29.06.2014, 08.00 Uhr

A.C.A.B.: Warum auch viele Linke nichts von A.C.A.B. halten - und wie es zum A.C.A.B.-Wasserwerfer kam

Wenn Linke demonstrieren, darf A.C.A.B. nicht fehlen.

Wenn Linke demonstrieren, darf A.C.A.B. nicht fehlen. Bild: dpa

Genau wie das Tucholski-Zitat «Soldaten sind Mörder», das das Bundesverfassungsgericht 1995 als nicht strafbar einstufte, richte sich All Cops Are Bastards nicht gegen eine klar abgrenzbare Personengruppe, sondern ein unüberschauberes Kollektiv, urteilte im Jahr 2000 das Gericht im Berliner Tiergarten, andere Gerichte schlossen sich der Interpretation an. Polizei-Klage abgewiesen - lediglich bei direkter Ansprache oder Fingerzeig auf konkrete Beamten kam es zu Geldstrafen wegen Beleidigung.

Gericht entscheidet erstmals pro Polizei: A.C.A.B. kostet 600 Euro wegen Beleidigung

Doch die Polizei lässt nicht locker und geht den Weg durch die Instanzen: Ende Mai stufte nun das Oberlandesgericht Karlsruhe ein A.C.A.B-Plakat im Fußballstadion als Beleidigung ein, 600 Euro Geldstrafe muss der Verfasser berappen.

All Colours Are Beautiful

Ein Triumph für die Gewerkschaft der Polizei, die schon von einer Grundsatzentscheidung spricht - die der Beschluss eigentlich nicht ist. Doch auch die Linke steht dem plakativen A.C.A.B. kritisch gegenüber. Längst haben sich auch Rechtsextreme das Kürzel angeeignet, gern abgewandelt als A.J.A.B. - Alle Juden sind Bastards. Die Vermarktungsrechte an A.C.A.B. hielt bis 2007 zehn Jahre lang der Klamottenhersteller Troublemaker, der vor allem in die rechte Szene verkauft. Reflektierte Linke finden A.C.A.B. ohnehin ein wenig dünnbrettig - die Webseite no-nazi.net schlägt daher vor, lieber die Alternativ-Übersetzung All Coulors Are Beautiful zu denken - oder es ganz zu lassen.

Subkultur in Reinform: St.Pauli-Fans fahren A.C.A.B.-Wasserwerfer auf

Aber A.C.A.B. ist eben auch für witzige Aktionen zu haben. Zum Beispiel in Form des alten polnischen Wasserwerfers, den linksorientierte St. Pauli-Fans Anfang der 2010 in Aachen anmeldeten - Wasserwerfer natürlich als Parodie auf die von der Polizei gegen Demonstranten eingesetzten Fahrzeuge. Sie schafften es, auf dem Nummernschild des riesigen Fahrzeugs das Aachener Ortskennzeichen AC mit AB 1910 (das Jahr, in dem St. Pauli gegründet wurde) zu ergänzen. Doch der Einsatz beim Spiel Alemannia Aachen gegen Pauli wurde ACAB 1910 verboten und der A.C.A.B.-Wasserwerfer ist inzwischen Geschichte. Die griffigen Buchstaben allerdings werden wir so schnell nicht los.

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iwi/loc/news.de
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