

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loc/news.de/dpa
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