15.09.2020, 15.09 Uhr

Corona-Neuinfektionen am Dienstag: Corona-Tote im zweistelligen Bereich - Drosten legt Twitter lahm

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland bleibt am Dienstag auf hohem Niveau. Indes setzte Christian Drosten einen Tweet ab - und Twitter drehte durch. 

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland bleibt am Dienstag auf hohem Niveau. Indes setzte Christian Drosten einen Tweet ab - und Twitter drehte durch.  Bild: picture alliance/Christian Charisius/dpa

Charité-Virologe Christian Drosten twittert zwei Worte und Twitter dreht durch! Indes bleiben die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland auf hohem Niveau. Die aktuellen Corona-Zahlen von Dienstag.

Coronavirus-News Dienstag: 1.407 neue Corona-Neuinfektionen in Deutschland

Innerhalb eines Tages haben die Gesundheitsämter in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom frühen Dienstagmorgen 1.407 neue Corona-Infektionen gemeldet. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich demnach mindestens 261.762 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 15.9., 0.00 Uhr).

Corona-Todesfälle im zweistelligen Bereich - 12 Corona-Tote

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9362. Seit dem Vortag wurden zwölfTodesfälle mehr gemeldet. Bis Dienstagmorgen hatten etwa 234 600 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Reproduktionszahl bleibt gleich - R-Wert des RKI bei 1,18

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Mitteilung vom Montagabend bei 1,18(Vortag: 1,18). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehrals einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Sieben-Tage-R des Robert Koch-Institut liegt bei 1,04

Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert bei 1,04 (Vortag: 1,08). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor acht bis 16 Tagen.

Christian Drosten teilt Artikel - Twitter dreht durch

Das schafft auch nur Christian Drosten - mit den Worten "As expected" ("Wie erwartet") teilte der Corona-Experte auf Twitter einen Artikel über 36 Corona-infizierte Schüler an der Heinrich-Hertz-Schule in Winterhude. Kurz danach war sein Name weit oben in den Twitter-Trends.

Diese zwei Worte reichen, um eine riesige Diskussion über Corona bei Kindern und an Schulen zu entfachen. Eine Nutzerin antwortet Drosten auf seinen Tweet: "Es ist erschreckend, dass nach all den Infos&Studien, die verfügbar sind, immer noch viele Leute glauben, dass Kinder keinerlei Bedeutung bei der Pandemie haben. Das ist ein Fehler. Das wird noch ein Riesenproblem im Herbst und eventuell droht dann ein 2. Lockdown wie in Israel." In Israel waren die Corona-Zahlen nach Öffnung der Schulen wieder steil nach oben gegangen. Das Land musste nun einen zweiten Lockdown verhängen.

Christian Drostens Tweets bekommen viel Aufmerksamkeit

Christian Drosten hatte davor gewarnt, dass auch Kinder sich anstecken könnten und infektiös sein könnten, woraufhin er mit seiner Studie ins Kreuzfeuer der "Bild"-Zeitung und der Corona-Gegner geraten war. Nun bewahrheitet sich jedoch, was Drosten befürchtet und in seiner Studie auch nachgewiesen hatte.

Eine Stunde später teilte der Virologe einen weiteren Artikel. Diesmal von einer weiteren Schule in Gießen, an der sich 15 Kinder infiziert haben, 13 davon in einer Klasse. Eine Userin berichtet von ihrer Erfahrung und schreibt: "Im Saarland hat eine komplette Schule geschlossen. As expected. Völliger Irrsinn, Präsenzunterricht unter diesen Bedingungen abzuhalten. Grüße einer Dreifachmutter".

Twitter-Kritik an Christian Drostens Tweet

Es gibt aber auch Kritik an Christian Drostens Tweets. So schreibt dieser Herr: "@c_drosten
das ist Positivismus. Das ist sowas von unwissenschaftlich. Das zieht die Wissenschaft in den Schmutz. Ehrlich das geht gar nicht." Ein anderer antwortet dem Kritiker prompt: "Das kannst du so sagen. Ist dann aber Blödsinn."

Karl Lauterbach teilte ebenfalls Artikel zu infizierten Schulkindern

Auch der Epidemiologe und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach teilte den NDR-Artikel zu den 36 infizierten Schulkindern. Er schreibt: "Hier wäre Gegenteil die Nachricht gewesen. Wir werden in nächsten Wochen zahlreiche Ausbrüche in Schulen sehen. Mit Kurzquarantäne 5 Tage der Klassen und Eltern sollte man reagieren. Wenn es zum Lüften zu kalt wird helfen nur Masken oder mobile Luftfilter."

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Massentest nach Kneipentour in Garmisch: Bisher nur drei Infizierte

Nach der Kneipentour einer mit dem Coronavirus infizierten 26-Jährigen in Garmisch-Partenkirchen sind bisher nur drei weitere Menschen positiv auf das Virus getestet worden. Etwa 1.000 hatten wegen des Vorfalls von Freitag bis Montag einen Abstich nehmen lassen. Etwa 700 der Tests waren am Dienstag ausgewertet, wie Landrat Anton Speer (Freie Wähler) bekannt gab.

Im Bereich der US-Streitkräfte, wo die 26-Jährige arbeitet, haben sich dem Landratsamt zufolge 24 Menschen infiziert. Die US-Amerikanerin war vergangene Woche trotz Krankheitsymptomen und Quarantäneauflage durch Bars gezogen. Ob sie die insgesamt 28 Menschen angesteckt hat oder es andere Quellen gibt, ist weiter unklar.

Die Frau arbeitete in einem Hotel für US-Soldaten und deren Familien. Die Unterkunft wurde für zwei Wochen geschlossen, nachdem mehrere Beschäftigte positiv getestet wurden. Der Frau droht ein Bußgeld wegen Verstoßes gegen Quarantäneauflagen. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte das Verhalten der Frau "besonders rücksichtslos" genannt. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von einem "Musterfall für Unvernunft".

Sachsen-Anhalt lockert Corona-Vorschriften weiter - Clubs öffnen

Sachsen-Anhalt will zum November alle Bereiche mit Publikumsverkehr wieder öffnen. Vom 1. November sollen Clubs und Diskotheken wieder Gäste empfangen können, teilte die Landesregierung nach der Kabinettssitzung am Dienstag in Magdeburg mit. Das Besucherlimit solle bei 60 Prozent der in der Betriebserlaubnis festgelegten Personenzahl liegen sagte Wirtschaftsminister Armin Willingmann. Prostitutionsstätten können ab sofort wieder öffnen.

In Gaststätten kann künftig der Mindestabstand von 1,5 Metern unterschritten werden, wenn es geeignete Abtrennmöglichkeiten wie Plexiglaswände gebe. Mit Zugangsbeschränkungen oder Einlasskontrollen solle dafür gesorgt werden, dass sich im Innen- und Außenbereich nicht mehr als Zehner-Gruppen bildeten. Wichtig sei, dass Kontakte nachvollziehbar seien.

Die Obergrenze für Veranstaltungen in geschlossenen Räumen, die bislang bei 500 Personen liegt, soll ab dem 1. November auf 1.000 steigen. Profisport- und Kulturveranstaltungen könnten nach besonderer Genehmigung mit deutlich mehr Teilnehmern möglich sein. Private Feiern seien weiter mit bis zu 50 Personen möglich.

Karliczek: Corona-Impfstoff für viele erst Mitte nächsten Jahres

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) geht weiterhin davon aus, dass es erst im kommenden Jahr einen Corona-Impfstoff für große Teile der Bevölkerung geben wird. Absolute Priorität habe die Sicherheit. Ein Impfstoff könne nur zur Anwendung kommen, wenn der Nutzen höher sei als die Risiken, sagte sie am Dienstag in Berlin. "Von dieser Linie werden wir in Deutschland und Europa nicht abweichen." Nach wie vor müsse man sich darauf einstellen, dass es erst Mitte nächsten Jahres einen Impfstoff für breite Teile der Bevölkerung geben werde.

Neben dem Tübinger Biotechunternehmen Curevac soll die Mainzer Firma Biontech Forschungsgelder in dreistelliger Millionenhöhe für die Corona-Impfstoffentwicklung erhalten, wie Karliczek am Dienstag mitteilte. Davon sollen 252 Millionen Euro an Curevac gehen. Das war bereits Anfang September bekanntgeworden. Daneben soll Biontech 375 Millionen erhalten. Mit beiden Unternehmen seien die Verhandlungen über die Förderung nun abgeschlossen, sagte Karliczek.

Für die beschleunigte Erforschung von Corona-Impfstoffen hatte das Bundesforschungsministerium ein Sonderprogramm mit einem Fördertopf von 750 Millionen Euro gestartet. Das dritte Unternehmen, das mit diesem Programm gefördert werden soll, ist nach Karliczeks Angaben die Firma IDT Biologika aus Dessau-Roßlau. Dort seien die Fördergespräche noch nicht ganz abgeschlossen.

Laut Weltgesundheitsorganisation wird weltweit in rund 170 Projekten nach einem Impfstoff gesucht. Bei 26 Projekten laufen demnach bereits Testimpfungen. In Russland wurde schon im August bereits vor Abschluss wichtiger Tests der erste Impfstoff für eine breite Anwendung in der Bevölkerung freigegeben - was international kritisiert wurde.

Spielzeiteröffnung: Persönliche Gespräche mit Virologe Drosten

Wer schon immer eine Frage an den Virologen Christian Drosten stellen wollte, hat jetzt dazu Gelegenheit: Mit einem "Markt für nützliches Wissen und Nicht-Wissen" eröffnet die Hamburger Kulturfabrik Kampnagel am 25. und 26. September die neue Spielzeit. Dabei werden Gespräche mit 74 Experten und Expertinnen ermöglicht - vom Virologen Christian Drosten über eine Schamanin, Pflegende und eine Schülerin, die zum Thema Corona befragt werden können. In dem von der Kuratorin Hannah Hurtzig entwickelten Format kommen Besucher und Experten in persönlichen Gesprächen zusammen, die das Publikum von der Tribüne aus per Kopfhörer mitverfolgen kann.

Im Kampnagel-Foyer liefert die Installation "Para Social" von Christoph Faulhaber einen künstlerischen Kommentar auf die Abstandsregeln. Er füllt den Raum mit etwa 30 drei Meter hohen, bunten Plastikkugeln und bringt damit das Gebot des "Physical Distancing" auf eine sinnliche Ebene.

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sig/news.de/dpa