02.10.2020, 17.53 Uhr

Coronavirus-News am Freitag aktuell: Schleswig-Holstein erklärt Berlin-Mitte zum Risiko-Gebiet

Angela Merkel fühlte sich während des Lockdowns an die DDR erinnert.

Angela Merkel fühlte sich während des Lockdowns an die DDR erinnert. Bild: dpa

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland hat den höchsten Wert seit der zweiten Aprilhälfte erreicht. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter 2673 neue Corona-Infektionen, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Freitagmorgen bekanntgab. Zuvor hatte der Wert binnen weniger Tage schon zweimal die Schwelle von 2500 überschritten.

Coronavirus-News aktuell: Bisher 9.508 Corona-Tote in Deutschland

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach Angaben des RKI mindestens 294395 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 2.10., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9508. Das sind acht mehr als am Vortag. Rund 259500 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Zahl der Corona-Neuinfektionen abhängig von Anzahl getesteter Personen

Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Ende März/Anfang April bei mehr als 6000 gelegen. Die Zahl war dann in der Tendenz gesunken und im Juli wieder gestiegen. Die Zahl der erkannten Neuinfektionen ist auch davon abhängig, wie viele Menschen getestet werden.

Anstieg an Corona-Infektionen beiintensivmedizinisch behandelten Covid-19-Patienten

Ein Anstieg zeichnet sich inzwischen auch bei den intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Patienten ab. Laut aktuellem RKI-Lagebericht werden derzeit (01.10.2020, 12:15 Uhr) 362 Corona-Infizierte intensivmedizinisch behandelt, 193 davon werden beatmet. Eine Woche zuvor waren es noch 296 Infizierte (166 beatmet) und eine Woche davor 238 Infizierte (135 beatmet). Rund 8700 der rund 30540 registrierten Intensivbetten sind in den deutschen Kliniken derzeit noch frei.

Keine falschen Ergebnisse! RKI weist auf Genauigkeit der Corona-Tests hin

Das RKI verwies in seinem Epidemiologischen Bulletin vom Donnerstag nochmals auf die Genauigkeit der Corona-Tests. Es komme äußerst selten vor, dass ein nichtinfizierter Mensch ein positives Testergebnis erhalte (falsch-positives Ergebnis). Wegen der hohen Qualitätsanforderungen liege die sogenannte analytische Spezifität bei nahezu 100 Prozent. Zudem würden die Ergebnisse fachkundig überprüft. Bei nicht plausiblen Befunden gebe es eine Wiederholung oder ein zusätzliches Testverfahren. Die Zahl der falsch-positiven Befunde sei daher so klein, dass sie die Einschätzung der Lage nicht verfälsche.

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Reproduktionszahl R-Wert laut RKI bei 0,90, Sieben-Tage-R bei 1,05

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Lagebericht vom Donnerstag bei 0,90 (Vortag: 0,96). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas weniger als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert am Donnerstag bei 1,05 (Vortag: 1,00). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor acht bis 16 Tagen.

US-Präsident Donald Trump und First Lady positiv auf Coronavirus getestet

US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania haben sich mit dem Coronavirus angesteckt. «Wir werden unsere Quarantäne und Erholung sofort beginnen. Wir werden das GEMEINSAM durchstehen», schrieb Trump in der Nacht zum Freitag (Ortszeit) auf Twitter. Die USA befinden sich auf der Zielgeraden zur Wahl am 3. November, bei der sich Trump um eine zweite Amtszeit bewirbt.

Kurz zuvor hatte Trump bestätigt, dass seine enge Beraterin Hope Hicks positiv auf das Virus getestet wurde. Im Umfeld von Trump hat es schon früher Corona-Infektionen gegeben. Hicks verbringt allerdings viel Zeit mit Trump und First Lady Melania.

Michael Bully Herbig: Corona-Verschwörungstheorien nicht zu toppen

Der Schauspieler und Filmregisseur Michael Bully Herbig ("Jim Knopf und die Wilde 13"; "Bullyparade") blickt fast etwas neidisch auf den Einfallsreichtum, der in vielen Verschwörungserzählungen rund um die Corona-Pandemie steckt. "Dass wir eine Bundeskanzlerin haben, die eigentlich ein Echsenmensch ist, oder dass da Blut getrunken wird, sind echt abgefahrene Ideen für einen Sketch", sagte der 52-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in München. Allerdings seien diese Theorien, die momentan kursierten, kaum noch zu toppen. "Ich bin fast ein bisschen traurig, dass uns das damals nicht eingefallen ist."

Herbig ist überzeugt, dass die Corona-Pandemie irgendwann Stoff für Filme sein wird. "Ich bin mir ganz sicher, dass während des Lockdowns schon ein paar gute Drehbücher entstanden sind", meinte der Münchner. "Da steckt natürlich unfassbar viel Potenzial drin, sowohl für Komödie, als auch für Drama. Ich glaube, da kommen noch einige Filme auf uns zu." Michael Bully Herbig spricht in dem am Donnerstag in den Kinos gestarteten Film "Jim Knopf und die Wilde 13" den Halbdrachen Nepomuk.

Angela Merkel: Corona-Einschränkungen erinnerten mich an DDR

Die Zeit der starken Corona-Einschränkungen im Frühjahr hat Bundeskanzlerin Angela Merkel an ihr Leben in der DDR erinnert. "Meine Kindheit und Jugend waren mir in diesem Moment sehr präsent", sagte die CDU-Politikerin im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag). Die Politik habe im März sehr stark in die Freiheitsrechte der Menschen eingreifen müssen. "Dass ich den Menschen sagen musste, dass man nur als ein Haushalt oder zu zweit auf der Straße sein durfte, dass keine Veranstaltungen stattfinden durften, dass Kinder ihre Eltern im Seniorenheim nicht besuchen durften - das waren gravierende Einschränkungen."

Zu den Vorteilen einer ostdeutschen Vergangenheit sagte die Regierungschefin: "Wir haben gelernt zu improvisieren, und wir haben uns angesichts vieler Mängel immer gut organisiert. Das sind Fähigkeiten, die einem auch heute helfen." Sie sehe "große Fortschritte bei der Angleichung des Lebensstandards" in Ost und West.

50 Corona-Infektionen in Pflegeheim in Vechta

In einem Alten- und Pflegeheim im niedersächsischen Vechta haben sich Dutzende Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Es gebe 50 bestätigte Fälle, sagte Landrat Herbert Winkel am Freitag. Betroffen seien 31 Bewohner und 19 Mitarbeiter. Weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens in der Region seien zurzeit aber nicht geplant, da sich der Corona-Ausbruch klar verorten lasse.

Das Land Niedersachsen gab die Zahl der Ansteckungen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche im Kreis Vechta am Freitagvormittag mit 23,8 an. Mit dem neuen Ausbruch dürfte der Wert aber deutlich in Richtung des Schwellenwertes von 50 steigen, der als Indikator für eine mögliche Ausweitung von Schutzmaßnahmen vereinbart wurde.

Berlin-Mitte gilt in Schleswig-Holstein als Risiko-Gebiet

Schleswig-Holstein hat den Berliner Bezirk Mitte wegen hoher Corona-Infektionszahlen als eines vor vier Risikogebieten im Inland ausgewiesen. Das könnte Urlaubspläne mancher Berliner mit Blick auf die anstehenden Herbstferien durchkreuzen: Denn alle Einreisenden aus Risikogebieten müssen sich im Norden für zwei Wochen in Quarantäne begeben oder zwei negative Corona-Tests innerhalb von fünf Tagen vorweisen, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Freitag in Kiel sagte. Das gilt auch für Schleswig-Holsteiner, die aus Berlin-Mitte zurückkehren.

Berlin-Mitte gilt als Corona-Hotspot. Hier ist die Zahl der Infizierten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen so hoch wie in keinem anderen der zwölf Berliner Bezirke. Am Freitag lag der Wert bei 59,6, also weit über der von Fachleuten als kritisch angesehenen Marke von 50. Die Berliner Gesundheitsverwaltung kommentierte die Entscheidung Schleswig-Holsteins am Freitag nicht.

Berlinweit klingeln bereits ab einem Wert von 30 die Alarmglocken. Dieser ist seit Tagen überschritten und lag am Freitag bei 34,5. Deshalb steht eine von drei Corona-Ampeln auf Rot. Ab Samstag gelten vor diesem Hintergrund restriktive Obergrenzen für private Feiern sowie eine Maskenpflicht für Bürogebäude.

Als Hauptursache für den seit längerem starken Anstieg der Corona-Infektionen in Berlin gelten den Behörden zufolge private Feiern und illegale Partys. Alkohol fließt hier oft reichlich, Abstandsgebote oder Schutzmasken spielen dabei oft keine Rolle.

Neben Berlin-Mitte gelten aktuell in Schleswig-Holstein drei weitere Städte und Kreise in Deutschland als Risikogebiete: Der Landkreis Rhön-Grabfeld in Bayern sowie die Städte Hamm und Remscheid in Nordrhein-Westfalen. Bereits seit Ende Juni weist das nördliche Bundesland nicht nur ausländische Regionen, sondern auch solche innerhalb Deutschlands als Risikogebiete aus.

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fka/news.de/dpa