17.09.2020, 13.22 Uhr

Coronavirus-News von Donnerstag: Knapp 2200 Neuinfektionen! Drosten warnt vor Cluster

Die Corona-Zahlen von Donnerstag bereiten so manchem Twitter-Nutzer Kopfzerbrechen.

Die Corona-Zahlen von Donnerstag bereiten so manchem Twitter-Nutzer Kopfzerbrechen. Bild: Romolo Tavani/AdobeStock

In ganz Europa steigen die Zahlen der Neuinfektionen mit dem Coronavirus an. Auch Deutschland ist da keine Ausnahme, obgleich die Zahl der an Covid-19 Verstorbenen noch auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau bleibt. Dennoch: Auf Twitter reagiert man besorgt über die 2194 Neuinfektionen am Donnerstag.

Corona-News: 2194 neue Corona-Infektionen am Donnerstag

Innerhalb eines Tages haben die Gesundheitsämter in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom frühen Donnerstagmorgen 2194 neue Corona-Infektionen gemeldet. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich demnach mindestens 265 857 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 17.9., 0.00 Uhr).

9371 Corona-Tote - 3 Menschen an Covid-19 verstorben

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9371. Seit dem Vortag wurden dreiTodesfälle mehr gemeldet. Bis Donnerstagmorgen hatten etwa 237 300 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Reproduktionszahl steigt leicht an - R-Wert bei 1,00

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Lagebericht vom Mittwochabend bei 1,00(Vortag: 1,04). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Corona-News: Sieben-Tage-R des RKI bei 1,06

Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert bei 1,06 (Vortag: 1,00). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor acht bis 16 Tagen.

Schwelle von 2000 war bereits einmal im August überschritten worden

Die Schwelle von 2000 täglich bekanntgewordenen Ansteckungen war zuletzt in der zweiten Augusthälfte überschritten worden. Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Ende März/Anfang April bei mehr als 6000 gelegen. Die Zahl war dann in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli stieg sie wieder. Die Zahl der erkannten Neuinfektionen dürfte auch davon abhängig sein, wie viele Menschen getestet werden.

"Wir sind jetzt wieder im Anstieg!" Christian Drosten warnt vor Infektionscluster

Bei der Entwicklung der Zahl der Neuinfektionen in Deutschland sieht der Virologe Christian Drosten Unterschiede im Vergleich zum August. Der am Donnerstag vom Robert Koch-Institut (RKI) gemeldete Wert von rund 2200 Neuinfektionen sei "schon nicht so eine beliebige Schwankung. Sondern wir sind jetzt wieder im Anstieg", sagte der Charité-Wissenschaftler in Berlin beim Kommunikationskongress des Bundesverbands der Kommunikatoren, wo er für seine Aufklärungsarbeit in der Pandemie mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet wurde.

Im August sei das kurze An- und Abschwellen der Zahl der Neuinfektionen mit großer Sicherheit auf aus dem Ausland importierte Fälle zurückzuführen gewesen, "die in Deutschland nicht weitergegangen sind", so Drosten. Die jetzt neu diagnostizierten Fälle seien aber in Deutschland aufgetretene Infektionen und in erster Linie Hinweise auf unerkannte Cluster im Hintergrund - die dann in Deutschland liegen. Ein Cluster kann beispielsweise eine Gruppe von Menschen bei einer Familienfeier sein. "Das heißt wir müssen uns eigentlich jetzt so drauf einstellen, dass das, was wir sehen, der Beginn einer Inzidenzzunahme ist, die man irgendwann auch dann wieder kontrollieren muss", sagte Drosten.

Beim Coronavirus sorgen die meisten Infizierten laut früheren Ausführungen von Drosten für relativ wenige Ansteckungen, während einzelne Infizierte - die sogenannten Superspreader - unter bestimmten Umständen sehr viele Folgefälle auslösten, beispielsweise in einem Cluster.

Twitter-Reaktionen zu Corona-Neuinfektionen in Deutschland

Bei Twitter gab es gleich zahlreiche Reaktionen auf die hohe Zahl der Neuinfektionen. "Ich habe die Neuinfektionen gesehen, gehe wieder ins Bett", verkündet etwa diese Nutzerin.

"Wie viele neuinfektionen pro tag waren das noch mal im märz als es die halbe ausgabgssperre gab?", deutet ein anderer User an, dass die Zahl der Neuinfektionen dem Niveau von März gleicht.

AuchOlaf Gersemann von "Welt" weist darauf hin, dass die Zahl der Neuinfektionen höher sind als zum Zeitpunkt im März, als der "Lockdown" beschlossen wurde. Er schreibt:

"Am 22. März waren wir in Flagge von Deutschland bei
- 1948 #Corona-Fällen,
- einem 7-Tage-Schnitt von 1710 und
- 8 neuen Todesfällen.

Das reichte an jenem Sonntag für den Lockdown-Beschluss.

Heute sind wir bei
- 2194 Fällen,
- einem 7-Tage-Schnitt von 1499 und
- 3 neuen Todesfällen."

"2200 #Corona-#Neuinfektionen in Deutschland ... ich würde sagen, wir lassen jetzt einfach alles sein und tun so als gäbe es sowas wie eine Herdenimmunität ...", scherzt ein Nutzerironisch.

Dieser User fordert: "Wir alle sollten ab jetzt jeden Maskenverweigerer wegen Körperverletzung anzeigen."

"Eine Katastrophe!" Twitter-Nutzer empört über Prioritäten bei Pandemie-Eindämmung

"Laut Risklayer heute > 2000 Neuinfektionen! Wir haben Schulen im Regelbetrieb ohne AHA und lassen jetzt Fans in die Fußballstadien (zu 20% Auslastung). Was sind das für Prioritäten? Schulen sind weder gut geschützt, noch digital vorbereitet. Eine Katastrophe! Mit Präsenzpflicht!", beschwert sich auch eine andere Nutzerin.

Dieser Herr hat sich die Mühe gemacht, eine Corona-Prognose für Deutschland zu berechnen. Er schreibt: "Die #Covid19-Zahlen des RKI ergeben aktuell eine 7-Tage-Reproduktionszahl von 1,08: wieder etwas höher. Am Jahresende wären so über 150.000 Deutsche aktiv infiziert, bei einer 7-Tage-Inzidenz (Neuinfektionen pro 100.000 Menschen innerhalb 7 Tagen) von 100."

"Ich bin nur noch sarkastisch. @risklayer errechnete gerade mehr als 2.000 Neuinfektionen bundesweit. Ist doch ideal für den Start der Bundesliga mit Fans im Stadion. Und wenn die Kita zu ist, kann ich wenigstens mit dem Kind ins Stadion", witzelt dieser Nutzer.

Umfrage: Mehr als zwei Drittel halten Corona-Maßnahmen für richtig

Laut einer Umfrage steht die überwiegende Mehrheit der deutschen Bevölkerung hinter den staatlichen Corona-Schutzmaßnahmen. 69 Prozent der Befragten halten das Vorgehen für richtig, wie aus dem aktuellen ZDF-Politbarometer von Donnerstag hervorgeht. Fast jeder Fünfte wünsche sich demnach sogar noch weitergehende Maßnahmen. Lediglich elf Prozent hielten die Schutzbestimmungen für übertrieben.

Entsprechend schlecht fiel die Beurteilung der in jüngerer Zeit verstärkt auftretenden Proteste gegen die Corona-Maßnahmen aus. Nur 14 Prozent finden die Proteste "gut", 83 Prozent hingegen "nicht gut".

Große Aufmerksamkeit hatte jüngst eine Aktion in Berlin bekommen: 300 bis 400 Menschen hatten Absperrungen überrannt und kurzzeitig die Treppen vor dem Reichstagsgebäude besetzt. Das Vorgehen der Demonstranten hatte für Empörung gesorgt. Bei den Protesten wurden immer wieder Verstöße gegen die Corona-Maßnahmen festgestellt, weil Menschen etwa keinen Abstand hielten oder sich weigerten, Mund und Nase zu bedecken. Auch in anderen Städten kam es zu Protesten.

Superspreader-Skandal: Mehrere Barmitarbeiter in Hamburg positiv auf Corona getestet

In einer Bar im Hamburger Schanzenviertel sind laut Senat mehrere Barmitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden. Es müsse angenommen werden, dass sich Gäste ohne ausreichenden Abstand angesteckt haben könnten, teilte der Senat am Mittwoch in Hamburg mit. Die Behörden gehen derzeit von rund 600 Betroffenen aus. 500 Menschen aus nahezu allen Hamburger Bezirken, die die Bar «Katze» am 5., 8. oder 9. September besucht hatten, habe man bereits erreicht, sagte der Sprecher der Gesundheitsbehörde, Martin Helfrich, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Viele seien schon in Quarantäne. Bislang seien sechs Corona-Tests positiv ausgefallen, "darunter auch bei mehreren Beschäftigten der Bar". Nach etwa 100 Barbesuchern werde noch gesucht.

Gäste der "Katze" haben falsche Kontaktdaten angegeben

Weil etliche Personen jedoch an drei betroffenen Tagen im September falsche Kontaktdetails angegeben hätten, seien noch nicht alle ermittelt worden. "Dieser Fall zeigt erneut: Die wahrheitsgemäße Angabe der Kontaktdaten in gastronomischen Betrieben ist wichtig, um im Falle eines Infektionsgeschehens alle möglicherweise Betroffenen warnen zu können", sagte Helfrich. Die Bar ist nun geschlossen.

Corona aktuell: Hygienekonzept nicht eingehalten?

Für die Beschäftigten war das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung den Angaben nach nicht per se Pflicht. "Beim Bedienen am Platz ist eine Mund-Nasen-Bedeckung obligatorisch. Beim Bedienen hinterm Tresen ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung nicht zwingend erforderlich, wenn ausreichend Abstand eingehalten wird", so Helfrich. Die Behörden prüfen aber auch, ob das Hygienekonzept nicht eingehalten wurde.

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sig/news.de/dpa