26.02.2014, 15.19 Uhr

«Der neue Tugendterror»: Seite 2: Gegen politische Korrektheit

Gleichheitspostulat führt zur Verzerrung der Wirklichkeit

Daran hätten vor allem die Medien- und die Politikerklasse kein Interesse, stellt Sarrazin fest. Sie frönten einer Gleichheitsideologie, die Kern des Tugendterrors sei. «Die Ideologie (oder Religion) der Gleichheit erklärt alle sich manifestierenden Unterschiede in den Leistungen und im materiellen Erfolg von Individuen und Gruppen zum Ausfluss von Ungerechtigkeit, letztlich zum Ergebnis des Bösen», so der Autor.

Das Resultat: eine Verzerrung der Wirklichkeit, undifferenziertes Gejammer über angebliche Diskriminierung und eine politische Korrektheit, die die Reformfähigkeit einer Gesellschaft hemmt statt beflügelt. Kurz gesprochen: Laut Sarrazin stehen wir uns selbst im Weg. Weil wir uns selbst zensieren. Weil wir kuschen vor dem Meinungsdiktat der Mächtigen.

Sarrazin rechnet mit seinen Kritikern ab

Seine Beobachtungen untermauert der umstrittene Autor mit politischen Theoretikern wie Macchiavelli, Kommunikationswissenschaftlern wie Elisabeth Noelle-Neumann und historischen Schlaglichtern wie der Französischen Revolution. Den wohl prominentesten Beleg für den neuen Tugendterror aber sieht Sarrazin wohl bei sich selbst, in der Reaktion der Medien und Politik auf sein Buch «Deutschland schafft sich ab».

Reaktionen auf das neue Buch
Thilo Sarrazin
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Ein ganzes Kapitel widmet er seinen eigenen Erfahrungen mit der «Meinungsherrschaft» - und rechnet ab mit seinen Gegnern. Sie verdrehten seine Thesen und verstünden ihn permanent falsch, aus Unvermögen oder mit Absicht. Und zwar, um jenen Konsensregeln gerecht zu werden, die Sarrazin als ursächlich für den Tugendterror ansieht.

Der Unruhestifter gegen die Schönfärber

«Beleidigt hatte ich das Weltbild der Verharmloser und Schönfärber im harmoniefreudigen Müsli-Milieu», in dem er als Unruhestifter erschien. Aus seiner Verachtung gegenüber diesen Verharmlosern und Schönfärbern macht er keinen Hehl. «Ich glaube, dass aktuell eine herrschsüchtige, ideologisierte Medienklasse ganz informell und ohne großen Plan zusammenwirkt mit einer opportunistischen und geistig recht wenig profilierten Politikerklasse», schreibt er.

Seiten: 123
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