30.10.2020, 20.48 Uhr

Coronavirus-News aktuell am Freitag: HIV-Virologe Streeck kritisiert erneut Teil-Lockdown

Der HIV-Virologe Streeck kritisiert zum wiederholten Male den Wellenbrecher-Lockdown.

Der HIV-Virologe Streeck kritisiert zum wiederholten Male den Wellenbrecher-Lockdown. Bild: picture alliance/Federico Gambarini/dpa

Die Zahl der registrierten Corona-Neuinfektionen in Deutschland hat mit 18.681 Fällen binnen eines Tages einen neuen Höchstwert erreicht. Dies geht aus Angaben des Robert Koch-Instituts vom frühen Freitagmorgen hervor. Der bisherige Rekordwert vom Vortag lag bei 16.774 Fällen. Am Freitag vor einer Woche hatten die Gesundheitsämter dem RKI 11.242 Neuinfektionen gemeldet.

Die jetzigen Werte sind nur bedingt mit denen aus dem Frühjahr vergleichbar, da mittlerweile wesentlich mehr getestet wird und dadurch auch mehr Infektionen entdeckt werden.

Coronavirus in Deutschland: Neuer Höchstwert an registrierten Infektionen mit knapp 18.700 Fällen

Insgesamt haben sich dem RKI zufolge seit Beginn der Pandemie bundesweit 499.694 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert(Stand: 30.10., 00.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg bis Donnerstag um 77 auf insgesamt 10.349. Das RKI schätzt, dass rund 345.700 Menschen inzwischen genesen sind.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag in Deutschland laut RKI-Lagebericht vom Donnerstag bei 0,97 (Vortag: 1,03). Das bedeutet, dass ein Infizierter etwa einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Zudem gibt das RKI in seinem Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert am Donnerstag bei 1,17. Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

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Die aktuellen Coronavirus-News von Freitag (30.10.2020) im News-Ticker

+++ Streeck: Mehr Ruhe in Corona-Diskussion würde allen guttun +++

Der Virologe Hendrik Streeck ist vom rasanten Anstieg der Corona-Infektionszahlen überrascht. Er glaube aber nicht, dass das nachlässige Verhalten der Bevölkerung dafür verantwortlich ist, sagte der Wissenschaftler von der Universität Bonn der Süddeutschen Zeitung (Wochenendausgabe). «Nach meiner Wahrnehmung verhält sich der Großteil der Menschen vorbildlich." Er vermutet vielmehr, dass wie bei anderen Coronaviren auch bei Sars-CoV-2 die Saisonalität eine große Rolle spiele, also dass sich das Infektionsgeschehen mit den Jahreszeiten verändert. Zudem habe man vermutlich die Bedeutung von privaten Treffen unterschätzt.

Streeck bekräftigte seine schon im Vorfeld geäußerte Kritik am jüngst beschlossenen Teil-Lockdown. "Ich halte den Shutdown für zu früh. Er bringt sicherlich die Infektionszahlen runter. Aber nach den vier Wochen werden sie wieder steigen, dann geht es von vorne los." Man gebe den Menschen damit keine Perspektive. "Das Virus geht ja nicht weg."

Statt eines solchen "Stotterbremsens" müsse man eine Langzeitstrategie entwickeln und sich vor allem auf den Schutz der Risikogruppen konzentrieren. Er nannte Schnelltest und FFP2-Masken für Altersheime und für Senioren daheim sowie die Organisation von Nachbarschaftshilfen etwa für den Einkauf als mögliche Maßnahmen.

Streeck gestand ein, in den zurückliegenden Monaten auch Fehleinschätzungen abgegeben zu haben. So sei er zu Beginn der Pandemie nicht vom Nutzen der Masken überzeugt gewesen. Zudem habe er anfangs das Virus für weniger gefährlich gehalten als das Grippevirus. "Da habe ich mich klar getäuscht."

Grundsätzlich wünsche er sich, dass etwas Ruhe in die Diskussion reinkomme und das Thema nicht mehr so im Vordergrund stehe. "Das, glaube ich, würde allen guttun."

+++ Touristen müssen Schleswig-Holstein bis 2. November verlassen +++

Touristen müssen spätestens bis zum 2. November aus Schleswig-Holstein abreisen. Für Urlauber auf den Nordsee-Inseln und Halligen gelte eine Frist bis zum 5. November wegen der Kapazitäten im Fährverkehr sowie den Autozügen, teilte die Landesregierung am Freitag in Kiel mit und verwies auf die jüngsten Bund-Länder-Beschlüsse für einen Teil-Lockdown im November.

+++ Söder rechtfertigt "Lockdown light" und Kontaktbeschränkungen +++

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat den Teil-Lockdown und die gravierenden Kontaktbeschränkungen in Bayern wegen der stark steigenden Corona-Infektionszahlen gerechtfertigt und als angemessen bezeichnet. Abstand halten sei gar nicht so leicht, "wenn man Geburtstage feiert, eine Hochzeit hat, eine private Veranstaltung", sagte Söder am Freitag bei seiner Regierungserklärung im Landtag in München. Die Kontaktbeschränkungen auch im privaten Raum, auf die man sich für vier Wochen verständigt habe, seien ein geeignetes und verhältnismäßiges Mittel zur Eindämmung der Pandemie. "Es ist ein Lockdown light", sagte Söder.

"Es gibt Kritik, ja, die muss es auch geben.» Aber am Ende müsse man das tun, von dem man überzeugt sei, dass es für die Menschen im Land das Beste sei, sagte der Ministerpräsident und appellierte erneut an das Verantwortungsgefühl aller. "Ich will nicht, dass wir an dieser Bewährungsprobe scheitern. Wir müssen sie bestehen."

Zur Kontrolle der strengen Kontaktbeschränkungen im November ist gezieltes Anschwärzen durch Nachbarn und Mitbürger bei der Polizei nach Ansicht von Ministerpräsident Markus Söder nicht gewollt. "Ich darf ausdrücklich sagen, es gibt auch keinen Aufruf, da Hinweise zu geben», sagte der CSU-Chef am Freitag in seiner Regierungserklärung zur Corona-Krise im bayerischen Landtag. Im öffentlichen Raum werde die Polizei natürlich kontrollieren, ob etwa die Maskenpflicht eingehalten werde. "Natürlich in der Wohnung nicht. Da ist auch keine Änderung geplant."

Bereits am Donnerstag nach einer Sitzung des Kabinetts hatte die Staatsregierung erklärt, dass die Polizei zur Kontrolle der Kontaktbeschränkungen keine neuen Kompetenzen erhalte. Vielmehr gehe es darum, wie etwa bei einer Ruhestörung auf Anzeige anderer zu reagieren. Gleichwohl kann die Polizei wie auch schon jetzt bei offenkundigen Verstößen gegen den Infektionsschutz aktiv werden und beispielsweise verbotene Partys auflösen - auch in Privatwohnungen.

+++ Kretschmann verteidigt Corona-Beschlüsse: "Haben Alarmstufe Rot" +++

Nach den Entscheidungen über weitere drastische Corona-Auflagen hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Freitag die jüngsten Einschränkungen verteidigt. "Dieser Schritt ist nötig, weil unser Land auf eine nationale Gesundheitsnotlage zusteuert», sagte der Regierungschef in einer Sondersitzung des Landtags in Stuttgart. "Wir haben Alarmstufe Dunkelrot", warnte er. "Die zweite Welle trifft uns mit voller Wucht."

Angesichts der bundesweit anschwellenden Corona-Infektionswelle hatte er am vergangenen Mittwoch gemeinsam mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens beschlossen. Neben Restaurants und Kneipen müssen unter anderem auch Theater und Kinos, Fitnessstudios und Museen für einen Monat schließen. Die Auflagen sollen ab kommenden Montag bis Ende November gelten.

Die jüngsten Beschlüsse gehen einher mit weiter steigenden Infektionszahlen in Baden-Württemberg. 

+++Söder: Einige haben den Ernst der Lage noch nicht verstanden +++

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat die Menschen eindringlich zum gemeinsamen Kampf gegen den ungebremsten Anstieg der Corona-Zahlen aufgerufen. "In ganz Europa wütet die Pandemie», sagte Söder am Freitag in einer Regierungserklärung im Landtag in München. "Auch Bayern ist wieder voll erfasst." Die zweite Welle sei da, und diese sei schlimmer als zuvor. Söder warnte insbesondere vor einer drohenden Überlastung des Gesundheitssystems, sollten die Zahlen weiter ansteigen wie bisher. Nichtstun hätte dramatische Folgen. Deshalb müsse man jetzt handeln. "Es ist ernst", mahnte Söder. Viele machten mit, lobte er, klagte aber auch: "Einige haben den Ernst der Lage noch nicht verstanden."

+++ Landtagssondersitzung zu Corona: Laschet ruft zu Verzicht auf +++

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat die coronabedingten harten Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens ab dem 2. November verteidigt. "Das, was wir machen, ist verhältnismäßig, geeignet und angemessen", sagte er am Freitag in einer Sondersitzung des Düsseldorfer Landtags zur Corona-Krise. Allerdings sei es auch für viele eine Zumutung, räumte er ein. Daher werde es staatliche Entschädigung für wirtschaftlich Betroffene geben.

Angesichts der exponentiell steigenden Neuinfektionszahlen müsse alles getan werden, um die zweite Corona-Welle zu brechen, bekräftigte Laschet. Es sei eine Illusion zu glauben, dass die bereits dramatischen Entwicklungen in Nachbarländern wie Belgien oder Frankreich nicht übergreifen könnten.

Laschet appellierte eindringlich an die Bürger, Verzicht zu üben und unnötige Kontakte zu meiden - und zwar schon an diesem letzten Wochenende vor Inkrafttreten der verschärften Corona-Schutzverordnung. "Verzichten Sie auf die üblichen Halloween-Partys", sagte Laschet. Alle müssten mit strengen Kontrollen und Sanktionierungen rechnen. "Die örtlichen Ordnungsämter werden keinen Missbrauch dulden."

+++Altmaier lehnt Recht auf Homeoffice und Steuererhöhungen ab +++

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat vor neuen Belastungen für Firmen gewarnt und sich gegen Steuererhöhungen ausgesprochen. Altmaier wandte sich am Freitag erneut gegen ein von der SPD gefordertes Recht auf Homeoffice. Ein Rechtsanspruch passe nicht in die Landschaft, es sei eher ein "Belastungsmoratorium" für die Wirtschaft notwendig.

Der Minister warnte indirekt außerdem vor einem Gesetz zur Einhaltung von Menschenrechts-Standards in weltweiten Lieferketten, das die Wirtschaft überfordere - darüber streitet die schwarz-rote Koalition seit Wochen. Altmaier wandte sich auch gegen Steuererhöhungen, dies verunsichere die Wirtschaft.

Angesichts der Rekordverschuldung des Staates wegen Corona will der SPD-Finanzexperte Lothar Binding Gutverdiener nach der Krise stärker zur Kasse bitten. "Die Menschen, die gut durch die Krise gekommen sind, sollten dem Staat nach der Krise helfen, wieder auf die Beine zu kommen", sagte der finanzpolitische Sprecher der SPD-Fraktion der "Bild"-Zeitung (Freitag). "Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein."

+++ Vor Teil-Lockdown Forderungen nach Hilfen für Studenten +++

Vor dem am Montag beginnenden Teil-Lockdown mit Schließungen unter anderem in der Gastronomie werden neue Forderungen zur finanziellen Unterstützung von Studenten laut. Die Grünen im Bundestag, der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) verlangten am Freitag die schnelle Wiederauflage eines im September ausgelaufenen Nothilfeprogramms. Grüne und DGB sprachen sich zudem für eine grundsätzliche Reform der Studienfinanzierung aus.

"Gerade Studierende aus ärmeren Elternhäusern sind auf Einkünfte aus Nebenjobs angewiesen, damit sie über die Runden kommen. Viele von ihnen arbeiten in der Gastronomie oder Eventbranche, die jetzt vom Lockdown betroffen sind", sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack der Deutschen Presse-Agentur. Die Regierung müsse die Überbrückungshilfe für in Not geratene Studierende umgehend wieder auflegen und verbessern, forderte die GEW. Der hochschulpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Kai Gehring, warf Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) ein "unverantwortliches Krisenmanagement" vor, weil sie die Nothilfe Ende September angesichts sinkender Nachfrage ausgesetzt hatte.

Die Grünen schlagen zugleich in einem Konzept zur Reform der Studienfinanzierung einen "Neustart für das BAföG" vor. Demnach sollten alle Studenten bis 25 Jahre einen monatlichen Garantiebetrag von 290 Euro bekommen und zusätzlich einen "Bedarfszuschuss" abhängig von der jeweiligen Einkommens- und Vermögenssituation. "Studierende und Auszubildende sollen ihren Kopf frei haben für Bücher, Lernen und persönliche Entfaltung", heißt es in dem Konzept.

Es räche sich in dieser Situation, dass beim Bafög seit Jahrzehnten zu wenig getan worden sei, sagte DGB-Vize Hannack. Das Bafög reiche nicht zum Leben und erreiche immer weniger Studierende.

In der Corona-Krise hatte das Bildungsministerium zwei Hilfsangebote für Studenten in Not aufgestellt: Zum einen die Überbrückungshilfe, die nicht zurückgezahlt werden muss. Sie wurde von Juni bis September an diejenigen ausgezahlt, die mit Kontoauszügen nachweisen konnten, dass sie in einer pandemiebedingten Notlage sind, etwa weil regelmäßige Zahlungen aus Jobs ausblieben. Gezahlt wurden 100 bis maximal 500 Euro pro Monat. Die zweite Säule ist der KfW-Studienkredit, den es auch vor der Krise schon gab, der nun aber seit Mai bis März 2021 zinsfrei gestellt ist.

+++ Altmaier: Für 2021 moderat positive Wirtschaftsprognose +++

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) rechnet trotz anhaltender Corona-Pandemie für das kommende Jahr mit einer moderaten, aber positiven Entwicklung der Wirtschaft. "Wir stehen an einem Scheideweg, das Pendel kann in die eine oder andere Richtung ausschlagen", sagte er am Freitag in Berlin. Allerdings habe die deutsche Wirtschaft in den vergangenen Monaten bewiesen, dass sie auch unter Pandemie-Bedingungen wachsen könne. Die Wirtschaftsleistung war nach dem schwierigen Frühjahr im dritten Quartal kräftig um 8,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen.

+++ AfD-Kampagne gegen Corona-Maßnahmen zielt auf Künstler und Eltern +++

Um neue Wählergruppen zu erreichen, will die AfD Alleinerziehende, Künstler, Veranstalter, Gastronomen, Alte und Pflegebedürftige ansprechen, die von den Corona-Einschränkungen besonders betroffen sind. In einem internen Diskussionspapier ihrer Bundestagsfraktion heißt es: "Es besteht die Chance, über die eigene Anhängerschaft hinaus Gehör in jenen gesellschaftlichen Milieus zu finden, die der Partei bisher skeptisch gegenüberstanden."

In dem Papier wird zudem eine Umfrage erwähnt, die zeigt, dass AfD-Wähler deutlich weniger Angst vor einer Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2 haben als Wähler anderer Parteien. Demnach äußerten lediglich 26 Prozent der AfD-Wähler diese Befürchtung. Zum Vergleich: unter den Wählern der Grünen und der SPD hatten jeweils 53 Prozent Angst vor einer Ansteckung.

Mit Unbehagen beobachtet man in der AfD, dass aus ihrer Sicht inzwischen auch Politiker aus Union und FDP versuchten, die Debatte über die demokratische Legitimation der Anti-Corona-Maßnahmen "an sich zu ziehen". Dem sollte die Bundestagsfraktion mit neuen, eigenen Vorschlägen begegnen. Der gesundheitspolitische Sprecher der Fraktion, Detlev Spangenberg, hatte am vergangenen Montag kritisiert: "Mit immer neuen Schreckensmeldungen schüren Regierung und Medien weiterhin die Corona-Hysterie." Offensichtlich sollten die Bürger "durch Angst und Panik" dazu gebracht werden, "immer neue Einschränkungen ihrer Freiheit klaglos zu akzeptieren - so willkürlich und unsinnig sie auch sein mögen".

+++ RKI-Daten: 7-Tage-Inzidenz nun bundesweit über 100 +++

Die Zahl erfasster Corona-Infektionen je 100 000 Einwohner lag in den vergangenen sieben Tagen erstmals bundesweit über 100. Die 7-Tage-Inzidenz liege Stand 00.00 Uhr bei 104,9, teilte das Robert Koch-Institut (RKI) am Freitag mit. Tags zuvor hatte sie bei bundesweit 99,0 gelegen, vor vier Wochen (2.10.) noch bei 15,3. Eine hohe 7-Tage-Inzidenz zeigt an, dass sich viele Menschen mit dem Virus infiziert haben.

Besonders viele Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen erfassen den Daten vom Freitag zufolge derzeit Bremen (160,3), Berlin (146,1), Hessen (145,8) und Nordrhein-Westfalen (140,0). Werte über dem bundesweiten Mittel haben zudem auch Bayern (114,1) und das Saarland (116,5).

50 Neuinfektionen in einer Region in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner galten in den vergangenen Wochen als wichtiger Grenzwert, ab dem in dem Gebiet oft gezielt Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Welle eingeführt wurden.

Auch die Zahl der registrierten Corona-Neuinfektionen in Deutschland hat mit 18.681 Fällen binnen eines Tages einen neuen Höchstwert erreicht. Dies geht aus Angaben des Robert Koch-Instituts vom frühen Freitagmorgen hervor. Der bisherige Rekordwert vom Vortag lag bei 16.774 Fällen.

+++ Irritation um Laschet ohne Maske - Staatskanzlei: Regeln eingehalten +++

Ein Foto von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ohne Mund-Nasen-Schutz in einem Flugzeug hat für Irritationen gesorgt. Es zeigt ihn in seinem Sitz nach hinten umgedreht zu seinem Regierungssprecher, augenscheinlich im Gespräch - eine Maske baumelt dabei locker an einem Ohr herunter. Die "Bild" veröffentlichte die Aufnahme des CDU-Vorsitzekandidaten. Ein Fluggast habe die Szene am Mittwochabend auf einem Flug von Köln nach Berlin festgehalten, schrieb das Blatt.

Ein Sprecher der NRW-Staatskanzlei erklärte dazu, Laschet habe während des genannten Fluges sowie an den Flughäfen "selbstverständlich" einen Mund-Nasen-Schutz getragen. "Dies wurde lediglich - entsprechend der allgemeinen AHA-Regeln und den Vorgaben der Fluggesellschaft - für einen kurzzeitigen Moment zum Verzehr von Speisen und Getränken unterbrochen." Unter den "AHA-Regeln" versteht man die Corona-Gebote Abstand, Hygiene und Alltagsmasken. Unmittelbar danach sei der Mund-Nasen-Schutz wieder wie vorgesehen vollständig aufgesetzt worden. Dass Laschet isst oder trinkt, ist auf dem Foto nicht zu sehen - allerdings ist auch weder zu sehen, ob etwas auf seinem Klappbrett steht noch, ob er etwas in der Hand hält.

Der Sprecher betonte: "Die Einhaltung der AHA-Regeln ist für Ministerpräsident Armin Laschet nicht nur selbstverständlich. Er sieht sie als unbedingt notwendig an."

+++ WHO Europa-Chef warnt vor negativen Folgen kompletter Lockdowns +++

Das Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation WHO hat im Kampf gegen die Corona-Pandemie vor vorschnellen kompletten Lockdowns gewarnt. Zwar wisse man, dass strikte Beschränkungen wie Anfang des Jahres die Übertragung von Krankheitserregern einschränken und dem Gesundheitssystem den dringend benötigten Raum zur Erholung gebe, sagte WHO-Regionaldirektor Hans Kluge am Donnerstag in Kopenhagen. "Wir wissen aber auch, dass komplette Lockdowns die Nachfrage nach psychischer Gesundheitsfürsorge steigern und zu einem Anstieg der häuslichen Gewalt führen wird." Zudem würden weniger chronisch Kranke in Krankenhäuser gehen, was zu vorzeitigen Todesfällen führen würde.

Darüber hinaus hätten die indirekten Auswirkungen eines Lockdowns negative Folgen für die Wirtschaft, Menschen würden in finanzielle Notlagen kommen. "Angesichts dieser Realitäten erachten wir nationale Lockdowns als letzte Möglichkeit." Vielmehr könnten Maßnahmen ergriffen werden, die Leben retteten und gleichzeitig die Lebensgrundlagen erhielten.

Modelle des Instituts IHME der Universität Washington deuteten darauf hin, dass allein das Tragen von Masken bis zum 1. Februar in den 53 WHO-Mitgliedstaaten in der Region bis zu 266.000 Leben retten könnte, sagte Kluge. Des Weiteren könnten Home Office und Beschränkung großer Versammlungen einen großen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie und dem Erhalt der Lebensgrundlagen leisten.

Kluge sagte, Europa sei erneut im Mittelpunkt der Pandemie. In dieser Woche habe die Region Europa, zu der die WHO insgesamt 53 Länder zählt, die höchste wöchentliche Inzidenz von Covid-19-Fällen seit Beginn der Pandemie mit mehr als 1,5 Millionen gemeldeten Fällen in den letzten sieben Tagen registriert. Am Donnerstag habe die Region den Meilenstein von zehn Millionen Fällen überschritten.

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loc/news.de/dpa