17.11.2020, 15.15 Uhr

Gewichtszunahme: Essverhalten im Teil-Lockdown: Das hilft gegen den Dauerappetit

Im Homeoffice greifen viele Berufstätige häufig zu Süßigkeiten.

Im Homeoffice greifen viele Berufstätige häufig zu Süßigkeiten. Bild: shurkin_son / Shutterstock.com/spot on news

Während des Teil-Lockdowns verändert sich bei vielen Menschen das Essverhalten. Ob aus Stress, Frust oder Langeweile: "Viele Menschen nutzen Essen und insbesondere Süßigkeiten und Knabbereien als Trostpflaster und versuchen, Unangenehmes oder Anstrengendes durch Essen zu kompensieren", erklärt Ernährungsexpertin Veronika Pichl, Autorin von "Meal Prep für Kinder" (Riva), im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Hier gibt es das Buch "Meal Prep für Kinder" von Veronika Pichl.

Dass viele in Phasen wie diesen zu ungesunden Snacks greifen, habe "etwas mit ihrer Zusammensetzung, ihrer Konsistenz und ihrem Geschmack zu tun", weiß die Ernährungsexpertin. "Kommen dabei beispielsweise ein hoher Fett- und Salzgehalt oder ein hoher Zucker- und Fettgehalt zusammen, wie etwa bei Schokolade, wird das Belohnungszentrum im Gehirn besonders stark angesprochen. Das hat zur Folge, dass das Positivsignal während des Essens die Mechanismen, die uns normalerweise sagen, dass wir genug gegessen haben, überdeckt." Das sei der Grund, warum jene Lebensmittel auch immer wieder im Einkaufswagen landen.

Ablenkung ist das A und O

Zu dem Kalorienüberschuss käme Bewegungsmangel hinzu. "Auch bei ganz alltäglicher Bewegung, wie etwa dem Laufen zur U-Bahn oder dem Bummeln in der Stadt, werden Kalorien verbrannt", sagt Pichl. Eine Gewichtszunahme sei deshalb "eine logische Konsequenz".

Um sich vom Dauerappetit abzulenken, empfiehlt die Expertin Spaziergänge an der frischen Luft. "Gegen Stress helfen Atem- oder Entspannungsübungen oder Meditation, die man regelmäßig täglich durchführen sollte." Zudem sei es sinnvoll, sich Essenszeiten einzuplanen, "um vom unbewussten Snacken loszukommen".

Ungesundes Snackverhalten lasse sich vorbeugen, indem man gar nicht erst Süßigkeiten einkaufe, rät Pichl. So komme man nicht in Versuchung. "Generell sorgen gute Planung der Mahlzeiten (Meal Prep) und eine ausgewogene Ernährung dafür, dass man satt ist, alle wichtigen Nährstoffe bekommt und dadurch auch weniger Gelüste hat."

Was tun bei Heißhunger?

Wer Heißhunger verspüre, könne zu Getränken wie Wasser, Tee oder Kaffee greifen. "Wer vor einer Mahlzeit viel trinkt und einige Zeit verstreichen lässt, isst darum später weniger. Außerdem wird gerade Kaffee beziehungsweise dem darin enthaltenen Koffein eine leicht appetithemmende und sogar stoffwechselanregende Wirkung zugeschrieben."

Außerdem rät Pichl, zu Snacks zu greifen, die wenig Kalorien, aber möglichst viel Volumen haben. "Geeignet sind dabei alle Gemüsesorten, die man roh essen kann. "Karotten, Gurken oder Paprika haben wenig Kalorien und lassen sich wunderbar nebenbei knabbern. Falls das nicht reicht, kann das Gemüse auch in etwas Kräuterquark gedippt werden." Quark und Joghurt seien ebenfalls gute Alternativen, sofern man die Naturvariante mit Früchten verfeinere und keine bereits verarbeiteten Produkte kaufe.

Expertin warnt vor Essstörung

"Im schlechtesten Falle kann sich aus einfachem Stressessen eine sogenannte Binge-Eating-Störung ergeben. Diese liegt dann vor, wenn Heißhungeranfälle immer wieder außer Kontrolle geraten. Das kommt insbesondere dann vor, wenn Essen immer wieder genutzt wird, um Stress oder negative Gefühle zu überdecken", warnt Pichl.

Unkontrolliertes Essen in Stresssituationen könne sich zu einer Gewohnheit entwickeln. "Geraten die Essattacken dabei mindestens einmal wöchentlich und über etwa drei Monate hinweg immer wieder außer Kontrolle, kann man von einer Binge-Eating-Störung sprechen."

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