01.11.2020, 12.13 Uhr

Coronavirus-News am Sonntag aktuell: Drosten mit düsterer Prognose: Corona-Pandemie an Ostern nicht vorbei

Virologe Drosten ist sich sicher, dass die Pandemie an Ostern noch nicht vorbei sein wird.

Virologe Drosten ist sich sicher, dass die Pandemie an Ostern noch nicht vorbei sein wird. Bild: dpa

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) innerhalb eines Tages 14 177 neue Corona-Infektionen gemeldet. An Sonntagen sind die erfassten Fallzahlen allerdings meist niedriger, auch weil am Wochenende weniger getestet wird.

Coronavirus-News aktuell: Bisher 10.481 Corona-Tote in Deutschland

Insgesamt haben sich demnach seit Beginn der Pandemie 532 930 Menschen in Deutschland mit dem Virus infiziert. (Stand: 1.11., 00.00 Uhr) Vor genau einer Woche waren 11 176 Neuinfektionen an einem Tag gemeldet worden. Die Zahl der Todesfälle in Deutschland im Zusammenhang mit dem Virus erhöhte sich um 29 auf insgesamt 10 481. Rund 355 900 Menschen waren von ihrer Infektion genesen.

Reproduktionszahl R-Wert laut RKI bei 1,11, Sieben-Tage-R bei 1,19

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag in Deutschland laut RKI-Lagebericht vom Samstag bei 1,11 (Vortag: 1,06). Das bedeutet, dass zehn Infizierte etwa elf weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Zudem gibt das RKI in seinem Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert am Samstag bei 1,19 (Vortag: 1,21). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

SPD-Fraktion will neue Grundlage für Corona-Maßnahmen

Die SPD-Fraktion will die Gesetzesgrundlage für die Anti-Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern überarbeiten. "Der Bundestag kann und muss diese Leitplanken im Infektionsschutzgesetz differenzierter, als das bisher der Fall ist, vorgeben", heißt es in einem Positionspapier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Es soll am Dienstag von der Fraktion verabschiedet werden. Die Neuregelung sei nötig, um einen "Regelungsflickenteppich der Länder" zu verhindern und eine effektive Bekämpfung der Pandemie zu ermöglichen.

Der rechtspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Johannes Fechner, sagte der dpa, über eine Reform der vagen Regelungen im Infektionsschutzgesetz, auf die sich viele Auflagen derzeit stützen, dürfe nicht erst nach der Bundestagswahl im Herbst 2021 beraten werden. "Die Zeit haben wir nicht. Es eilt." Fechner warnte: "Sonst gehen wir das ganz große Risiko ein, dass der Super-GAU eintritt und alle sinnvollen Corona-Maßnahmen von den Gerichten wegen mangelnder Rechtsgrundlagen gekippt werden."

Die SPD-Fraktion will Bund und Ländern konkretere Vorgaben machen, "welche Schutzmaßnahmen unter welchen Voraussetzungen ergriffen werden können und wo Grenzen erreicht sind". Es müsse klare Kriterien geben für Grundrechtseingriffe der Länder wie Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, Versammlungsverbote, Kontakt- und Abstandsgebote, Kontaktdatenerfassung oder das Tragen von Schutzkleidung.

Thüringer Verordnung für Teil-Lockdown am Montag ist fertig

Die neue Corona-Sonderverordnung, die das Herunterfahren weiter Teile des öffentlichen Lebens in Thüringen regelt, liegt vor. Die Regeln, die von Montag (2. November) an gelten, halten sich grundsätzlich an die Vereinbarungen von Bund und Ländern, wie aus einer Mitteilung des Gesundheitsministeriums von Samstagabend hervorgeht.

Danach muss die gesamte Gastronomie mit Ausnahme von Mensen und Kantinen sowie ein Großteil der Kultur- und Freizeiteinrichtungen für voraussichtlich einen Monat schließen. Schulen, Kindergärten und andere Bildungsangebote bleiben offen. Auch eingekauft werden kann weiter.

In der Öffentlichkeit gelten Kontaktbeschränkungen mit maximal zehn Mitgliedern von zwei Haushalten. Im Gegensatz zu ersten Plänen dürfen nicht nur Friseursalons, sondern auch Kosmetik- und Nagelstudios bei Einhaltung der Hygienekonzepte weiter öffnen. Auch Zoos und Tierparks in Thüringen können noch Besucher empfangen - allerdings nur in den Außenbereichen. Eine Sonderregelung gibt es auch für Museen, die zumindest für entgeltfreie, bildungsbezogene Angebote öffnen können.

Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) sprach von einem Kraftakt, mit dem die sprunghafte Ausbreitung des Coronavirus eingedämmt werden solle. Elf von 23 Kreisen und kreisfreien Städten in Thüringen galten am Samstag als Risikogebiet. Erstmals enthält eine Thüringer Corona-Verordnung einen Parlamentsvorbehalt. Damit kann der Landtag, der am Dienstag zu einer Sondersitzung zusammenkommt, Änderungen vornehmen.

Geschlossen werden von Montag an unter anderem Theater, Opern, Konzerthäuser, Kinos, aber auch Messen mit Ausnahme von reinen Fachmessen. Die Schließung soll außerdem für Freizeitparks, Spielhallen und Bordelle gelten. Bäder sind ebenfalls betroffen, allerdings darf es Schulschwimmunterricht geben.

Saarlands Ministerpräsident Hans warnt vor Kollaps in Krankenhäusern

Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans hat mit Blick auf die steigenden Corona-Zahlen vor einem Kollaps in vielen Krankenhäusern gewarnt. "Die Situation ist erschreckend und alarmierend: Schon bald kann es zu einem Kollaps in vielen der 1900 Krankenhäuser in Deutschland kommen", sagte der CDU-Politiker der "Bild am Sonntag". Gerade jetzt, wo in der zweiten Corona-Welle jeder Intensiv- und Beatmungsplatz dringend benötigt werde, würden Kliniken aus der Versorgung fallen, Stationen geschlossen und Notaufnahmen abgemeldet. "Grund ist fehlendes oder erkranktes Pflegepersonal."

Saarlands Ministerpräsident Hans warnt vor Kollaps in Krankenhäusern.

Saarlands Ministerpräsident Hans warnt vor Kollaps in Krankenhäusern. Bild: dpa

Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, ergänzte gegenüber dem Blatt: "Ganz klar: Es ist in einigen Bundesländern nicht mehr viel Spielraum. Berlin hat nur noch 14 Prozent freie Intensivbetten, Bremen 17 Prozent." Dies liege auch daran, "dass viele Kliniken immer noch ihr Routineprogramm durchführen, Magen-Bypässe, Gelenk-Operationen". Für viele drohe sonst der Ruin, solange es nicht wie im April Freihaltepauschalen gebe. "Damals war die Situation übrigens viel weniger dramatisch als das, was jetzt auf uns zukommt."

Hans forderte aufgrund der Situation einen Rettungsschirm für die Kliniken: "Sie brauchen dringend Unterstützung. Neben dem Personalengpass droht den Krankenhäusern der finanzielle Kollaps." Sein Vorschlag: "Wir sollten jetzt dringend die Freihaltepauschalen wieder einführen, damit die Kliniken in den nächsten Wochen und Monaten finanziell abgesichert sind."

Ganz Nordrhein-Westfalen ist Corona-Risikogebiet

Ganz Nordrhein-Westfalen ist nach Darstellung des Robert Koch-Instituts (RKI) Corona-Risikogebiet. Wie aus der Webseite des RKI am Sonntagmorgen hervorging, überschritt Soest die Schwelle von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche - damit ist das Bundesland auf der Landkarte nun komplett rot oder hellrot markiert. Besonders angespannt bleibt die Situation der Statistik zufolge in Solingen mit einem Wert von 206 - mehr war es sonst nirgends in Nordrhein-Westfalen.

Umfrage: Bundesbürger mit Merkels Corona-Kommunikation zufrieden

Mehr als die Hälfte der Bundesbürger sind nach einer Umfrage mit den Erläuterungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Corona-Pandemie zufrieden. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Civey für die «Augsburger Allgemeine» (Montag) bescheinigten ihr 61,8 Prozent der Befragten eine gute Kommunikation. Unzufrieden sind dagegen drei von zehn Deutschen.

Mehr als die Hälfte der Bundesbürger sind nach einer Umfrage mit den Erläuterungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Corona-Pandemie zufrieden.

Mehr als die Hälfte der Bundesbürger sind nach einer Umfrage mit den Erläuterungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Corona-Pandemie zufrieden. Bild: dpa

Betrachtet man die im Bundestag vertretenen Parteien, zeigen sich lediglich die Anhänger von AfD und FDP mehrheitlich unzufrieden mit der Kommunikation der Kanzlerin: Knapp neun von zehn AfD-Wählern und sieben von zehn FDP-Sympathisanten sehen dies so. Anhänger von Union, Grünen und SPD stellen sich dagegen klar hinter Merkel. Die größte Zufriedenheit herrscht mit 83,5 Prozent bei Wählern von CDU und CSU.

Drosten mit düsterer Prognose: Corona-Pandemie an Ostern nicht vorbei

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité erwartet trotz des Teil-Lockdowns zur Bekämpfung der Corona-Pandemie keine schnelle Normalisierung. "Sicher ist: Ostern ist die Pandemie nicht beendet", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Aber spätestens im Sommer wird sich unser Leben deutlich zum Positiven verändern können - wenn wir jetzt die akut steigenden Ansteckungszahlen in den Griff bekommen." Für richtig hält er demnach die politische Entscheidung, Schulen in der Krise weiter geöffnet zu halten.

Helfen im Kampf gegen die Pandemie könne die weitere Verbreitung von Schnelltests, sagte Drosten. "Wenn sie in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen, können wir gefährdete Gruppen sehr regelmäßig und niederschwellig testen", sagte er der Zeitung. "Außerdem lässt sich nicht nur feststellen, ob jemand infiziert ist, sondern auch, ob er infektiös ist. Das kann den Umgang mit Quarantäne oder Kontaktverboten erleichtern." Dann sei beispielsweise ein vorzeitiges Ende einer Isolierung denkbar. Einen verstärkten Einsatz der Tests erwarte er in wenigen Wochen.

Drosten riet im Alltag zu konsequenter Vorsicht: "Am besten wäre es, wir täten alle so, als wären wir infiziert und wollten andere vor Ansteckung schützen." Zugleich lasse sich der Spieß umdrehen, indem man so tue, als sei "der andere infiziert und wir wollten uns selbst schützen. Daraus ergibt sich unser Verhalten".

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fka/news.de/dpa