14.04.2018, 22.16 Uhr

Alliierte-Angriffe auf Chemie-Waffenlager in Syrien:      +++ Samstag, 14. April 2018, 16.51 Uhr: Menschrechtler - Nicht alle US-Geschosse trafen Ziele in Syrien+++

Die USA und ihre Verbündeten haben Ernst gemacht.

Die USA und ihre Verbündeten haben Ernst gemacht. Bild: dpa

Entgegen der Darstellung des US-Verteidigungsministeriums haben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge nicht alle US-Geschosse ihre Ziele in Syrien getroffen. Die Einschätzung des Pentagon sei nicht korrekt, sagte der Leiter der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Einige der Geschosse hätten ihre Ziele getroffen, andere nicht.

Das Pentagon hatte zuvor mitgeteilt, man sei zuversichtlich, dass alle Flugkörper ihre Ziele getroffen hätten.

Das russische Verteidigungsministerium hatte am Morgen gemeldet, dass die syrische Luftabwehr zwölf Geschosse im Anflug auf den Militärflughafen Dumair bei Damaskus abgefangen habe. Die Beobachtungsstelle bestätigte, dass "Raketen" abgefangen worden seien und kein Geschoss in Dumair eingeschlagen sei. Die USA meldeten zunächst nicht, den Flugplatz ins Visier genommen zu haben. Russlands Angaben zufolge wurden insgesamt 71 von 103 Marschflugkörpern abgeschossen.

Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte bezieht ihre Informationen von einem Netz von Informanten in Syrien und hat sich in der Vergangenheit als weitgehend verlässlich erwiesen.

+++ Samstag, 14. April 2018, 15.50 Uhr: Das sagt US-Präsident Trump bei Twitter+++

"Ein perfekt ausgeführter Schlag letzte Nacht. Danke an Frankreich und das Vereinigte Königreich für ihre Klugheit und die Macht ihres glänzenden Militärs. Hätten kein besseres Ergebnis haben können. Mission beendet!"

+++ Samstag, 14. April 2018, 14.55 Uhr: UN-Sicherheitsrat tagt nach Angriff in Syrien +++

Nach dem Militärangriff der USA, Frankreichs und Großbritanniens in Syrien wird der UN-Sicherheitsrat noch am Samstag zusammenkommen. Die Sitzung sei auf Bitten Russlands einberufen worden, teilte die peruanische Ratspräsidentschaft mit. Das Treffen soll demnach um 11.00 Uhr (Ortszeit/17.00 Uhr MESZ) beginnen.

+++Samstag, 14. April 2018, 14.50 Uhr: Welche Waffensysteme in Syrien zum Einsatz kamen +++

MARSCHFLUGKÖRPER: Anders als ballistische Raketen sind sie mit eigenem Antrieb unterwegs. Die Cruise Missiles treffen ein zuvor programmiertes Ziel automatisch. Gängiges Modell des US-Militärs ist der auf Schiffen stationierte "Tomahawk", der auch im Golfkrieg 1991 und 2003 im Irak zum Einsatz kam. Reichweite: bis zu 2500 Kilometer.

- Briten und Franzosen setzen auf ein gemeinsam entwickeltes Modell mit Namen "Storm Shadow" oder "Scalp". Es kann von Kampfjets wie dem Tornado oder der französischen Rafale abgefeuert werden.

FLUGZEUGE: Weitere Marschflugkörper feuerten die USA nach eigenen Angaben von vierstrahligen B-1-Bombern ab. Großbritannien war mit mehreren Tornados am Militärschlag beteiligt, der Kampfjet ist seit 1981 auch bei der Bundeswehr im Einsatz. Die Franzosen setzten insgesamt neun Jagdbomber vom Typ Rafale und Mirage sowie Luftaufklärer und Tankflugzeuge ein.

SCHIFFE: Mindestens ein im Roten Meer stationiertes Kriegsschiff der US-Marine war nach Medienberichten an den Luftschlägen beteiligt, die Zerstörer können Dutzende Cruise Missiles transportieren.

+++ Samstag, 14. April 2018, 14.45 Uhr: Nato-Generalsekretär Stoltenberg unterstützte Vorgehen +++

Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg unterstützte das Vorgehen: "Das wird die Fähigkeiten der Führung einschränken, weiter die Menschen in Syrien mit chemischen Waffen anzugreifen." Die Europäische Union steht nach Aussage von EU-Ratspräsident Donald Tusk ebenfalls hinter seinen Verbündeten. "Die Angriffe der USA, Frankreichs und Großbritanniens machen deutlich, dass das syrische Regime zusammen mit Russland und dem Iran nicht mit dieser menschlichen Tragödie fortfahren kann, zumindest nicht ohne Folgen", twitterte Tusk. "Die EU wird mit ihren Verbündeten auf der Seite der Gerechtigkeit stehen."

+++ Samstag, 14. April 2018, 12.40 Uhr: Flughafen, Forschungszentrum, Depot: Die Ziele des Syrien-Angriffs +++

MILITÄRFLUGHAFEN DUMAIR: Dem russischen Verteidigungsministerium zufolge wurde der Militärflughafen Dumair östlich von Damaskus angegriffen. Die syrische Luftabwehr habe aber alle zwölf Geschosse abgefangen, hieß es in Moskau. 

FORSCHUNGSZENTRUM IN BARSAH: Ein Gebäude der Forschungseinrichtung nördlich von Damaskus wurde der syrischen Armeeführung zufolge beschädigt. In Barsah ist eine Zweigstelle der staatlichen Zentrums für wissenschaftliche Studien und Forschung untergebracht. Es soll laut Medienberichten Chemiewaffen entwickelt haben.

LAGERSTÄTTE IN SCHIEN: In dem Depot westlich der Stadt Homs in Zentralsyrien lagerte dem Generalstabschef des US-Militärs, Joseph Dunford, zufolge der chemische Kampfstoff Sarin. Nach US-Angaben soll es sich auch um eine Kommandozentrale gehandelt haben.

+++ Samstag, 14. April 2018, 12.25 Uhr:Trotz Syrien-Angriff: Macron reist nach Russland +++

Trotz der Luftschläge gegen syrische Einrichtungen bleibt es bei der geplanten Reise des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron nach Russland Ende Mai. Der Besuch des Internationalen Wirtschaftsforums in Sankt Peterburg sei davon nicht in Frage gestellt, sagte der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian am Samstag dem Fernsehsender BFMTV.

Macron wurde von Präsident Wladimir Putin zu dem Wirtschaftsform geladen, das am 24. und 25. Mai stattfindet.

+++ Samstag, 14. April 2018, 11.45 Uhr:USA, Frankreich, Großbritannien wollen Nato über Syrien informieren +++

Die USA, Frankreich und Großbritannien wollen nach den Angriffen in Syrien ihre Nato-Partner am Samstag in einer Sondersitzung informieren. Der Nordatlantikrat - das oberste Entscheidungsgremium der Nato - werde am Nachmittag zusammenkommen, verlautete aus Nato-Kreisen in Brüssel. Das Gremium trifft sich in der Regel einmal pro Woche auf Ebene der Botschafter und etwa halbjährlich auf Ebene der Außen- und Verteidigungsminister.

+++ Samstag, 14. April 2018, 11.15 Uhr:Irans Führer nennt Trump, Macron und May "Verbrecher" +++

Irans oberster Führer Ali Chamenei hat die Angriffe der USA, Frankreichs und Großbritanniens auf Ziele in Syrien scharf verurteilt. "Ich sage es ganz offen: Die Angriffe waren ein Verbrechen und die drei an den Angriffen beteiligten Regierungschefs sind dementsprechend Verbrecher", sagte der Ajatollah am Samstag. Doch wie bei den Verbrechen der letzten Jahre werde auch dieses ihnen nichts bringen, sagte der Führer laut Nachrichtenagentur Isna.

Das iranische Außenministerium verurteilte die Angriffe als klaren Verstoß gegen internationales Recht und Verletzung der territorialen Integrität Syriens. Der Iran verurteile jeglichen Einsatz chemischer Waffen. Das Thema hätte aber nicht als Vorwand für militärische Angriffe auf einen Mitgliedsstaat der Vereinten Nationen genutzt werden dürfen, teilte das Außenministerium mit.

+++ Samstag, 14. April 2018, 11 Uhr: Merkel zu Syrien: Militäreinsatz war erforderlich und angemessen +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Angriffe der drei Westmächte auf Ziele in Syrien unterstützt. "Der Militäreinsatz war erforderlich und angemessen, um die Wirksamkeit der internationalen Ächtung des Chemiewaffeneinsatzes zu wahren und das syrische Regime vor weiteren Verstößen zu warnen", erklärte die Kanzlerin am Samstag.

Ziel der gezielten Luftschläge sei es gewesen, "die Fähigkeit des Regimes zum Chemiewaffeneinsatz zu beschneiden und es von weiteren Verstößen gegen die Chemiewaffenkonvention abzuhalten". Die Kanzlerin weiter: "Wir unterstützen es, dass unsere amerikanischen, britischen und französischen Verbündeten als ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrats in dieser Weise Verantwortung übernommen haben." Merkel rief dazu auf, "einer Erosion der Chemiewaffenkonvention" entgegenzuwirken. "Deutschland wird alle diplomatischen Schritte in diese Richtung entschlossen unterstützen."

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