04.09.2020, 12.35 Uhr

Nach Fünffach-Mord in Solingen (NRW): Was treibt Eltern zum Mord an ihren Kindern?

Wenn Eltern zu Mördern werden: Der Tod fünf kleiner Kinder in Solingen macht fassungslos.

Wenn Eltern zu Mördern werden: Der Tod fünf kleiner Kinder in Solingen macht fassungslos. Bild: Marcel Kusch / picture alliance / dpa

Es ist eine Tat, die bestürzt und fassungslos macht: Im nordrhein-westfälischen Solingen soll eine 27 Jahre alte Frau fünf ihrer sechs Kinder umgebracht haben, um anschließend einen Selbstmordversuch zu unternehmen. Die getöteten Kinder sind drei Mädchen im Alter von 18 Monaten, zwei und drei Jahren sowie zwei Jungen im Alter von sechs und acht Jahren. Ein weiteres Kind, ein elf Jahre alter Junge, wurde von der Mutter verschont und überlebte unverletzt.

Horror-Tat in Solingen: Mutter (27) soll 5 ihrer 6 Kinder getötet haben vor versuchtem Selbstmord

Während eine Mordkommission die genauen Tatumstände sowie die Todesursachen der Kinder durch eine Obduktion klärt, steht die Frage im Raum, was Mütter oder Väter zu einer solch unfassbaren Tat bringen kann. Im Gespräch mit RTL schilderte Rechtswissenschaftlerin Prof. Ulrike Zähringer die Hintergründe, die Eltern in den Kindsmord treiben können. Die Professorin für Kriminologie und Strafrecht beschäftigt sich am Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen mit derlei Verbrechen und kennt die psychologischen Hintergründe von Tragödien, wie sie in Solingen geschah.

Wenn Eltern zu Mördern werden: Was treibt Mütter und Väter zu Kindstötungen?

Der Kriminologie-Expertin zufolge seien von Eltern verübte Tötungsdelikte an Kindern auf keine Gesellschaftsschicht beschränkt. Beim Vergleich verschiedener Mordfälle kam die Kriminologin jedoch zu dem Schluss, dass es Unterschiede gibt, in welchen Fällen Mütter zu Mördern werden und in welchen Fällen Väter ihre Kinder umbringen. Bei weiblichen Tätern seien überwiegend Überforderung oder seelischer Stress Auslöser für Kindstötungen. "Psychologen sprechen von dissoziativen Zuständen - Fühlen und Handeln sind voneinander getrennt", erklärte Prof. Ulrike Zähringer gegenüber RTL.

Kriminologin: Väter töten häufiger aus Rache oder Selbstzweifeln

Väter werden hingegen aus anderen Beweggründen zu Kindsmördern - Rache nach einer Trennung oder "falsch verstandene Fürsorge" gehören der Expertin zufolge zu den Motiven, die männlichen Tätern zuzurechnen sind. Väter, die als Ernährer der Familie keine positive Zukunft für ihre Kinder sehen oder fürchten, ihre Rolle als Familienoberhaupt nicht mehr wahrnehmen zu können, werden der kriminalistischen Erfahrung zufolge im schlimmsten Fall zu Mördern. Auffällig sei dabei, dass der Statistik zufolge ältere Kinder häufiger von ihren Vätern ermordet werden, während Säuglingstötungen oder Tötungsdelikte an Kleinkindern statistisch gesehen eher von Müttern vorgenommen werden.

Telefonseelsorge hilft bei suizidalen Gedanken und psychischen Problemen

Haben Sie suizidale Gedanken oder haben Sie diese bei einem Angehörigen/Bekannten festgestellt? Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhält man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222. Auch eine Beratung über das Internet ist möglich.Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

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loc/news.de/dpa