02.01.2017, 10.14 Uhr

Nach Silvester-Anschlag mit 39 Toten: IS bekennt sich zu Terror-Attacke in Istanbul - 2 Deutsche tot, 2 verletzt, 8 Verdächtige festgenommen

Türkische Polizisten sperren am 01.01.2017 eine Straße zu einem Nachtclub in Istanbul ab, in dem es in der Silvesternacht bei einem Terrorangriff mindestens 35 Tote gab.

Türkische Polizisten sperren am 01.01.2017 eine Straße zu einem Nachtclub in Istanbul ab, in dem es in der Silvesternacht bei einem Terrorangriff mindestens 35 Tote gab. Bild: Halit Onur Sandal / AP / picture alliance / dpa

Das Ziel des Terrorangriffs in Istanbul in der Silvesternacht war ein mondäner Tanzclub, die Bluttat trug die Handschrift der Terrormiliz IS. Deren Anführer hatte zuvor bereits zu Anschlägen in der Türkei aufgerufen. Nun hat sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) offen zu dem verheerenden Anschlag, der 39 Menschenleben forderte, bekannt.

+++ 02.01., 22:27 Uhr: Razzia in Istanbul +++

Nach dem Anschlag auf den Nachtclub "Reina" hat die türkische Polizei in einem Wohnviertel Zeytinburnu eine Razzia durchgeführt, wie "Focus" berichtet. Die Beamten sollen einen Tipp erhalten haben, dass sich dort ein Verdächtiger aufhalten könnte. Die Polizei durchsuchte das Gebiet am Montagabend mit einem Helikopter.

+++ 02.01., 12:54 Uhr: 8 Festnahmen nach Terroranschlag +++

Medienberichten zufolge hat die Polizei in Istanbul 8 Verdächtige festgenommen. Ebenso wird von türkischen Medien berichtet, dass der gesamte Angriff nur 7 Minuten gedauert haben soll und insgesamt 180 Kugeln verschossen wurden.

+++ 02.01., 12:02 Uhr: Zweiter Deutscher unter den Todesopfern +++

Das Auswärtige Amt in Berlin meldet inzwischen ein zweites deutsches Todesopfer. "Wir gehen davon aus, dass zwei der Todesopfer aus Deutschland kamen, das heißt also hier ihren festen Wohnsitz hatten", sagte ein Sprecher am Montag in Berlin. Einer habe sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsangehörigkeit. "Bei dem anderen gehen wir derzeit davon aus, dass er nur einen türkischen Pass besitzt." Beide hätten in Bayern gewohnt. Außerdem seien drei deutsche Staatsangehörige bei dem Anschlag verletzt worden. "Sie sind in guter medizinischer Behandlung und außer Lebensgefahr."

Erstes Bild vom Blutbad in Istanbuler Nachtclub "Reina"

Die Behörden haben in zwischen auch die Bilder der Überwachungskamera aus dem beliebten Nachtclub am Bosporusufer in Augenschein genommen. Der Moment des Angriffs konnte festgehalten werden.

Der Moment des Angriffs im Nachtclub

Der Moment des Angriffs im Nachtclub "Reina" in Istanbul Bild: picture alliance / --/Haberturk Newspaper/ap/dpa

IS bekennt sich zu Silvesteranschlag in Istanbul

Ein "Soldat des Kalifats" sei für die Tat verantwortlich, heißt es in einer am Montag im Internet verbreiteten Erklärung des IS. Der IS hat in Teilen des Iraks und Syriens ein Kalifat ausgerufen.Die Echtheit des Bekennerschreibens ließ sich zunächst nicht überprüfen.

In dem Bekennerschreiben hieß es: "In Fortsetzung der gesegneten Operationen des Islamischen Staates gegen die Beschützerin des Kreuzes, die Türkei, hat einer der heldenhaften Soldaten des Kalifats gegen den berühmten Nachtclub zugeschlagen, wo die Nazarener (Christen) ihr polytheistisches Fest feiern. Er hat sie mit Handgranaten und seiner automatischen Waffe angegriffen und ihre Feiern in Trauer umgewandelt."

Der Angreifer hatte das Feuer mit einer automatischen Waffe eröffnet. Von einem Einsatz von Handgranaten bei dem Angriff ist von offizieller Seite bislang nichts bekannt.Bei dem Terrorangriff auf eine Silvesterfeier in dem bekannten Club Reina waren 39 Menschen getötet worden, darunter mindestens 26 Ausländer. Die meisten der nicht-türkischen Todesopfer stammten aus arabischen Ländern.Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete in der Nacht zu Montag unter Berufung auf Quellen im Justizministerium, zwölf der bislang 38 identifizierten Toten seien Türken gewesen. Eines dieser zwölf türkischen Opfer habe zusätzlich die belgische Staatsbürgerschaft besessen.

Mindestens ein deutsches Todesopfer nach Terror-Anschlag in Istanbul, Zwei Deutsche verletzt

Einem Bericht des "Bayerischen Rundfunks" zufolge wurde bei dem Terror-Anschlag auch ein 26 Jahre alter Mann aus Bayern getötet. Das Opfer stamme, so sagte ein Sprecher der Polizei Oberbayern-Nord, aus dem Kreis Landsberg am Lech. Angehörige des Anschlagsopfers sollen demnach unterwegs in die Türkei sein, um den Mann zu identifizieren.

Die meisten der getöteten Ausländer stammten aus arabischen Ländern, wie Anadolu meldete. Darunter seien alleine sieben Saudis gewesen, die nach Istanbul gereist waren, um Silvester zu feiern. Je drei Tote stammten aus dem Libanon und dem Irak, je zwei aus Tunesien, Marokko, Jordanien und Indien. Jeweils ein Opfer sei aus Kuwait, Kanada, Israel, Syrien und Russland gewesen. Einer der 39 Toten sei bislang nicht identifiziert worden.

Bei dem Angriff waren nach dem Anadolu-Bericht außerdem mindestens 69 Menschen verletzt worden, darunter auch mehrere Ausländer. Nach Informationen der "Bild" sollen zwei Freunde aus Dortmund wurden bei dem Terroranschlag verletzt worden sein. Einer davon lebensgefährlich, er wurde bereits notoperiert. Der Zweite erlitt einen Streifschuss. Das Ministerium bemühe sich mit Hochdruck um Aufklärung und stehe dazu in engem Kontakt mit den türkischen Behörden, hieß es.

Blutige Terrorattacke in Istanbul: 39 Menschen in Nachtclub getötet

Mindestens ein bewaffneter Angreifer war kurz nach Anbruch des neuen Jahres in den exklusiven Club am Bosporusufer eingedrungen und hatte wahllos das Feuer auf Hunderte Feiernde eröffnet. Die Tatsache, dass der Angriff einem mondänen Club galt, in dem auch Ausländer verkehren, hatten Beobachter in der Türkei als Hinweis auf einen islamistischen Hintergrund gewertet.

Attentäter von Istanbul weiter auf der Flucht

Unterdessen geht die Suche nach dem oder den Tätern weiter. Ministerpräsident Binali Yildirim verwies lediglich auf eine intensive und koordinierte Fahndung der Sicherheitsbehörden. Sie arbeiteten mit Hochdruck daran, die Identität des Täters festzustellen. Es könne sein, dass der Angreifer seine Waffe im Club gelassen und sich im Tumult unter die Flüchtenden gemischt habe.

Mindestens ein bewaffneter Angreifer war am Sonntagmorgen kurz nach Anbruch des neuen Jahres in den exklusiven Club am Bosporusufer eingedrungen und hatte minutenlang wahllos auf Hunderte von Feiernden geschossen.

Der Zeitung "Hürriyet" zufolge waren am Silvestertag acht Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Ankara festgenommen worden, die einen Anschlag in der Nacht geplant haben sollen. Türkische Truppen sind derzeit in Nordsyrien in heftige Gefechte mit dem IS verwickelt.

Nach dem türkischen Einmarsch im August in Syrien hatte der Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, im November zu Anschlägen in der Türkei aufgerufen. Türkische Truppen liefern sich in der nordsyrischen Region um die Stadt Al-Bab seit einiger Zeit heftige und verlustreiche Gefechte mit IS-Kämpfern. Der IS beherrscht Al-Bab.

Nach Anschlag von Istanbul: Erdogan ruft zu Kampf gegen den Terrorismus auf

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kündigte nach dem Anschlag in der Silversternacht an, weiter entschlossen gegen den Terrorismus zu kämpfen. Die Türkei werde alles tun, um "die Sicherheit und den Frieden ihrer Bürger zu gewährleisten". International wurde die Bluttat scharf verurteilt. Bereits 2016 hatte die Türkei eine ganze Reihe verheerender Anschläge erlebt.

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loc/rut/koj/news.de/dpa
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