25.07.2016, 12.42 Uhr

Herrmann und Bausback über Ansbach: Die gefährlichen Bemerkungen der bayerischen Minister

Joachim Herrmann bei der Pressekonferenz in Ansbach. Zusätzlich zu den bisherigen Fakten spendierte der bayerische Innenminister auch gleich noch seine persönliche Einschätzung.

Joachim Herrmann bei der Pressekonferenz in Ansbach. Zusätzlich zu den bisherigen Fakten spendierte der bayerische Innenminister auch gleich noch seine persönliche Einschätzung. Bild: dpa

Von news.de-Volontär Eric Mittmann

Es ist bereits die dritte Bluttat in Bayern innerhalb weniger Tage: Ein Bombenanschlag bei einem Musikfestival im fränkischen Ansbach am Sonntagabend. Der mutmaßliche Täter, ein 27-jähriger Syrer, hatte versucht, auf das Konzertgelände zu gelangen, war daran aber gehindert worden. Kurz darauf sprengt er sich mit einer Bombe versteckt in seinem Rucksack in die Luft. Bei der Detonation werden zwölf weitere Menschen verletzt, drei davon schwer.

Bei den darauf folgenden Ermittlungen stellt sich heraus: Der Attentäter lebte schon seit zwei Jahren in Deutschland, hatte bereits zwei Selbstmordversuche unternommen und war mehrfach in psychiatrischer Behandlung. So weit die Fakten.

Bombenattentat in Ansbach: "Meine persönliche Einschätzung ist..."

Was Bayerns Innenminister auf einer ersten Pressekonferenz dann dazudichtet und zahlreiche Medien nun glücklicherweise noch zum Teil unter Vorbehalt verbreiten, ist Folgendes:

  • "Meine persönliche Einschätzung ist, dass ich es leider für sehr naheliegend halte, dass hier ein echter islamistischer Selbstmordanschlag stattgefunden hat."
  • Ein Zusammenhang mit der Terrormiliz Islamischer Staat ist "auf jeden Fall nicht auszuschließen."
  • "Die offensichtliche Absicht, mehr Menschen zu töten, weist zumindest auf einen islamistischen Hintergrund hin."
  • Er sei entsetzt, dass der Asylschutz menschenverachtend missbraucht werde, sagte der CSU-Politiker. "Das ist ungeheuerlich." Es müsse alles unternommen werden, dass derartiges Verhalten nicht weiter um sich greife.

Und weil ein reaktionärer Politiker noch nicht genug ist, schließt sich auch noch Bayerns Justizminister Winfried Bausback den Verlautbarungen seines Kollegen an und veröffentlicht kurzerhand über seinen Facebook-Account: "Würzburg u. - da teile ich die Einschätzung von Joachim Hermann - wohl auch Ansbach zeigen, dass der islamistische Terror Deutschland erreicht hat." Immerhin eines muss man dem Herrn Justizminister hierbei gutheißen: Er hat schon mal erkannt, dass es sich nur um eine "Einschätzung" seines Kollegen handelt.

Selbstmordanschlag in Ansbach: Ein Syrer sprengt sich in die Luft? Das kann doch nur der IS sein!

An der Bedeutung der von den Ministern geäußerten Worte ändert dies allerdings nur wenig. Statt sich auf Fakten zu konzentrieren (oder es im Falle von Bausback bei Kondolenzbekundungen zu belassen) wird hier freudig die eigene Meinung eingeflochten und drauflos spekuliert, was das Zeug hält. Das ist bisweilen nicht nur unnütz, wie bereits die Kanzlerin während der Böhmermann-Affäre folgerichtig feststellte, sondern gerade in einer solchen Situation auch brandgefährlich.

Statt für Ruhe zu Sorgen wird hier versucht, sich das bereits ohnehin nach den vergangenen Wochen angeheizte Klima - Nizza, Würzburg und München - zunutze zu machen und das unter anderem auch von einem Politiker, der sich bereits in der Vergangenheit immer wieder kritisch gegenüber Themen wie der Flüchtlingspolitik positioniert hat. Ein Syrer sprengt sich vor einem Konzertgelände in die Luft und wollte wohl auch so viele Menschen wie möglich mit sich in den Tod reißen? Das kann ja nur der IS sein! Klar, genau so sehr, wie Anders Behring Breivik der Terrororganisation angehört oder Ali David S. für sie mordete. Ach nein, das taten sie ja gar nicht.

Verlautbarungen zum Ansbach-Anschlag: Ein wenig Contenance bitte!

Klar würde ein solcher Zusammenhang das Weltbild dieser Herren stützen. Darüber haben sich am Freitag schließlich auch so einige AfD-Politiker gefreut, nur sind die mit ihren widerlichen Vermutungen dann ganz schnell ins Wasser gefallen. Vielleicht ist es gerade in einem solchen Fall aber auch eher etwas angebracht, ein wenig Contenance zu bewahren - wie es Münchens Polizeisprecher Marcus da Gloria getan hat -und auf die Fakten zu warten. Die Situation ist schließlich auch so schon tragisch genug. Da muss man sie nicht noch durch stumpfen Populismus unnötig schlimmer machen.

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mie/zij/news.de
Themen: Ansbach, Bayern