14.09.2020, 12.58 Uhr

Coronavirus-News aktuell: Mehr als 900 Neuinfektionen am Montag! Twitter wütet gegen Virologen Streeck

Für seinen sorglosen Umgang mit der Corona-Pandemie erntete der Virologe Hendrik Streeck einen Shitstorm auf Twitter. Auch Kollegen vom Fach widersprachen ihm, darunter Harvard-Epidemiologe Karl Lauterbach.

Für seinen sorglosen Umgang mit der Corona-Pandemie erntete der Virologe Hendrik Streeck einen Shitstorm auf Twitter. Auch Kollegen vom Fach widersprachen ihm, darunter Harvard-Epidemiologe Karl Lauterbach. Bild: picture alliance/Federico Gambarini/dpa

Nur bei den wenigsten Twitter-Nutzern kam Hendrik Streecks sorgloser Umgang mit den steigenden Infektionszahlen in Deutschland gut an. Noch kritischer sehen Virologen und Epidemiologen Streecks Vorstoß, darunter auch SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Karl Lauterbach. Auch am Montag befindet sich die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus auf einem hohen Niveau. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom frühen Montagmorgen wurden 927 neue Corona-Infektionen gemeldet.

Coronavirus-News: 927 neue Neuinfektionen in Deutschland

Innerhalb eines Tages haben die Gesundheitsämter in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom frühen Montagmorgen 927 neue Corona-Infektionen gemeldet. Diese Zahlen sind mit Blick auf das wirkliche Infektionsgeschehen allerdings wenig aussagekräftig - an Sonntagen und Montagen sind die gemeldeten Fallzahlen erfahrungsgemäß oft niedriger, weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI übermitteln.

Coronavirus aktuell: 9.350 Corona-Tote in Deutschland

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich demnach mindestens 260.355 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 14.9., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9.350. Seit dem Vortag wurde ein Todesfall mehr gemeldet. Bis Montagmorgen hatten etwa 233.300 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Reproduktionszahl steigt - R-Wert des RKI bei 1,18

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Mitteilung vom Sonntag bei 1,18(Vortag: 1,15). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehrals einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Sieben-Tage-R des RKI leicht gesunken

Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert bei 1,08 (Vortag: 1,16). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor acht bis 16 Tagen.

HIV-Virologe Streeck hatte am Sonntag Strategiewechsel gefordert

Am gestrigen Sonntag hatte der Virologe Hendrik Streeck eine Debatte über Umfang und Dauer der staatlichen Beschränkungen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie anregen wollen. "Ich plädiere für einen Strategiewechsel", sagte der Direktor des Institutes für Virologie und HIV-Forschung an der Universität Bonn der "Welt am Sonntag". "Wir dürfen uns bei der Bewertung der Situation nicht allein auf die reinen Infektionszahlen beschränken", sagte er. Zwar steige die Zahl der positiv getesteten Menschen in Deutschland und Europa signifikant an. "Gleichzeitig sehen wir aber kaum einen Anstieg der Todeszahlen."Gleichzeitig sehen wir aber kaum einen Anstieg der Todeszahlen."

Der Wissenschaftler ergänzte, gesellschaftlich betrachtet seien Infektionen mit keinen Symptomen nicht zwangsweise schlimm. "Je mehr Menschen sich infizieren und keine Symptome entwickeln, umso mehr sind - zumindest für eine kurzen Zeitraum - immun. Sie können zum pandemischen Geschehen nicht mehr beitragen." Streeck sagte, man könne "das Leben ja nicht pausieren lassen".

Twitter wütet über Hendrik Streecks Aussagen

Seine Behauptungen waren umgehend von Kollegen seines Fachs entkräftet worden.Dass Infektionen ohne Symptome keine bleibenden Schäden hinterlassen, ist schlichtweg nicht richtig. Auf Twitter entbrannte ein Shitstorm gegen Streecks Aussagen. User riefen dazu auf, sich nicht an Streeck zu orientieren.

Dieser User findet: "Ich muss mal fachlich werden. Bitte orientiert Euch NICHT an Streeck, zumindest aktuell nicht. Er schlussfolgert Dinge die in keinster Weise zu rechtfertigen sind. Aktuelle wissenschaftliche Daten sind sehr häufig falsch und für Laien nahezu uninterpretierbar! Es ist eine extreme anspruchsvolle Situation und auch ich würde mich hier zurückhalten wollen. Was ich aber dennoch sagen kann, ist was man nicht schließen kann und dazu gehören viele von Streecks Schlussfolgerungen. Drosten ist hier deutlich realitätsnäher ausgebikdet wie es scheint! Alles Gute!"

Twitter-Nutzer berufen sich auf Corona-Virologen Christian Drosten

"Um mal Drosten zu zitieren: "Hat jmd die Jungen Leute gefragt, ob die sich infizieren wollen?" Das hat nicht iein Virologe zu entscheiden. Ich will mich nicht infizieren für Ihre Herdenimmunitätsstrategie Herr Streeck! #Streeck", twittert eine Nutzerin.

Folgender User schimpft: "#Streeck hat von Beginn an eine politisch ideologische Strategie fernab jeglicher Wissenschaftlichkeit. Er versucht das zu belegen, was er aus niederen Beweggründen belegen will. Krampfhafte Dunkelzifferstudien um Lockerung zu erzwingen, jetzt ein Kamikazeritt wie ein Trumpist."

Und auch dieser Nutzer sieht in Streeck Folgendes: "#Streeck - Ein Marktextremist wie er im Buche steht." "#Streeck ist unerträglich...", meint ein anderer.

Epidemiologe Karl Lauterbach entkräftet Streecks Aussagen durch einen Thread

Auch Harvard-Epidemiologe Karl Lauterbach lässt es sich nicht nehmen, Streecks Vorschlag erneut aufSinnhaftigkeit zu überprüfen und zu entkräften.Er kommt zu folgendem Ergebnis.

"(1) Richtig ist, unsere Reaktion auf 2. Welle breit zu diskutieren. Aber Annahme von ⁦
@hendrikstreeck
⁩ teile ich nicht, dass es bei leichten Fällen bleiben wird. Steigende Krankenhausfälle in Frankreich, Spanien, UK, Israel weisen andere Richtung.

(2) SarsCov-2 ist nicht harmloser geworden, dafür gibt es keine Evidenz. Neue schützende Kreuzimmunität oder Herdenimmunität gibt es auch nicht. Dexamethason senkt Sterblichkeit bei schweren Fällen, verhindert sie aber nicht. Was ist also überhaupt neu?

(3) Neu ist, wie wir ohne neuen Lockdown mit Masken, Lüften, Abstand und Clusterquarantäne die Infiziertenzahlen gering halten können. Doch statt sich auf Zahl Infizierten auf die Zahl der Toten und die Krankenhausfälle zu konzentrieren halte ich für falsch weil:

4) Wenn wir erst warten, bis die Zahl der Toten wieder gestiegen ist, laufen wir der Pandemie hinterher. Man stirbt meist 4 Wochen nach der Infektion. Vorbeugung geht so nicht. Auch ist der Tod nur die Spitze des Eisbergs. Auf jeden der stirbt, werden 4 weitere zT lange beatmet."

Karl Lauterbach erhält Zustimmung - Streeck erntet Gegenwind

Karl Lauterbach, der bei Corona-Leugnern verhasst ist, erntet für seinen Tweet viel Zustimmung der Twitter-Nutzer. "Ich verstehe nicht wieso Prof. Streeck vor dem Herbst und vielleicht der beginnenden Grippesaison mehr Mut zu Infektionen fordert. Gerade wo Covid-19-Fälle in Resteuropa stark zunehmen. Das scheint komplett kontraintuitiv zu sein", schreibt einer unter Lauterbachs Tweet.

Twitter-Nutzer schimpft über Streeck als Verweigerer von Erkenntnis

Dieser Nutzer ärgert sich: "Streeck verweigert standhaft die Erkenntnis, dass auch leich8und fast symptomlose Erkrankungen zu Folgeschäden führen können, deren gesamtgesellschaftliche Kosten noch nicht abzuschätzen sind und immens werden könnten."

Wir dürfen gespannt sein, welche Strategie sich am Ende als die bessere bewahrheiten wird.

"Maske auf. Sonst Lokal zu" - Neue Corona-Kampagne in Berlin

Kneipengänger und Restaurantbesucher zum Einhalten der Corona-Regeln zu bringen, ist eine mühsame Daueraufgabe - Berlins Wirtschaftsverwaltung versucht es mit Humor. Statt auf den erhobenen Zeigefinger setzt eine neue Kampagne auf eingängige Sprüche: "Maske auf. Sonst Lokal zu", lautet einer.

"Abstand halten. Sonst ist Deine Stammkneipe schneller dicht als du", so ein weiterer Spruch. Die gemeinsame Kampagne von Visit Berlin - verantwortlich für das Tourismusmarketing der Hauptstadt - und dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) wurde am Montag vorgestellt. Sie solle Berliner, Besucher der Stadt und die Gastronomie dafür sensibilisieren, sich an die Regeln zu halten.

"Das Angebot Berlins an interessanten Restaurants, Bars und Kneipen ist legendär. Das möchten wir gemeinsam erhalten", so Visit-Berlin-Geschäftsführer Burkhard Kieker. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sagte, das Ziel sei, Berlin sicher durch den Herbst und Winter zu bringen.

Die Kampagne soll noch in dieser Woche starten - die Sprüche sollen auf Masken und Bierdeckeln und auch auf digitalen Werbetafeln zu lesen sein.

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sig/bua/news.de/dpa