19.10.2020, 09.47 Uhr

Terror in Conflans-Sainte-Honorine: Lehrer (47) auf offener Straße geköpft - zahlreiche Polizeieinsätze

Unweit von Paris ist ein 47 Jahre alter Geschichtslehrer auf offener Straße enthauptet worden.

Unweit von Paris ist ein 47 Jahre alter Geschichtslehrer auf offener Straße enthauptet worden. Bild: Abdulmonam Eassa / AFP / picture alliance / dpa

Ein Geschichtslehrer (40) ist ersten Erkenntnissen zufolge in der Nähe von Paris von einem Angreifer enthauptet worden. Die Anti-Terror-Fahnder der Staatsanwaltschaft übernahmen die Ermittlungen. Man ermittle unter anderem wegen Mordes mit Terrorhintergrund, bestätigte die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur am Freitag in Paris. Die Ermittler wollen sich bald zum Tathergang und den Hintergründen äußern. Es finden zahlreiche Polizeieinsätze statt.

Terror-Akt in Frankreich: Neun mutmaßliche Täter festgenommen

Nach der mörderischen Attacke auf einen Lehrer bei Paris sind fünf weitere Menschen festgenommen worden. Das bestätigte die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Sie nannte keine weiteren Details. Der mutmaßliche Täter war kurz nach der Tat von der Polizei getötet worden.

Berichten nach soll es sich bei den Festgenommenen um Mitglieder der Familie des mutmaßlichen Täters sowie andere Personen handeln. Damit sind derzeit neun Menschen in Polizeigewahrsam, darunter ein Minderjähriger.

Ermordung eines Lehrers bei Paris - Staatsanwalt gibt Details bekannt

Nach der mutmaßlich terroristisch motivierten Ermordung eines Lehrers bei Paris hat die Staatsanwaltschaft in Frankreich weitere Details über die Tat bekanntgeben. Der mutmaßliche Täter sei 2002 in Moskau geboren worden und sei russischer und tschetschenischer Herkunft, sagte Staatsanwalt Jean-François Ricard am Samstag. Er habe seit dem Frühjahr einen Flüchtlingsstatus in Frankreich und sei bisher geheimdienstlich nicht aufgefallen. Er wurde demnach von der Polizei kurz nach der Tat erschossen.

Mutmaßlicher Terrorist (18) von Polizei nach Enthauptung erschossen

Der Mann war mit einem Messer und einer Softair-Pistole bewaffnet - in der Nähe des Tatorts fand die Polizei außerdem ein rund 30 Zentimeter langes blutverschmiertes Messer. Das Opfer, ein 47-jähriger Geschichtslehrer, hatte zahlreiche Wunden am Oberkörper und Kopf und wurde enthauptet aufgefunden, wie Ricard sagte. Er sei gerade auf dem Weg nach Hause von der Schule gewesen. Der Täter habe ihm aufgelauert.

Geschichtslehrer nach Morddrohungen enthauptet

Der Staatsanwalt führte aus, dass dem Angriff bereits Drohungen gegen den Lehrer und die Schule vorausgegangen waren. Der Lehrer hatte Anfang Oktober im Rahmen der Debatte über Meinungsfreiheit und die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen der Satirezeitung "Charlie Hebdo" im Unterricht entsprechende Zeichnungen gezeigt. Daraufhin veröffentlichte ein Vater Posts in sozialen Netzwerken, beschwerte sich bei der Schulleitung und machte gegen den Lehrer mobil.

Täter (18) postete Foto von Geköpftem nach Blutbad online

Der mutmaßliche Täter postete nach der Tat ein Foto des gestorbenen Opfers im Netz. "Ich habe einen Ihrer Höllenhunde hingerichtet, der es gewagt hat, Mohammed herabzusetzen", zitierte der Staatsanwalt aus dem Tweet. Die Ermittler gehen von einem terroristisch motiviertem Angriff aus. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte von einem islamistischen Terrorakt gesprochen.

Terror-Tat in Frankreich: Geschichtslehrer auf offener Straße enthauptet in Conflans-Sainte-Honorine

"Die Ermordung eines Geschichtslehrers ist ein Angriff auf die Meinungsfreiheit und die Werte der Republik. Einen Lehrer anzugreifen bedeutet, alle französischen Bürger und die Freiheit anzugreifen", schrieb der Präsident der Nationalversammlung, Richard Ferrand, auf Twitter.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eilte zum Tatort und fand deutliche Worte: "Unser Mitbürger wurde feige angegriffen, er war das Opfer eines bösartigen islamistischen Terroranschlags."

"Ich möchte heute Abend allen Lehrern Frankreichs sagen, dass wir mit ihnen zusammen sind, dass die ganze Nation heute und morgen an ihrer Seite sein wird, um sie zu schützen, zu verteidigen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre schönste Aufgabe zu erfüllen, die es gibt: freie Bürger zu machen", sagte er. Er erwähnte auch, dass die Direktorin der Schule in den vergangenen Wochen hohem Druck ausgesetzt gewesen sei - ging aber nicht auf die Hintergründe ein.

Macron betonte in seiner kurzen Ansprache, dass die Bildung ein hohes Gut sei. Es sei kein Zufall, dass ein Terrorist ausgerechnet einen Lehrer ermordet habe, weil er das Land in seinen Werten habe angreifen wollen. Der Lehrer sei ermordet worden, weil er für Meinungsfreiheit eingestanden habe.

"Der Islamismus führt einen Krieg gegen uns: Wir müssen ihn mit Gewalt aus unserem Land vertreiben", reagierte Rechtsaußen-Politikerin Marine Le Pen auf Twitter. Bildungsminister Jean-Michel Blanquer schrieb im Netz von einem Angriff auf die Republik: "Unsere Einheit und Entschlossenheit sind die einzige Antwort auf die Ungeheuerlichkeit des islamistischen Terrorismus."

Tschetschenienischer Republikchef Ramsan Kadyrow verurteilt die Tat

Der tschetschenische Republikchef Ramsan Kadyrow verurteilte die Tat und schrieb im Nachrichtenkanal Telegram an Frankreich gerichtet: "Ich kann Ihnen versichern, dass die Tschetschenen damit nichts zu tun haben." Der 18-Jährige habe fast sein ganzes Leben in Frankreich verbracht. "Es ist nicht das erste Mal, dass Frankreich versucht, alle seine Probleme auf die Tschetschenen abzuwälzen", meinte er.

Polizeieinsätze am Montag in Frankreich nach Enthauptung eines Lehrers

In Frankreich laufen nach der brutalen Ermordung eines Lehrers zahlreiche Polizeieinsätze gegen Islamisten. Sie würden sich gegen "Dutzende Personen" aus dem radikalisierten Milieu richten, sagte Innenminister Gérald Darmanin am Montagmorgen. Derartige Polizeieinsätze würden auch in den kommenden Tagen fortgesetzt.

Im französischen Verteidigungsrat unter Vorsitz von Präsident Emmanuel Macron war am Sonntagabend beschlossen worden, stärker gegen Radikalisierung vorzugehen und auch den Hass im Netz noch stärker in den Blick zu nehmen.

Seit der Ermordung des Lehrers seien rund 80 Beschwerden gegen die Verbreitung von Hass im Internet eröffnet worden, sagte der Minister. Es handle sich dabei etwa um Nachrichten, die die Tat des 18-jährigen Angreifers verherrlicht hätten. Darmanin kündigte auch an, in dieser Woche etliche Verbände in den Blick zu nehmen.

Darmanin sprach auch davon, dass der Vater, der im Netz gegen den Lehrer mobilisiert hatte, und andere "eine Fatwa gegen den den Lehrer erlassen" hätten. Es gebe kein anderes Wort, sagte Darmanin. Eine Fatwa ist im Islam eine Rechtsauskunft, um ein religiöses oder rechtliches Problem zu klären. Weltweit negative Schlagzeilen machte der Begriff, als der iranischen Revolutionsführer Ajatollah Khomeini 1989 eine Todesdrohung gegen den britischen Schriftsteller Salman Rushdie wegen Gotteslästerung aussprach.

Traurige Bilanz: Terror-Anschläge in Frankreich reißen nicht ab

Erst vor wenigen Wochen hatte es vor dem ehemaligen Redaktionsgebäudes des Satiremagazins "Charlie Hebdo" in Paris eine Messerattacke gegeben. Dabei wurden zwei Menschen verletzt - auch hier gehen die Ermittler von einem Terror-Hintergrund aus. Auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" hatte es im Januar 2015 einen tödlichen Anschlag gegeben. Zu Prozessbeginn hatte das Magazin erneut Mohammed-Karikaturen veröffentlich und wurde massiv bedroht. Der Täter der Messerattacke gab an, dass er dies nicht ertragen habe.

Gleichzeitig läuft in Paris seit Anfang September der Prozess gegen mutmaßliche Helfer der Terrorserie im Januar 2015, bei der insgesamt 17 Menschen getötet wurden. Nur unter hohen Sicherheitsbedingen kann man den Justizpalast überhaupt betreten. Ein Urteil wird im November erwartet.

Frankreich wird seit Jahren von islamistischen Anschlägen erschüttert - dabei starben mehr als 250 Menschen. Daher ist die Terrorgefahr fast ständig im Bewusstsein der Menschen. Frankreichs Regierung hat den Kampf gegen den Terror zu einer Top-Priorität gemacht und warnt immer wieder, dass die Gefahr von Terrorangriffen sehr hoch sei.

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loc/news.de/dpa