07.04.2021, 13.35 Uhr

Intensivbetten in Deutschland 2021: 9.000 Intensiv-Betten einfach "verschwunden"! DAS steckt dahinter

Auf der Intensivstation vom Universitätskinikum Leipzig wächst die Zahl der Corona-Erkrankten mit schweren Verläufen.

Auf der Intensivstation vom Universitätskinikum Leipzig wächst die Zahl der Corona-Erkrankten mit schweren Verläufen. Bild: dpa

Seit Beginn der Corona-Pandemie warnen Experten vor einer Überlastung des Gesundheitssystems. Doch während die Zahl der Patienten mit schweren Covid-19-Verläufen in deutschen Krankenhäusern wieder ansteigt, werden die zur Verfügung stehenden Intensivbetten immer weniger.

9.000 Betten weniger! Dramatische Entwicklung bei Intensivbetten in Deutschland

Im Sommer 2020 meldete die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung der Intensiv- und Notfall-Mediziner (DIVI) täglich noch mehr als 32.000 verfügbare Betten. Mittlerweile sind es nur noch 23.000. Doch die Betten sind nicht einfach so verschwunden. Der Rückgang der verfügbaren Betten liegt an fehlendem Personal, schreibt die "Bild". 

"In der ersten Corona-Welle wurde diese Personaluntergrenze außer Kraft gesetzt. Seit 1. August 2020 galt sie jedoch wieder, zum 1. Januar 2021 wurde sie dann noch mal verschärft. An sich ist das gut, da es den Pflegekräften mehr Zeit gibt, sich um Patienten zu kümmern. Die Kehrseite ist jedoch: Betten, für die es kein Personal gibt, müssen 'gesperrt' werden", sagt Nina Meckel, Sprecherin des Intensiv-Registers, gegenüber der "Bild".

Seit dem 1. Januar 2021 gilt nämlich ein verschärfter Pflege-Schüssel. Demnach darf jede Pflegekraft höchstens für zwei Betten am Tag oder drei Betten in der Nacht verantwortlich sein. Zuvor lag der Wert jemals um 0,5 höher. Zudem fielen in der zweiten Welle Kapazitäten durch Krankheit aus. "Die Stationen konnten schlicht nicht mehr besetzt werden", erklärt Meckel weiter. Jede krank gemeldete Pflegekraft bedeutet 2,5 Betten weniger in der Statistik.

Dringender Appell an die Politik: Arbeitsbedingungen von Pflegekräften müssen sich dringend verbessern

Außerdem stünden derzeit keine Notfall-Reserven zur Verfügung. Die gibt es nämlich erst, wenn Kliniken komplett auf Notbetrieb umstellen, schreibt die "Bild". Dafür müssten andere Patienten entlassen und geplante Operationen verschoben oder abgesagt werden. "Viele Kräfte halten durch – weil sie sehen, dass sie derzeit besonders gebraucht werden. Wir sehen aber auch, dass Pflegekräfte aus dem Beruf aussteigen, weil die Belastung nach einem Jahr Ausnahmezustand zu hoch wird", weist Meckel auf eine dramatische Entwicklung hin. Die Arbeitsbedingungen und Bezahlung von Pflegekräften müsse sich dringend verbessern. "Wenn wir jetzt nichts tun und die Pflegekräfte gehen, dann bekommen wir ein existenzielles Problem in der Intensivmedizin", warnt Professor Dr. Felix Walcher vom Universitätsklinikum Magdeburg.

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bua/loc/news.de/dpa
Themen: Coronavirus