15.10.2020, 18.46 Uhr

Coronavirus-News am 15.10.2020 aktuell: 6.638 Neuinfektionen gemeldet! Beherbergungsverbot bröckelt

Am Donnerstag meldete das RKI so viele Neuinfektionen wie nie zuvor.

Am Donnerstag meldete das RKI so viele Neuinfektionen wie nie zuvor. Bild: dpa

Die Zahl der binnen eines Tages mit dem Coronavirus neu infizierten Menschen in Deutschland ist erneut sprunghaft gestiegen und hat damit einen Rekordwert erreicht. Die Gesundheitsämter meldeten nach Angaben des Robert Koch-Instituts vom Donnerstagmorgen 6.638 Neuinfektionen - rund 1.500 mehr als am Mittwoch.

Coronavirus-News aktuell - RKI meldet Rekordwert von 6.638 Neuinfektionen

Bislang waren Ende März mit knapp 6.300 Neuinfizierten die meisten registriert worden. Allerdings sind die jetzigen Werte nicht mit denen aus dem Frühjahr vergleichbar, weil mittlerweile wesentlich mehr getestet wird - und damit auch mehr Infektionen entdeckt werden. Am Mittwoch vergangener Woche hatten die Gesundheitsämter dem RKI 4.059 Neuinfektionen mitgeteilt. Damit war zum ersten Mal seit April die 4.000er Marke überschritten worden.

Aktuelle Corona-Zahlen laut RKI nicht mit März vergleichbar

Die Zahl der Coronatests schwankt seit Mitte August zwischen rund 1,1 Millionen und 1,2 Millionen pro Woche. Die Rate der positiven Tests ist nach RKI-Angaben vom Mittwochabend jedoch deutlich gestiegen: von 0,74 Prozent Ende August auf 2,48 Prozent in der Woche vom 5. bis 11. Oktober.

Corona-Pandemie bringt Labore an ihre Grenzen

In mehreren Labors gebe es einen Rückstau, einige gaben laut RKI Lieferschwierigkeiten für Reagenzien an. "Das RKI erreichen in den letzten Wochen zunehmend Berichte von Laboren, die sich stark an den Grenzen ihrer Auslastung befinden", schreibt das Institut im Lagebericht vom Mittwoch. Der zusätzliche Testbedarf durch Urlauber nach Einführung des Beherbergungsverbots mit der Option zu einer "Freitestung" habe die Situation weiter verschärft.

Coronavirus-News aktuell: Bisher 9.710 Corona-Tote in Deutschland

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach RKI-Angaben mindestens 341.223 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 15.10., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion lag demnach bei 9.710. Das waren 33 mehr als am Vortag. Nach Schätzungen des RKI gibt es etwa 284.600 Genesene.

Reproduktionszahl R-Wert laut RKI bei 1,04, Sieben-Tage-R bei 1,16

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Lagebericht vom Mittwoch bei 1,04 (Vortag: 1,18). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwa einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert bei 1,16 (Vortag: 1,20). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Auch das Saarland kippt das Beherbergungsverbot

Auch das Saarland streicht das Beherbergungsverbot. Von diesem Freitag (16.10.2020) an entfällt damit für Reisende aus innerdeutschen Hotspots die Pflicht, bei der Übernachtung einen negativen Corona-Test vorzulegen, wie Regierungssprecher Alexander Zeyer am Donnerstag mitteilte. Die Landesregierung appelliere allerdings trotzdem an die Bürger, von nicht notwendigen Reisen abzusehen.

"Das Beherbergungsverbot ist überholt, da es aus jetziger Sicht nicht mehr dazu beiträgt, das Infektionsgeschehen positiv zu beeinflussen", begründete Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) die Entscheidung. "Das Risiko einer Ansteckung bei einer Übernachtung in einem Hotel unter Einhaltung der Hygienekonzepte stellt sich deutlich geringer dar als in anderen Bereichen." Zudem würden so Testkapazitäten an der falschen Stelle belastet. "Es ist auch eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Denn mittlerweile sind im Gegensatz zum Sommer, als es nur wenige Hotspots innerhalb Deutschlands gab, Millionen Bürger davon betroffen."

Am Donnerstag ist das Verbot in mehreren Bundesländern gekippt worden: In Baden-Württemberg setzte es der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim außer Vollzug, weil es ein unverhältnismäßiger Einschnitt in das Grundrecht auf Freizügigkeit sei. In Niedersachsen erklärte das Oberverwaltungsgericht Lüneburg das Verbot für rechtswidrig. Beide Entscheidungen sind nicht anfechtbar.

In Sachsen kündigte die Regierung nach einem Gespräch mit Landräten und Bürgermeistern an, die Regelung ab Samstag aufzuheben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder hatten bei ihren Beratungen am Mittwoch in Berlin keine Einigkeit zu den Beherbergungsverboten erzielen können und einen Beschluss bis nach den Herbstferien vertagt.

Gericht kippt Beherbergungsverbot in Baden-Württemberg

Der Verwaltungsgerichtshof in Baden-Württemberg hat mit Beschluss vom Donnerstag einem Eilantrag gegen das Beherbergungsverbot in dem Bundesland stattgegeben. Dieses gilt bislang für Gäste aus deutschen Regionen, in denen 50 neue Corona-Fälle pro 100.000 Einwohner binnen 7 Tagen registriert wurden. Der Antragsteller kommt aus Nordrhein-Westfalen und hatte einen Urlaub im Kreis Ravensburg gebucht.

Sachsen hebt Beherbergungsverbot in Corona-Pandemie auf

Sachsen hebt das Beherbergungsverbot für Menschen aus Corona-Risikogebieten auf. Das kündigte die Regierung am Donnerstag nach einem Gespräch mit Landräten und Bürgermeistern aus dem Freistaat an. Die Regelung soll ab Samstag gelten.

Tourismusverband enttäuscht über Fortbestand des Beherbergungsverbots

Der Deutsche Tourismusverband hat sich enttäuscht darüber gezeigt, dass das Beherbergungsverbot fortbestehen soll. "Es ist herber Rückschlag für das Reiseland Deutschland, dass die Beherbergungsverbote in vielen Bundesländern zunächst weiter Bestand haben", sagte Geschäftsführer Norbert Kunz am Mittwochabend. Der Urlaub in Deutschland habe, wenn man die Regeln einhalte, kein besonderes Gefährdungspotential. Die Gastgeber von Ferienwohnungen und Hotels hätten bewiesen, dass sie die Kontakt- und Hygieneregeln ernst nähmen und umsetzten. "Übernachtungen sind nicht das Problem und sollten deshalb weiterhin möglich sein."

Die meisten Bundesländer hatten am vergangenen Mittwoch beschlossen, dass Bürger aus Orten mit sehr hohen Corona-Infektionszahlen bei Reisen innerhalb von Deutschland nur dann beherbergt werden dürfen, wenn sie einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test vorlegen können. Greifen soll dies für Reisende aus Gebieten mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Daran gab es massive Kritik. Bund und Länder fanden auch im Kanzleramt an diesem Mittwoch keine Einigung und vertagten das Thema erst einmal bis zum 8. November. Bis dahin soll diese Maßnahme auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.

Kretschmann sieht Bund-Länder-Runde zu Corona als Erfolg

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält die Verabredungen von Bund und Ländern zur Eindämmung des Coronavirus für einen Erfolg. Es seien große Fortschritte erreicht worden, sagte der Grünen-Politiker am Mittwochabend nach mehrstündigen Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder. In einer Reihe von Fragen seien "drastische Einschnitte" beschlossen worden. "Das wird uns alle sehr treffen", sagte Kretschmann. Ob die Maßnahmen genügten, würden die nächsten Tage zeigen.

Bund und Länder hatten sich unter anderem auf eine Ausweitung der Maskenpflicht, eine Begrenzung der Gästezahl bei privaten Feiern, Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Raum und eine Sperrstunde für die Gastronomie verständigt. Auf einen einheitlichen Kurs beim umstrittenen Beherbergungsverbot konnte sich die Runde aber nicht einigen. Kretschmann verwies auf "ganz erhebliche regionale Unterschiede". So müssten etwa die norddeutschen "Urlaubsländer" Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein mit riesigen Urlaubsströmen aus Berlin rechnen, wo es hohe Infektionszahlen gebe. Kretschmann zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Länder sich nach den Herbstferien auf ein einheitliches Vorgehen verständigen werden.

Schwesig erwägt Lockerung in Mecklenburg-Vorpommern für Reisende aus Risiko-Gebieten

Die umstrittenen Reisebeschränkungen in Mecklenburg-Vorpommern für Menschen aus Corona-Risikogebieten könnten teilweise fallen. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) will prüfen, ob auf die mindestens fünftägige Quarantäne und die Pflicht zu einem Test danach künftig verzichtet wird. "Das hängt aber davon ab, wie die Infektionszahlen in unserem eigenen Bundesland sich weiter entwickeln und ob dieses bundesweite Ampelsystem konsequent in Deutschland umgesetzt wird", sagte Schwesig nach dem Treffen der Länder-Regierungschefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwochabend. Reisende aus Corona-Risikogebieten müssten aber weiterhin einen negativen Test mitbringen, betonte sie.

Bei dem Treffen in Berlin wurde unter anderem vereinbart, dass spätestens ab 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum überall dort gelten soll, wo Menschen dichter oder länger zusammenkommen. Bund und Länder empfehlen, dass in diesen Regionen eine Sperrstunde für die Gastronomie eingeführt wird. Die Zahl der Teilnehmer bei Veranstaltungen soll dort weiter begrenzt werden.

Schwesig begrüßte diese Regelungen. Sie hatte sich vor dem Treffen für ein mehrstufiges Ampelsystem stark gemacht. Das jetzt vereinbarte System garantiere, dass bereits ab 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner gehandelt werde, sagte sie. In Mecklenburg-Vorpommern könne bisher alles bleiben wie es ist, erklärte Schwesig. Sollte ein Landkreis oder eine kreisfreie Stadt aber den Wert von 35 erreichen, würden Familienfeiern auf 25 Teilnehmer beschränkt und die Maskenpflicht ausgeweitet. Bei einem Wert von 50 würden die Kontakte dann stark eingeschränkt.

Thüringen will beschlossene Corona-Maßnahmen umsetzen

Thüringen will die bei einem Treffen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beschlossenen neuen Corona-Regeln umsetzen. "Das sind die Maßnahmen, auf die sich dann auch Thüringen wird einstellen müssen", sagte Ramelow nach dem Treffen der Regierungschefs der Länder mit Merkel am Mittwoch in Berlin. Die aktuelle Corona-Verordnung läuft im Freistaat noch bis Ende Oktober. Es werde Anpassungen geben, machte Ramelow klar, "aber immer abhängig vom Infektionsgeschehen."

Der Linke-Politiker bezeichnete die Situation in der Corona-Pandemie als ernst. "Jetzt bin ich noch nicht so besorgt, dass ich denke, wir haben es in Thüringen nicht im Griff", sagte Ramelow. Aber die Infektionszahlen würden auch in Thüringen steigen. Bei den Neuinfektionen pro Tag gebe es derzeit die höchsten Werte seit März/April - hier werde er "hellwach", sagte Ramelow.

Intensiv sei auch über das Beherbergungsverbot gesprochen worden. Thüringen lehnt ein solches Verbot bislang ab. Ramelow betonte, dass die Länder dieses Thema nach den Herbstferien gemeinsam neu bewerten wollen. "Wir wollen sehen, wie unterschiedlich sich die Dinge entwickeln", sagte Ramelow.

Patientenschützer: Corona-Beschlüsse gehen nicht weit genug

Der Deutschen Stiftung Patientenschutz gehen die schärferen Maßnahmen von Bund und Ländern in Corona-Hotspots nicht weit genug. Stiftungsvorstand Eugen Brysch sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Die schärferen Regeln für Corona-Hotspots können hier nur ein erster Schritt sein. Denn wie die wenigen Beamten der Ordnungsämter das überwachen sollen, bleibt offen."

Auch fehlten "verbindliche Zielvorgaben zur Stabilisierung der Gesundheitsämter oder zum Aufbau kommunaler pflegerisch-medizinischer Unterstützungsgruppen". Der Streit über die Beherbergungsverbote überlagere hier Problemlösungen. "Für die Hochrisikogruppe ist das gefährlich." Brysch argumentierte weiter: "Steigen die Neuinfektionen, steigen - verzögert - auch die schweren Krankheitsverläufe und die Corona-Toten." Betroffen seien insbesondere pflegebedürftige und chronisch kranke Menschen.

Aus Sorge vor einer unkontrollierbaren Ausbreitung der Corona-Pandemie mit unabsehbaren Folgen für Bürger und Wirtschaft verschärfen Bund und Länder die Gegenmaßnahmen in Hotspots. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten verständigten sich am Mittwoch auf einheitliche Regeln für Städte und Regionen mit hohen Infektionszahlen. Dazu gehören eine Ausweitung der Maskenpflicht, eine Begrenzung der Gästezahl bei privaten Feiern, Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Raum und eine Sperrstunde für die Gastronomie.

Merkel machte deutlich, dass sie nicht mit allen Beschlüssen zufrieden sei. Sie schloss noch schärfere Maßnahmen nicht aus, wenn sich in zehn Tagen, in denen die Infektionsentwicklung beobachtet werden müsse, keine Besserungen zeigten.

Umweltbundesamt legt Lüftungsempfehlungen für Schulen vor

Das Umweltbundesamt hat Empfehlungen für die Belüftung von Schulen in der Corona-Pandemie vorgelegt. Die vierseitige Handreichung wurde vor dem Hintergrund der Debatte über Ansteckungsrisiken im Unterricht erarbeitet. Zuletzt war über Mützen und Schals im Klassenzimmer diskutiert worden, weil empfohlen wird, auch im Winter in kurzen Abständen breit zu lüften. "Um sich vor infektiösen Partikeln zu schützen, sollte pro Stunde ein dreifacher Luftwechsel erfolgen. Das bedeutet, dass die Raumluft dreimal pro Stunde komplett gegen Frischluft von außen ausgetauscht wird", schreibt das Umweltbundesamt in seinen am Donnerstag veröffentlichten Empfehlungen.

In der kalten Jahreszeit soll demnach während des Unterrichts alle 20 Minuten mit weit geöffneten Fenstern für 3 bis 5 Minuten gelüftet werden - sogenanntes Stoßlüften. Zudem solle während der gesamten Pausen gelüftet werden. Das Amt rät davon ab, nur die Tür zum Lüften zu öffnen, weil sich kleine virushaltige Schwebeteilchen (Aerosole) dann von einem Raum über den Flur in andere Klassenräume verbreiten könnten. Auch von Lüften mit nur einem offenen oder mit gekippten Fenstern wird abgeraten.

"Sowohl beim Stoßlüften wie beim Querlüften sinkt die Temperatur im Raum nur um wenige Grad ab. Nach dem Schließen der Fenster steigt sie rasch wieder an", heißt es weiter. Zum "Einstudieren" des richtigen Lüftungsverhaltens schlagen die Experten den Einsatz von CO2-Messgeräten vor. Diese seien bereits für 50 bis 100 Euro zu erhalten. Die Geräte zeigen an, wann die Luft verbraucht ist. Sie geben damit einen Hinweis, wann wieder gelüftet werden sollte.

Für Klassenzimmer, in denen sich die Fenster nicht öffnen lassen - das ist zum Teil aus Sicherheitsgründen der Fall - seien "stationäre, in die Fensterbereiche eingebaute Zu- bzw. Abluftanlagen als baulich schnell realisierbare Option denkbar". Den Einsatz mobiler Luftreinigungsgeräte sieht das Umweltbundesamt eher skeptisch. Wenn, dann seien sie allenfalls als Ergänzung zum aktiven Lüften geeignet.

Langfristig spricht sich das Umweltbundesamt dafür aus, dass alle Schulen, aber auch Kultureinrichtungen mit Wärmetauschanlagen ausgestattet werden sollten. Bei solchen Lüftungsanlagen wird Frischluft von außen angesaugt und gleichzeitig durch die nach außen strömende Abluft erwärmt. Das sei die nachhaltigste Lösung für den Abstransport von Viren, CO2 und Feuchte, erklärten Heinz-Jörn Moriske und Wolfram Birmili am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Solche Anlagen empfehle man für Neubauten schon seit zehn Jahren.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook und YouTube? Hier finden Sie brandheiße News, aktuelle Videos, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

fka/news.de/dpa