18.02.2016, 11.27 Uhr

Alternative für Deutschland:   Lesen Sie hier: Die bürgerliche Fassade bröckelt: Die AfD und die Flüchtlingskrise.

Anhänger der rechtspopulistischen

Anhänger der rechtspopulistischen "Alternative für Deutschland" bei einer Kundgebung der Partei am 18. November 2015 in Erfurt. Bild: dpa

Flüchtlingskrise wird der AfD weitere Wähler zutreiben

Denn jetzt ist es nicht mehr die Eurorettung, sondern Merkels Handeln in der aktuellen Flüchtlingskrise, welches die AfD attackiert. Laut aktuellem ARD-Deutschlandtrend denken 81 % der Befragten, die Bundesregierung habe diese nicht im Griff. Diese Ängste schlachtet Petrys Partei für sich aus und verspricht mit ihrer Abschottungspolitik einfache Lösungen: Um Flüchtlinge an den Grenzen zu stoppen, müsse man "auch von der Schusswaffe Gebrauch machen", so Petry in ihrem skandalösen Interview mit dem "Mannheimer Morgen". Wenig später hatte ihre Kollegin Beatrix von Storch nachgeschoben, dies gelte selbstverständlich auch für Frauen und Kinder.

Die bürgerliche Fassade bröckelt

Seit Mitte 2015 Parteichefin der AfD: Frauke Petry.

Seit Mitte 2015 Parteichefin der AfD: Frauke Petry. Bild: dpa

In ganz Europa bedienen sich rechte Parteien in verwandter Weise denselben Ängsten ihrer jeweiligen Bevölkerung, sei es Marine Le Pens französischer "Front National" oder die belgische Partei "Vlaams Belang": Ängste vor allem Fremden und Neuen werden geschürt. Gleichzeitig wird versucht, die rechtsextremen Stimmen in der eigenen Partei zu entschuldigen und eine bürgerliche Fassade aufrecht zu erhalten.

"Rechtsradikale und Scharfmacher"

Immer wieder wird geschrieben, die AfD sei eine Partei rechts von der CDU und Letztere müsse sich durch ihre "Sozialdemokratisierung" unter Angela Merkel den Aufstieg der selbst ernannten Alternative selbst zuschreiben. Doch diese Diagnose greift zu kurz, wie spätestens jetzt jeder Beobachter erkennen müsste. Denn die AfD ist eine "gefährliche Partei", wie der "Spiegel" in der letzten Woche schrieb, denn sie versammelt auch "Rechtsradikale und Scharfmacher, die zündeln und hetzen." Ihre Existenz werfe 70 Jahre nach dem Kriegsende die Frage auf, "was Deutschland aus der Diktatur gelernt und verstanden hat: dass Hass auf Fremde in Demokratien keinen Platz haben sollte, dass europäische Werte und Gesetze bindend sind, dass das Recht auf Asyl nicht verhandelbar ist, dass auch auf Menschen, die illegal die Staatsgrenze überqueren, nicht geschossen wird", so das Nachrichtenmagazin.

Die Geister, die die AfD rief

Vom früheren Europrotest ist also wenig geblieben. Pegida wird hofiert und Ängste vor Flüchtlingen werden geschürt. Gleichzeitig nehmen auf der Straße Angriffe auf Migranten und Asylbewerberheime in erschreckendem Maße zu. Auch wenn kein direkter kausaler Zusammenhang aufgezeigt werden kann, so scheint die Rhetorik der AfD dem rechten Extremismus auf der Straße immerhin zur Legitimation zu gereichen. Gewinnen die radikalen Kräfte innerhalb der jetzt schon ur-reaktionären Partei weiter an Einfluss, so wird sie sich zum parlamentarischem Arm der Gewalttäter auf der Straße entwickeln.

Alexander Gauland sagte einmal, wer die AfD verstehen wolle, der müsse die "Junge Freiheit" lesen. Eines scheint sicher: Kein deutscher Politiker der etablierten Parteien darf es sich immer noch leisten, die AfD weiterhin zu ignorieren oder sich gar zu weigern, mit ihren Vertretern an einem Tisch zu sitzen. All dies wird der Partei nur noch weiteren Wählerzulauf bescheren.

Auch interessant: DJ Paul van Dyk will AfD verbieten, seine Songs zu verwenden.

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lid/sam/news.de
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